Optimismus unterm Sternenhimmel

Gregor Meyle singt von der "Leichtigkeit des Seins" im Wasserschloss Klaffenbach. So viel positives Denken kann aber auch ein bisschen nervend sein.

Chemnitz.

Besser könnte es nicht passen: Das romantisch beleuchtete Wasserschloss Klaffenbach, eine Mondfinsternis am Sternenhimmel im Anmarsch, rund 2500 erwartungsfrohe Gäste am Freitagabend. "Das ist ein Träumchen", schwärmt Gregor Meyle und legt gleich los. Zuvor hatte Laura Bellon das Publikum "für'n Gregor" in Stimmung gebracht, später singt und geigt sie auch in seiner guten Band mit.

Nur für Männer, die AC/DC oder Guns 'n' Roses lieben, aber ihren Frauen zuliebe mit zu dem Konzert gegangen sind, werden es zwei harte Stunden. Denn - sagen wir mal, Rock 'n' Roll isses nicht, was Gregor Meyle macht. Eher eine Mischung aus Schlager, Pop, angereichert mit Elementen karibischer Musik, Reggae, Country, Geigen- und Bläsersoli. Vor allem aber ist Gregor Meyle der nette Typ von nebenan: Bart, Brille, Hütchen, Piercing als Zugeständnis an den Zeitgeist. Dem sich seine Lieder aber tapfer entgegenstellen. Und das auch noch mit einem Lächeln. "Behalt dein Lächeln im Gesicht", heißt es in einem Lied und auf dem meist verkauften T-Shirt aus der Merchandise-Kollektion. In Gregor Meyles Liedern ist die Welt noch in Ordnung - und wenn sie es nicht ist, dann wird sie es bald wieder, oder man folgt seiner Maxime: Das Leben ist so kostbar und zu schade, "um sich über irgendwelchen Scheiß aufzuregen". Hm, kann man so sehen, muss man aber nicht. Der über eine Casting-Show und eine Liedertauschbörse im Fernsehen bekannt gewordene Sänger verbreitet naiven Optimismus, der einen wahlweise sprachlos oder wütend machen kann oder eben begeistert.

Einerseits hängen manche Metaphern schief am Abendhimmel. Er singt zum Beispiel von Problemen wie der nicht zum Auto-Format passenden Parklücke oder dem fehlenden Kleingeld in der Tasche eines Obdachlosen. Diesen Problemen aber hält er entgegen, dass die "wunderschönsten Dinge" doch eh unbezahlbar seien. Da kann einem der Obdachlose nur leidtun. Oder wenn Meyle erzählt, dass er mit seiner Band vor zwei, drei Jahren auch Straßenmusik für Flüchtlinge gemacht hat: "Es geht nicht um Politik, es geht um Menschlichkeit." Aber in dem Lied, das er nach dieser Erklärung singt, heißt es, er bitte den "Mann im Mond", auf all jene aufzupassen, "denen es schlechter geht als mir". Das ist viel Arbeit für einen Mann im Mond.

Andererseits strahlt Gregor Meyle, 1978 in Backnang bei Stuttgart geboren, eine schlichte Ehrlichkeit aus - von der ausführlichen Vorstellung seiner Kapelle, die nur manchmal dazu neigt, etwas zu viel zu spielen, bis zu seinen Bekenntnissen zu Frau, Kind, Familie, Fans, dem Leben als "Pop-Star". Er weiß, dass er Glück gehabt hat, und er gönnt dies auch allen anderen. Er schreckt dabei vor keiner Binsenweisheit zurück: "Erfolg hat überall den gleichen Preis", "du musst mich jetzt verstehn, dann kannst du unsere Zukunft sehn". Er sucht nicht nach poetischen Bildern, er erzählt keine dramatischen Geschichten - wie es etwa Udo Jürgens konnte -, er behauptet Dinge und stellt fest: "Es hilft nichts, wenn du glaubst, du schaffst es nicht". "Die Leichtigkeit des Seins" heißt eine seiner Platten - und Gregor Meyle hält, was der Titel verspricht. Die Sehnsucht nach dieser Leichtigkeit ist groß, für reichlich zwei Stunden leuchtet sie in den Feuerzeugen und Handys zur Bühne hin, tanzt sie zur Musik, klingt sie in den textsicheren Mitsingchören, zu denen Gregor Meyle oft erfolgreich auffordert - "der Text ist übersichtlich...".

Danach warten wieder die unerträgliche Leichtigkeit des Seins, nach einem Buch von Milan Kundera, und der "Highway To Hell", und die Männer können auf der Rückfahrt AC/DC hören.

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