Studie: MDR ist fast schon Privat-Fernsehen

Eine Studie der Otto-Brenner-Stiftung wird von der Drei-Länder-Anstalt mit scharfen Worten zurückgewiesen.

Chemnitz.

Eine Studie der zur IG-Metall gehörenden Otto-Brenner-Stiftung, Frankfurt (Main), hält insbesondere dem MDR eine "Boulevardisierung" vor. Die Human-Touch-Berichterstattung habe inzwischen ein ähnliches Ausmaß wie bei der privaten Konkurrenz erreicht. Der Begriff "Human-Touch" ("menschliche Note") wird in der Medienwelt für politikferne Nachrichten benutzt. Der von MDR und dem ebenfalls untersuchten WDR immer wieder kolportierte hohe Anteil von bis zu 70 Prozent Informationen lasse sich in der Realität nicht nachweisen. "Selbst wenn man Ratgebersendungen berücksichtigt, liegt er beim WDR nur bei rund 50 Prozent, der MDR kommt lediglich auf 37 Prozent", behauptet Medienforscher Prof. Joachim Trebbe, der die Studie leitete. Auch im Vergleich zu ARD und ZDF sei der MDR zudem der mit Abstand unterhaltungsorientierteste Sender, bei dem die regionale Berichterstattung und kontrovers-politische Themen vernachlässigt würden. Insbesondere die Untersuchungen zum MDR würden Zweifel erhärten, ob die Drei-Länderanstalt ihrem öffentlich-rechtlichem Programmauftrag überhaupt gerecht werde. Kritisiert werden in der Studie auch die vielen Wiederholungen. "WDR und MDR können ihren Sendebetrieb nur durch hohe Wiederholungsraten aufrechterhalten", heißt es im Vorwort der Studie.

Mit scharfen Worten hat der MDR dies zurückgewiesen. MDR-Sprecher Walter Kehr spricht von einseitigen Zuspitzungen und nicht vertretbaren Wertungen, die einer fachlichen Diskussion kaum standhalten könnten. Die Studie selbst offenbare eklatante methodische Schwächen. So sei das MDR-Fernsehen im letzten Jahr lediglich eine Woche lang untersucht worden, welche allerdings untypisch für das Programm gewesen sei. Um saisonale Einflüsse wie besondere zeitgeschichtliche oder sportliche Ereignisse zu minimieren, hätte der Untersuchungszeitraum mehrere Wochen betragen müssen, so Kehr. "Dass der Sendebetrieb nur durch hohe Wiederholungsraten aufrecht zu erhalten sei, wie der Bericht behauptet, ist Unsinn. Allein die sechs Stunden der Nachtschiene machen schon 25 Prozent des Tages aus. Niemand erwartet morgens um 3 Uhr Erstsendungen", sagt Kehr.

Mindestens als "grob fahrlässig" müsse die Tatsache gewertet werden, dass die Autoren der Studie eine Sendung wie "MDR aktuell" als Regionalsendung einstuften. Man habe in Frankfurt offenbar übersehen, dass der MDR anders als andere Dritten die Tagesschau aus dem Ersten nicht übernehme, sondern eine eigene überregionale Nachrichtensendung anbiete. Tatsächliche Regionalnachrichten im MDR-Fernsehen hätten dagegen keine Berücksichtigung in der Studie gefunden.

Kehr nennt diese insgesamt "interessengeleitet". "Der MDR hat einen Programmauftrag für Menschen und nicht für die Agenda von Politikbetrieb und Gewerkschaften." In der Studie wurde auch bemängelt, dass im Gegensatz zum WDR Gewerkschaften in der Regionalberichterstattung des MDR kaum vorkämen.

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