Wer sind eigentlich diese "Ossis"?

Von der "Ostquote" bis zum "Respekt ostdeutscher Lebensleistung": "Ossis" haben als Debattenphänomen aktuell wieder stark an Gewicht zugelegt. Aber bestimmen sie das hiesige Leben? Oder dienen sie eher als kommodes Versteck?

Chemnitz/Plauen.

Ist ein Witz ein lustig gemachtes Klischee, dann hat er auch einen wahren Kern. Der hier zum Beispiel: "Der Ossi sagt: ,Wir sind ein Volk!' Antwortet der Wessi: ,Jaja, wir auch!'" Die Runde machte dieser Gag in der Nach-Wende-Zeit, heute ist er vor allem bezeichnend. Zum einen, weil die Lage sich mittlerweile umgedreht hat - während der alte Wessi im Jahr 30 nach dem Mauerfall in vielen Punkten Deutschland als Ganzes betrachtet, will der neue Ossi gern mehr Ossi sein und fühlt sich viel zu sehr umklammert vom Wessi. Zum anderen steckt aber noch eine Wahrheit in dem Satz: "ein Volk" - das ist reine Definitionssache.

Eine "Ostquote" soll die Sache nun richten. Das klingt gut, nach "Herr im eigenen Haus", und schon haben Politiker und Aktivisten auch Prozentzahlen parat: Wieviele Ossis sitzen in Parteivorständen, Aufsichtsräten, Hochschulleitungen? Dabei bügelt man recht salopp über eine Frage, die nur sehr scheinbar klar ist: Wer ist das überhaupt, die Ossis? Wie wird man das? Genügt es, auf dem ehemaligen Staatsgebiet der DDR geboren zu sein? Oder muss man auch von dem untergegangenen sozialistischen Staat etwas abbekommen haben? Persönlich? Über die Muttermilch? Inwiefern kann man durch Zuzug Ossi werden? Oder den Status durch Wegzug verlieren? Fragen, die sich spätestens dann nicht mehr so leicht beantworten lassen, wenn man 30 oder 40 ist und Eltern hat, die teilweise im Westen gelebt haben - weil sie dorthin ausgereist sind. Oder dort geboren wurden und dann einreisten. Es ist kompliziert.

Aber muss es das sein? "Ossi", das ist letztlich ja nur eine Zuschreibung. Eine Identität. Mal wird sie einem von außen angeheftet, mal findet man sie für sich selbst. Kein Mensch hat jedoch nur eine. Unsere Persönlichkeit entsteht ja erst durch das volle Bukett der verschiedenen Identitäten, die uns in ihrem Mit-, Neben- und Gegeneinander ausmachen. Wir sind Mutter und Maschinenführer, Tierfreundin und Spinnenfeind, Messdiener und Mätresse. Lehrer, Malerin, Saunagänger, Klöppelfreundin, Reichsbürger oder Sexarbeiterin. Das ist oft widersprüchlich, rettet aber auch immer wieder unser Leben: Weil niemand nur Kraftfahrer ist oder Angler oder Christ oder Internetsurfer oder SPD-Wähler, können wir auch immer neue Anker für uns finden. Denn an welche unserer Identitäten wir uns gerade klammern, welche wir mit besonderer Inbrunst ausfüllen und welche wir eher an den Rand stellen, bestimmen wir in gar nicht so engen Grenzen selbst.

Es bedeutet aber auch: "Ossi" ist man nicht - als "Ossi" begreift man sich, und die Identität taugt dabei gleichermaßen als Projektions- wie Ablagefläche. Da kommt natürlich die Geschichte ins Spiel: Jahrzehnte hat man den Ossis von außen nicht gestattet, das Ossisein abzustreifen. Wie kann man sich da über die resultierende Mischung aus trotzigem Stolz und latent jämmerlichem Opferbewusstsein wundern? So ein Gefühl verschwindet ja nicht, nur weil im Westen jetzt mancherorts Straßen und Schwimmbäder schlechter in Schuss sind als in Schwerin oder dem Erzgebirge. Man kann den Menschen aus dem Osten holen, nicht aber den Osten aus dem Menschen - erst recht nicht, wenn er das gar nicht will.

An dieser Stelle kommt die Verheißung ins Spiel, und zwar in Form der Vorstellung, es gäbe so etwas wie die "Lebensleistung des Ostdeutschen". Ist doch großartig: Man ist etwas, ohne dafür mehr getan zu haben, als irgendwie aus dem Osten zu sein. Die DDR hat man durchlitten: Selbst, wenn man sich persönlich darin oft recht kommod eingerichtet hatte, wurde man doch von einem einmaligen Geist beseelt. Oder war es doch eher ein Gespenst, ein schlichter Gegenpol zu etwas, was man eigentlich für erstrebenswert hält? Noch ein Witz: "Der Fuchs ist schlau und stellt sich dumm / beim Wessi ist es andersrum." Noch so ein kraftspendender Gag aus der Nachwende-Zeit, in dem dieses diffuse Gefühl schwingt, die Ossi seien irgendwie die feineren, geselligeren Kerle, in denen ein geisterhafter dritter Weg wohnt: Sozial, aber - natürlich! - nicht sozialistisch. Der Ostismus, dieses fatale Schöne, deren innewohnende Gutmütigkeit die Ossis daran hindert, ihr Potenzial zu entfalten. Denn eine Erklärung braucht es schließlich dafür, dass der Ossi, dieser clevere alte Fuchs, am Ende doch nicht so erfolgreich ist wie sein stereotyper Widerpart, der Wessi: Kann es eine andere geben als Skrupellosigkeit und Beschiss? In vielen Teilen der Erde, den USA etwa, gilt Anerkennung demjenigen, der eine Chance zu nutzen versteht - wer das vergeigt, ist selbst schuld. Die Ossis haben sich 1989 eine historische Chance selbst geschaffen - die von anderen genutzt wurde. Das riss eine Wunde ins Gemüt, die in den vergangenen 30 Jahren nicht zusammengewachsen, sondern vernarbt ist. Manchmal zeigt man sie stolz vor - und manchmal juckt es. Irgendwie haben wir Ossis erwartet, dass ein Schiedsrichter kommt, das Foul pfeift und eine Art Gelbe Karte zückt. Und jetzt? Wollen wir etwas wie den nachträglichen Videobeweis.

Weil diese Erkenntnis nicht neu, die Idee des Ostismus aber eben konstant verführerisch ist, haben die Ossis im Lauf der Jahrzehnte darin einige Entwicklungsstufen durchgemacht. Es gab das bittere Ossi-Sein der Ex-Bürgerrechtler, eine mit Stacheldraht umwickelte Stasi-Akte. Dann war da die Gaga-Version der Ostalgie-Parties, mit Sandmännchen, Vita-Cola und den Puhdys. Am besten war bisher aber eigentlich die Version der Generation Kraftklub: Selbstironisch, selbstbewusst, mit einer bemerkenswert guten Balance aus Spaß und Ernst. Da schwang immer auch die Schwierigkeit mit, dieses innere Gleichgewicht zu erreichen - wie auch die Freude, die man aus einer angenommenen Herausforderung ziehen kann. Weil Ossi eben nur eine Identität von vielen ist. Natürlich gab und gibt es systembedingte Benachteiligungen - und natürlich war der Osten davon betroffen. Diese gilt es zu ändern. Aber wer soll das tun? Die Ossis? Der Phantom-Schiedsrichter? Oder sollte man statt an einer Identität die Probleme packen, wo sie liegen - in Kultur, Politik, Wirtschaft?

Bewertung des Artikels: Ø 4.1 Sterne bei 7 Bewertungen
36Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    3
    JanWunderwald
    24.04.2019

    @ralf66:
    Ein Satz mit 99 Wörtern dient nicht gerade dem besseren Verständnis Ihres Kommentars und führt mich dazu, Kommentare von ralf66 zukünftig gar nicht erst zu lesen.

  • 1
    2
    Malleo
    06.04.2019

    nix..
    Wie "Intellekt" und Promille mit einer Pappe korrelieren, bleibt Ihr Geheimnis?

  • 0
    0
    Malleo
    06.04.2019

    Mit dem Verfasser gab es dazu noch (privaten)mailverkehr.
    Der war so zielführend, wie der Austausch der Argumente von Impfbefürwortern und Impfgegnern.

  • 1
    5
    Distelblüte
    06.04.2019

    @Malleo: Was für ein Quatsch. Lesen Sie Blackadders Antwort.

  • 5
    3
    Malleo
    05.04.2019

    distel..
    ...exkommuniziert oder freiwillig konvertiert?

  • 5
    1
    Nixnuzz
    05.04.2019

    @Distelblüte: Ja. Scheint manchmal auch die Frage des Intelektess und der Promille zusein, wann der Trabbi wieder ausgekramt wird..

  • 3
    1
    Nixnuzz
    05.04.2019

    @Blackadder: Kann mich ihrer Meinung voll anschliessen. Als gelebter Rheinländer jetzt im Erzgebirge mit seinem Slang klarzukommen ist Gewöhnungssache. Bin hier regelrecht "aufgesogen" worden. Wie war das: "Was nicht passt wird passend gemacht!" Aber jeder lebt mit unserer Vergangenheit ohne sich über den anderen hinwegzusetzen.

  • 3
    6
    Distelblüte
    05.04.2019

    @Blackadder: Genau das meinte ich damit. Das Festhalten an einer überlebten DDR-Mentalität ist nicht meins.
    @Nixnuzz: Ist die Erklärung plausibel?

  • 5
    4
    Blackadder
    05.04.2019

    @nixnuzz: Ich nehme mal an, das bedeutet, dass wir seit fast 30 Jahren ein Land sind und mal sich nicht mehr in erster Linie als Ossi oder Wessi sehen soll. Ist mir weitaus sympathischer als das schwarz/weiß Denken Ossi:gut Wessi:böse a la "Interessierte" .

  • 6
    1
    Nixnuzz
    05.04.2019

    @Distelblüte: "Ich war ein(e) Ossi..." Als angehender Ossi nach 70 Jahren Wessi muss ich doch mal nachfragen, wie ihre Antwort zu verstehen ist.

  • 5
    10
    Distelblüte
    05.04.2019

    Ich war ein(e) Ossi. Ich bin es seit 30 Jahren nicht mehr.

  • 6
    1
    Täglichleser
    05.04.2019

    Nixnutz: Vorgestern, Gestern und Heute vom Prinzip, im Wesentlichen. Es ist wie beim Fussball. Nur ganz wenige halten die
    Spitze. Manchmal gibt es ein breites Mittelfeld. Auch dort ist keiner sicher vor
    dem Tabellenende. Aber auf jeden Fall muss es Verlierer geben und Absteiger.
    Keine Frage mehr von Ost und West.
    Kapitalismus live. Hier abgefedert im demokratischen Mantel. Weltweit knallhart.

  • 6
    1
    VaterinSorge
    05.04.2019

    Die eine Frage kann man nicht pauschal beantworten, denn es gibt immer "solche" und "solche".
    Die einen haben ihrer Heimat ein für alle mal den Rücken gekehrt und sich bis heute nicht umgedreht, haben sich vollständig eingelebt und wollen von der Vergangenheit und ihrem Geburtsort nichts mehr wissen. Andere haben ihre Heimat nie aus den Augen verloren und wenn sie erfolgreich wurden, dann auch großzügig gespendet, Starhilfe gegeben oder ihr angeeignetes Wissen wieder in den angestammten Regionen eingesetzt und verbreitet. Ich habe aber noch nie schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht, die sowohl das Kapital, als auch die Macht dazu hatten hier was zu gründen oder aufzubauen, wenn sie ursprünglich selbst, oder deren Eltern(teile) hier aus der Region stammen. Natürlich gehören Gewinn erwirtschaften und Geld mehren genau zum guten Ton, wie sich innovativ und preislich im globalen Markt zu behaupten. Geht man vor lauter Gutherzigkeit pleite, will dann auch keiner mehr was davon wissen...
    Die eigentlichen Probleme kann man heute in der FP lesen: Es gehen jedes Jahr doppelt so viele Menschen in den Ruhestand als nachwachsen. Das ist zwar kurzfristig gut in Bezug der Arbeitslosenzahlen, für die sächs. Wirtschaft ist das ein Desaster. Daher ist es gut, wenn sich mehr abgewanderte Familien sich ihrer Wurzeln besinnen und mit Herz und Verstand ihre Heimat durch Mitarbeit unterstützen würden, auch wenn die realen Löhne hier noch etwa 20 - 25 % niedriger sind, was sich aber durchaus in den nächsten Jahren ändern kann. Es ist momentan sozusagen wieder Goldgräberstimmung im Osten, während der Westen durch das reduzierte Wirtschaftswachstum, weniger Export, fehlender Neueinstellungen in der Automobilbranche und stark gestiegenen Sozialleistungen in eine Schockstarre geraten wird. Ist wirklich nicht wünschenswert, aber das haben wir Menschen in Sachsen nun wirklich nicht verursacht, das waren andere Kräfte.

  • 5
    1
    Nixnuzz
    04.04.2019

    Ich kann nur eine Fragestellung loswerden: Was ist aus den "Weggegangenen" in dem Jahren von z.B. 1949 bis 1989 geworden? Sind alle als Alkoholiker und Arbeitslose auf den West-Strassen gelandet? Oder war es "damals" noch möglich, in dem aufstrebendem Kapitalismus eine Funktion mit Lohn und Brot - Verantwortung - zu finden? Auch an Positionen, die ab 1990 zur Leitung von Ost-Organisationen befähigten? Vielleicht auch als besonders durchsetzungsfähige Geschäftsleiter im Osten? Was wurde aus deren Nachkommen? "Gemischte Migranten" die die "Goldgräberstimmung" nutzten? Irgendwie helfen uns Selbstmitleid als auch Selbstbeweihräucherung nicht weiter. Unser tägliches Leben wird durch verschiedene Rahmenbedingungen "behindert", die wir Einzelne nicht lösen können aber oft als Entschuldigung für persönliche Emotionen dienen. Wir "Deutschländer" sind wohl wie eine Münze, die eben 2 Seiten hat aber nur als Ganzes nutzbar ist.

  • 2
    5
    Freigeist14
    31.03.2019

    Franz Demmler@ : "Das in den 90er Jahren der unvermeidliche Elitenwechsel dafür sorgte,dass überwiegend Westdeutsche das Zepter im Osten übernahmen ist verständlich ." Ist es das ? Wieder so ein Narrativ, aus dem Finanzministerium ,daß es keine Alternativen gab .

  • 4
    0
    Täglichleser
    31.03.2019

    FranzDemmler: "Die aus der Wendezeit stammende Fähigkeit und Bereitschaft der Ossis jedoch, ein ganzes System infrage zu stellen, ist vielleicht nicht das schlechteste Erbe der DDR, wenn es von der politischen Klasse ernst genommen und verantwortungsvoll gemanagt wird."

    Kann ich auch dick unterstreichen.
    Da ist aber eine breite Diskussion nötig.
    Und ein weiter Weg in diese Richtung.
    Als Beispiel nur zu nennen den Verkehrsminister mit seiner freien Fahrt für freie Bürger. Ohne Verzicht geht es aber nicht ab. Wenn aber überflüssiges weggelassen wird und Freizeit gewonnen
    wird, wären wir auf den richtigen Weg.

  • 5
    0
    Täglichleser
    31.03.2019

    Schönes Fazit "VaterinSorge".
    Aber wo und wie finden wir die heile
    Familie und die freundlichen Nachbarn
    Und Freunde? Mit unserem System ständig
    Exportweltmeister sein zu wollen nicht.
    Nicht mit Überstunden der Arbeitnehmer,
    mit deren Flexibilität, mit deren Verlassen der alten Heimat, um im Westen eine neue
    Existenz aufzubauen. Die Wirtschaft siegt
    über Familienbande und ehemalige Freundschaften. Im Osten pflegen Alte Alte. Was kommt danach?
    Aus dem Kessel muss Druck heraus.
    Das geht nur über die Einsicht, dass wie so unsere Lebensgrundlagen zerstören und
    anders und nach Bedarf wirtschaften sollten.

  • 6
    3
    VaterinSorge
    31.03.2019

    Ich habe mir eben die Zeit genommen und mir alles in Ruhe durchgelesen. Sorry, aber mir ist so, ich möchte jetzt meinen Senf auch dazu geben:
    Nehmen wir mal Fakten als wesentliche Merkmale der unterschiedlichen Sichtweisen:
    1. Wohnverhältnisse
    im Osten (geographisch und nicht abwertend gesehen) beträgt der Anteil des selbst genutztem Wohneigentums 34,6 %, der Anteil von selbst genutztem Mietwohnraum entsprechend 65,4 %. Im Westen ist es genau umgekehrt. In Sachsen allein gibt es insgesamt etwa 2,25 Mio. Wohnungen, wovon knapp die Hälfte (1.05 Mio.)die reinen Privatpersonen gehören. Darunter sind vielleicht eine Handvoll aus Sachsen selbst. Insgesamt stehen immer noch 221.000 Wohnungen leer, doch es müssen in den nächsten Jahren mdst. 180.000 neu oder umgebaut werden, da sie derzeit nicht dem aktuellen Wohnstandart entsprechen würden. Allein die Eigentums- und Vermögensverhältnisse machen einen deutlichen Unterschied aus, wobei man über Wohnqualität und Preise sicherlich diskutieren könnte. Unter dem Strich könnte es heißen: Wer dem Leistungs- und Gehaltsanpassungsdruck etwas entfliehen will oder kann, der wohnt hier bei oft besseren Verhältnissen deutlich günstiger zur Miete, als sich teures Eigentum mit all seinen Verpflichtungen anzutun. Das nehmen immer mehr Rentner, aber auch junge Leute aus der gesamten Republik gern an.
    2. Bildung
    Natürlich haben 40 Jahre gemeinschaftliche und auf Natur- und kommunistische Geisteswissenschaft reduzierte Bildung ihre Spuren hinterlassen, auch die überlebenswichtigen Merkmale Beziehungen zu pflegen und aus Schei... Bonbons zu machen, haben ausgeprägte Logik, Unternehmungsgeist, Scharfsinn und ein gewisses Vertrauen in die Ehrlichkeit Anderer gegenüber geprägt. Das wurde natürlich schnell zur tödlichen Gefahr, weil man dieses auf Profit durch Beschiss - System der plötzlichen Besucher in den schwarzen Nadelstreifenanzügen mit Sonnenbrillen am Abend und Schals im Sommer eben keine "böse" Absicht zutraute. Sie setzten oft alle Naturgesetze und ethischen Zusammenhänge die man im Sozialismus gelernt hat außer Kraft und wollten doch nur das Beste - das noch übrig gebliebene Geld. Die bundesdeutsche (Allgemein)Bildung legt halt mehr Wert auf andere Dinge, was mittlerweile auch immer mehr Betriebe, Dienstleister, Gastronomen oder Handwerker zu spüren bekommen. Nur wer heute eine Spezialausbildung, ein Fachstudium oder überbetriebliche Qualifikationsmaßnahmen durchlaufen hat, hat die Dinge erlernt, wofür in früheren Zeiten im Osten ein 10 Klassenabschluss mit UTP und PA Kenntnissen, Praktikum und Ferienjobs und zwei - oder dreijähriger Ausbildung reichten. Ein Abitur mit Studium an Unis oder FH's war schon oberste Elite. Heute ist (bis auf Sprachen, Bank- und Versicherungswesen, Germanistik oder Forensik) nichts hinzugekommen , wobei echt fraglich ist, wie viel man davon braucht.
    3. Einkommen
    im Grunde ist das leicht nachzuvollziehen, wenn der größte Teil der im Osten ansässigen Unternehmen Zulieferer oder verlängerte Werkbänke von im Westen etablierten Stammwerken sind, dass sowohl von der Produktivität, als auch von den kalkulatorischen Stundenlöhnen und Lohnerwerbskosten gewaltige Anspruchsunterschiede gemacht werden. Man muss sich einmal fragen, warum Deutschland ein so erfolgreicher Exportweltmeister in Europa geworden ist. Das ist die Mischung von Kapitalkraft und Innovationen (im Westen) und deutlich günstigeren Arbeits- Lohn- und Stückgutkosten im Osten. Das kann man jetzt sehen wie man will, bei gleichen Löhnen, gleichen Bedingungen (ohne Förderung, Subvention und ohne die gewaltigen Arbeitsleistungen der Menschen hier) wäre Deutschland im internationalen Vergleich nicht halb so erfolgreich. Im Grunde ist das noch Glück im Unglück, denn in Kürze wird sich einiges ändern.
    Bleiben noch die Themen Ministerien, Werksleitungen, Unis / Hochschulen uvm. Wenn man hier die überproportionale Präsenz westdeutscher Eliten anprangert, muss man sich mal in die Zeit 1989/1990 zurück versetzen. Führende damalige Politiker, Minister, Staatssekretäre, Firmengründer, Unternehmer uvm. kamen selbst aus dem Westen und besetzten relevante Stellen sofort mit oft jungen, studierten, engagierten Leuten, die hier in der Aufbauphase ihr persönliches Lebenswerk entdeckten und als Verwaltungsjuristen in jeglichen Positionen einsetzbar waren. Mit dem eisernen Besen ging man durch die Verwaltungen und entledigte sich sehr rasch von "ideologisch verseuchtem" Gedankengut. Und heute? Die jungen Leute von Einst, sind heute Abteilungsleiter, Rektoren, Direktoren, Professoren, Werksleiter oder selbst Eigentümer usw. Das wird sich erst im nächsten und übernächsten Generationswechsel ändern. Fazit: Es ist nicht viel anders als zwischen Nord- und Süditalien, Georgia und Massachusetts
    oder Hong-Kong und Südchina, der eine liebt es etwas beschaulicher, einfacher und dennoch lebenswerter, der andere braucht den Stress sich Eigentum schaffen zu müssen, dafür Karriere zu machen um Wohlstand und Prestige zu erhalten, der andere wiederum denkt an etwas Bescheidenheit, Natur, Kinder und Nachbarn. So wird jeder sein Fleckchen finden, wobei Heimat, Ver- und Entwurzelung immer mehr eine Rolle spielen werden, denn das wichtigste im Leben sind die Gesundheit, Familie und echte Freunde.

  • 6
    0
    FranzDemmler
    31.03.2019

    Dass in den 90er Jahren der unvermeidliche Elitenwechsel dafür sorgte, dass überwiegend Westdeutsche das Zepter im Osten übernahmen, ist verständlich. Dass es in weiten Bereichen fast 30 Jahre später immer noch so ist und sich zu vererben scheint, nicht. Das ist die nüchterne Analyse, die von keinem politischen Lager ernsthaft bestritten wird. Dass dieses Thema aber jetzt kampagnenartig wieder einmal an die Oberfläche drängt, hängt mit dem Erschrecken der politischen Klasse über die sich verändernde politische Landschaft zusammen. Es ist aber eine aus meiner Sicht bittere Erkenntnis, dass ohne AfD, Pegida, Pro Chemnitz und Ereignisse wie im letzten August in Chemnitz weder der Ministerpräsident noch die Kanzlerin Chemnitz besucht hätten und sich den Bürgern zumindest in einem eingeschränkten Format, aber immerhin, gestellt hätten. Wir hätten keine im letzten halben Jahr wie Pilze aus dem Boden sprießenden TV-Sendungen über die Eigentumsverhältnisse im Osten, keine Talk-Shows über Ossi-Quoten, keine zusätzlichen Gelder für öffentlichkeitswirksame Projekte im Osten noch eine Diskussion über den Ossi schlechthin, mit denen jetzt auf die Stimmung im Osten Einfluss genommen werden soll. Eine für mich bittere Erkenntnis deshalb, weil ich es vorgezogen hätte, dass die Politik in dieser Sache ihre Arbeit in den letzten 30 Jahren besser gemacht und jeden Hinweis, und davon gab es viele aus sehr verschiedenen Lagern, mit der Arroganz der sächsischen Staatspartei abgebügelt hätte. Die Radikalisierung der politischen Landschaft hätte man sich ersparen können. Es scheint so, als wäre nur noch mit einer kalkulierten Grenzüberschreitung à la Gelbwesten und „Friday for Future“ die nötige Aufmerksamkeit zu erreichen.
    Die aus der Wendezeit stammende Fähigkeit und Bereitschaft der Ossis jedoch, ein ganzes System infrage zu stellen, ist vielleicht nicht das schlechteste Erbe der DDR, wenn es von der politischen Klasse ernst genommen und verantwortungsvoll gemanagt wird.

  • 3
    2
    Nixnuzz
    30.03.2019

    Und was ist mit den Ossies, die bereits irgendwann zwischen 1945 und 1989 bereits gen Westen gemacht haben? Sind das Ossies 2.Klasse oder wie? Wieviele sind in den westlichen wirtschaftlichen oder politischen Hierachien erfolgreich und Wessi-wirksam aufgestiegen? Wieviele Steine wurden denen noch nach 1953 oder 1961 freundlich in den Weg gelegt oder "systematisch" zerrieben? Wie oft mussten sich diese gegen den Vorwurf der Spionage oder der verkappten KPD-Mitgliedschaft erwehren? Welche Unterstützung erhielten diese in streng-katholischen Regionen und wurden fast vor "freundlicher Umarmung" erdrückt etc... Mein Wessi-Lebenslauf wurde immer wieder durch intensiven Ossi-Kontakt begleitet. Schule, Lehre und Beruf bis zu meinem Job-Ende. Also hört endlich mit den Schuldzuweisungen auf. Bildung und Charakter sind eh schon different genug. Egal in welcher Stadt, Bundesland oder sonstigen Region dieser Mensch geboren und aufgewachsen ist. Hoascht me..derah Saubeudln dammischer? Kölle alaaf und Düsseldorf hellau...1-2-gsuffa .. OK - Genschman war nunmal eine publikumswirksame herausragende Erscheinung - für Ost wie West. Von den im Hintergrund werkeln Menschen mit gemischten Geburtsorten ganz zu schweigen..

  • 10
    2
    ralf66
    29.03.2019

    Wir hatten Westverwandtschaft, ich erinnere mich noch genau an die Gespräche und Erzählungen, die ich damals als Jugendlicher Anfang der 80er Jahre, wenn die zu Besuch bei uns waren hörte, dass alles was die über Leben, Politik, Arbeit, Geld, Konsum, Urlaub, Gewerkschaften, Betriebsklima, Mitspracherecht in Unternehmen aus der alten Bundesrepublik erzählten, habe ich so nach der Wende nie kennen gelernt und ganz anders erleben müssen, ich war nämlich nach der Wende zuerst einmal arbeitslos geworden, die von Kohl versprochenen blühenden Landschaften, hat man da überhaupt nicht sehen und finden können, bis man sich dann wieder, nach kurzer Arbeitslosigkeit und kurz ABM, aus eigener Kraft auf dem Arbeitsmarkt integrieren konnte, aber ohne Mitspracherecht im Unternehmen, schlechte Gewerkschaftsarbeit, die hatten gar nichts zu melden, dass Betriebsklima in ostdeutschen Unternehmen war geschürt von der Geschäftsführung meist eben nicht gut, die Betriebe wurden nach dem Motto Zuckerbrot und Peitsche geführt worden, wenig Lohn und bis heute immer noch unter dem Bundesdurchschnitt, wenig Urlaub, Grundurlaub halt und dann zu vorgeschriebenen Zeiten, vorbehaltslose Leistung von nicht bezahlten Überstunden mit schlechten Absetzmöglichkeiten, mit der Reisefreiheit war es auch nicht weit her, weil das nötige Geld dazu fehlte, dass relativ wenige verdiente Geld stand ständig im Gegensatz von ständig steigenden Preisen wie bei Mieten, Nahrungsmitteln, Kraftstoff, Auto, Energiekosten, Heizungskosten, Versicherungen und Steuern, bei wenig steigenden Löhnen. Das wir heute als sogenannte Ossis, etwas schneller ablehnend auf gewisse politische Ereignisse und Veränderungen im Land reagieren, hängt doch wohl damit zusammen, dass viele, die in der alten DDR lebten, die Fehler, die in diesem Staat gemacht wurden, zu lange erduldeten, obwohl, dass muss unbedingt gesagt werden, in der DDR nicht alles falsch gelaufen ist, leider wurden kurz nach der Wende gleichfalls wieder schwere Fehler gemacht, die in erster Linie ertragen wurden, um die eigene Existenz zu sichern, Fehler an die man sich aber zurück entsinnen kann, wie zum Beispiel, die rücksichtslose Zerstörung noch vorhandener funktionierender Wirtschaftszweige der ehemaligen DDR durch die Treuhand, mit dem Ziel, diese eventuelle Konkurrenz für westdeutsche Unternehmen auszuschalten, dort wurden Betriebe an sogenannte West-Unternehmer, die oftmals keine waren, für billiges Geld verhökert, diese wurden dann geschlossen, die Belegschaft entlassen, mit Staatsgelder und ABM wurden diese Betriebe abgerissen, mit der Begründung, nicht konkurrenzfähig, veraltet und marode zu sein, mit den übrig gebliebenen Grundstücken wurde dann hoch spekuliert, diese wurden zu ordentlichen Preisen verhökert, Ergebnis, viele Wessis wurden ganz reich, ganz viele Ossis ärmer und ohne Arbeit, es kam zu einer großen Arbeitslosigkeit im ehemaligen Gebiet der DDR, viele ehemalige DDR-Bürger gingen damals an ihre Ersparnisse, die durch dem Umtauschkurs von DDR-Mark zur DM eh schon kleiner geworden waren, also von blühenden Landschaften, wie Kohl versprach und Aufbau erst einmal keine Spur, im Gegenteil Abbau, alles nur Geschwafel um Wahlen zu gewinnen und Tatsachen zu vertuschen. Heute in der Gegenwart und kurzen Vergangenheit, sahen und sehen wir uns in den sogenannten neuen Bundesländern, natürlich auch jetzt im gesamten Bundesgebiet vor ähnlichen Problemen, wie nach der Wende, nur scheinen das die ehemaligen Ossis anders wahrzunehmen, wie die alten Wessis, die spätestens nach 1949 in der alten Bundesrepublik nur Aufbau und Aufschwung gewöhnt waren, der zwar spätestens Anfang der 1980er Jahren auch abebbte, Veränderungen eintraten, wie zum Beispiel eine falsche Einwanderungspolitik, aber den Wessis ging es noch gut und mit paar Veränderungen, wird man doch nicht gleich hadern. Ich denke viele Ossis sind heute der Meinung, dass die Politik in der Bundesrepublik, zum eigenen Abbau der allgemeinen Lebensqualitäten und der gesamten Lebensweise und finanziellen Absicherung im Land führen könnte, dazu zählen die falsche Einwanderungs- und Asylpolitik, die mehr Geld kostet wie sie bringt, der Abbau sozialer Sicherheiten und der sicheren Arbeits- und Einkommensverhältnisse, wie zum Beispiel durch die Agenda 2010, eine völlig zu überdrehte, kostspielige Energiewende, Klima- und Umweltpolitik, unsichere Renten, dadurch Altersarmut, durch zuvor zu wenig verdientes Geld, zurückzuführen zum Beispiel auf die Agenda 2010, dort wurden billige Arbeitsplätze mit geringer Löhnen geschaffen, die später wenig Rente einbringen werden. Ich denke, dass die gesamten Lebensbedingungen in den sogenannten alten Bundesländern, immer noch viel besser sind, wie die gesamten Lebensbedingungen hier im ehemaligen Osten, auf dem Gebiet der ehemaligen DDR, deshalb reagieren die Menschen in diesen zwei unterschiedlichen deutschen Zonen oder Gebieten, auch wegen der von mir beschriebenen Unterschiede völlig anders, die Ossis haben viele ungute Veränderungen und Bedingungen lange ertragen müssen, oder vieles was nicht gut war mehrmals mit großen Einschnitten auf ihre Lebensweise durchgemacht, dass ist bei den Wessis so nie der Fall gewesen. Ich verwende nicht gerne die Worte Ossi oder Wessi, auch nicht so gerne alte und neue Bundesländer, nach so vielen Jahren der deutschen Einheit, sind diese Wörter eigentlich Blödsinn, aber der Einfachkeit halber, weil es schneller zu schreiben war, mache ich hier eine Ausnahme.

  • 6
    3
    Malleo
    28.03.2019

    Täglichleser
    Wir haben es gewollt und der Verlierer darf sich nicht aufregen, wenn das Wasser an der Unterlippe steht und dieses schmutzig ist.
    Früher war der Osten für unsere Brüder und Schwestern jenes unterentwickelte Billiglohnland(heute fehlen immer noch 20%), was heute Bangladesch für D ist.
    T-Shirts für 3 € gefällig?
    Heute ist es die Handelspolitik der EU gegenüber Afrika und das krampfhafte Bestreben mit viel Geld(Euro) zusammenzukitten, was nicht zusammengehört.
    Die Vergesellschaftung der Schulden(EZB) ist das Pendant zum Gelddrucken der SED wie auch die Tatsache, dass der heutige Sozialstaat schneller wächst als die Wirtschaft. Die Staatsschulden betragen ca. 2000 Mrd. Euro.
    Peanuts.
    Also, alles besser?
    Ob dann paar Junggebliebene mit FDJ Hemd rumspringen ist das ebenso irrelevant, wie das Fahren eines Oldies und immer noch besser als "Ganz Connewitz hasst die Polizei" der Antifa!

  • 4
    2
    Täglichleser
    28.03.2019

    Malleo alles richtig. Das Ausbluten des Osten passierte aber schon zu DDR-Zeiten.
    Wie wir unsere Waren verklickert haben.
    Wer etwas Einblick hätte, wusste das so die Wirtschaft nicht zu halten war.
    Versteh bis heute nicht, das Lechzen nach
    harter Währung, nach Devisen. Das war zutiefst unfairer Handel, der auch heute die
    Welt nicht besser macht.
    Diese Einsichten in dieses System hat aber mancher Ossi nicht gehabt oder ist ihm verloren gegangen. Siehe Wahlverhalten.
    Es kommt noch dazu, dass die Streitbaren
    altersmäßig weniger werden. Und wenn 55jährige im Vogtland noch hier und heute
    Spass haben ein FDJ-Hemd aus Dummdietelei drüberzuziehen, dann ist das
    nicht Aufarbeitung, dann ist das geschichtsvergessen, was auch immer. Dumm.

  • 5
    3
    Malleo
    28.03.2019

    Ostismus, eine Wortschöpfung, die durchaus in die Zeit passt und ein Beleg für Peinlichkeiten der nach unten offenen Richterskala ist.
    Viele der Fragen wurden und werden mit Vorliebe von Leuten beantwortet, die nur selten im zweiten deutschen Staat (bewusst) sozialisiert wurden oder aber gerade das Pionierhalstuch zur Wende abgelegt haben.
    Wer sind Ossis?
    Das sind auf alle Fälle Menschen in Mitteldeutschland, die sich 1989 sehr großen gesellschaftlichen Herausforderungen stellten als sie mit Mut, Intelligenz und Disziplin sich als politischer Souverän auf der Straße und an den Runden Tischen artikulierten.
    Und diese Erfahrungen verändern Maßstäbe- nachhaltig!
    Das heißt auf die Gegenwart bezogen, die realistische Sicht der politischen Krise ist im Osten wesentlich deutlicher ausgeprägt.
    So fahren sie ihr keineswegs durch Einheitsfeiern verschüttetes Sensorium aus, um zu sagen, wir wissen wie es geht, wenn von den sogenannten politischen Eliten die Realität verdrängt oder negiert wird.
    Die westlichen und östlichen Lebensformen kollidierten, das gut darstellen, mehr haben und besser sein traf auf das nicht verstellen können und offenes, ehrliches kommunizieren, das Geld stand nicht im Mittelpunkt.
    Sie mussten lernen, wie ökonomisch- politische Parameter zu menschlichen gemacht wurden.
    Die Aufbauhelfer und deren Nachfolger betreiben bis in die Gegenwart wirkende (geschlossene) Netzwerke in Wirtschaft, Politik, Justiz, Universitäten, Polizei und Medien, deren Ziel einzig die Erhaltung ihrer Einflussmöglichkeiten ist.
    Die von der Treuhand ab 1990 flächendeckend betriebene Plünderung Mitteldeutschlands ist eine Erfahrung, die für 17 Mio. Menschen unvergesslich bleiben wird.
    Es vollzog sich ein Rückgang um 70% der industriellen Produktion- mehr als zur Weltwirtschaftskrise.
    Diese Deindustrialisierung ganzer Regionen in Sachsen, Sachsen- Anhalt und Thüringen war damit gleichwohl ein perfektes Konjunkturprogramm für die alten Bundesländer, potentielle Konkurrenten mussten weg.
    Menschen, die in zwei völlig verschiedenen Gesellschaftssystemen sozialisiert wurden, haben den unschätzbaren Vorteil, sehr deutlich und sensibel (Fehl-)Entwicklungen erkennen zu können, die in keinem noch so hochkarätigen Seminar gelehrt werden.
    Ein kleines Fazit:
    „Ossi eine Identität oder kein Mensch hat nur eine“?
    Letzteres mag bestenfalls für unsere temporären Gäste zutreffen:
    „das Bukett der verschiedenen Identitäten“.
    Gern unterschreibe ich den Satz der Feministin und Islamkritikerin Zana Ramadani: „Meine Identität ist klar deutsch.“
    Das Gespenst des Ostismus gibt es nicht, oder doch?
    Warum sollte sonst der Osten (wieder) im Focus der demokratischen Altparteien stehen, die mich an alte Spannbetonbrücken erinnern:
    Überholte Konstruktionen, schlecht gewartet und nicht mehr sanierbar.
    Ich gebe die Antwort selbst.
    Es stehen Wahlen an!

  • 7
    1
    Freigeist14
    28.03.2019

    Kein Ammenmärchen ist es ,das Michael Ballack auf schäbige Weise aus der National-Elf gekickt wurde und der aalglatte Oliver Bierhof selbst nach dem WM-Debakel und fragwürdiger Vermarktung im DFB in Amt und Würden geblieben ist .Auch ist es Tatsache ,das lediglich 1,7% der Führungskräfte in Gesamtdeutschland ostdeutscher Herkunft sind .Etwa 90% der neu berufenen Professoren an ostdeutschen Universitäten kommen aus Westdeutschland .Von den 35 zwischen 1990 und 2004 tätigen Staatssekretären in Sachsen kamen 85,3% aus Westdeutschland . Quelle : DieLinke.

  • 8
    6
    acals
    27.03.2019

    Ich begrüße es ausdrücklich wenn die Hand die zu Lesen gibt endlich mal Klartext spricht. Diese ganzen Verschwörungstheorien gehören genauso auf den Müllhaufen der Geschichte wie die Ideenkonstrukte, die sie hervorbrachten.

    Es wäre wertvoll wenn Kommentare hier die effektiv Opferverhöhnung betrieben haben, genauso tituliert worden wären. Das würde zeigen das wir in Chemnitz in gesamtdeutsch angekommen sind ...

    Es ist dann rein sachlich ein Ammenmärchen das Ossis nicht aufsteigen können, dafür sprechen gerade die Einkommensmillionäre Ballack und Bierhoff. Es gibt genügend andere die ihren Weg gehen, und das sehr erfolgreich. Gerade für diese ist der alte Kaffeeklatsch von Ossi und Wessi geradezu lachhaft, wer will und die Fähigkeiten hat, der kann!

  • 13
    2
    Täglichleser
    27.03.2019

    In Überschrift und am Ende eines Artikels
    sollten Wesentliches stehen. Super. Das ist hier so. Das Gespenst des Ostismus.
    Sehe das so: Ja keinen geschichtlichen Vergleich Ost West. Unsere jetzige Demokratie ist "alternativlos". Markt, Markt!
    Staatliche Korrekturen. Bitte keine Sünde.
    Das wäre doch wieder Sozialismus.
    Der Artikel endet sinngemäss Ossi Wessi hin und her, die Probleme packen, wo sie in Kultur, Politik, Wirtschaft liegen. Genau.
    Aber auch mit einen gewissen Blick nach hinten. Ohne Glorifizierung des einen wie des anderen. Und ohne Nachtreten.

  • 22
    1
    saxon1965
    27.03.2019

    Es war vieles, sehr vieles nicht richtig in der DDR und es ist falsch diesen Staat zu glorifizieren. Das beileibe aber auch nicht alles falsch und schlecht war, ist eine ebensolche Tatsache und wird an Ansätzen hier und da bewiesen (Ärztehäuser, Ganztagesschulen u.ä.m.). Den realexistierenden Sozialismus gab es meiner Meinung nach nicht. Was da war? Eine schlecht gemachte Planwirtschaft mit eben solchen Privilegien, Machterhaltungsmechanismen und menschlichen Unzulänglichkeiten, wie in jedem bisherigen System.
    Aber nur weil eine Mannschaft nicht Fußball spielen kann und der Schiedsrichter eine Pfeife ist, bleibt es dennoch ein Fußballspiel.
    Will sagen, dass der Ansatz, dass im Mittelpunkt staatlichen Handels der Mensch und sein Wohlergehen, man könnte auch sagen Gemeinwohlwirtschaft, Moral, Ethik usw., steht, dass dieser Ansatz der Richtigere ist.
    In diesem System sind wir davon weiter denn je entfernt, trotz Reisefreiheit, Auto, Bananen und Dschungelcamp.

  • 15
    0
    Moderator
    27.03.2019

    @Freigeist14: Unser Chefredakteur Torsten Kleditzsch ist Ossi, seine beiden Stellvertreter Jana Klameth und Udo Lindner sind ebenso Ossis, Sascha Aurich (Newsdeskchef und Mitglied der Chefredaktion) ist in Karl-Marx-Stadt geboren und in Baden-Württemberg aufgewachsen.

  • 11
    2
    Täglichleser
    27.03.2019

    Vor 30 Jahren ist ein System untergegangen. 40 Jahre Lebensinhalte.
    Unser jetziges System hat mächtige Probleme mit immer wenigeren Gewinnern.
    Diese haben bestimmt kein Interesse Positives in der ehem. DDR abzugewinnen.
    Die Ossis dürfen mal etwas Ostalgie mit
    Pionierhalstuch und Blauhemd. Weiter
    Aufarbeitung ist wichtig. Und die aktuellen
    Probleme müssen auf den Tisch. Man kann
    durchaus über die "Niewiedersozialistischeexperimente" nachdenken.

  • 21
    3
    saxon1965
    27.03.2019

    @1212178, wir arbeiten weltweit nach über 70 Jahren noch an unserer, also die unserer Vorfahren, Vergangenheit. Da wird es ja wohl 30 Jahre nach der Wiedervereinigung noch diskutabel sein über Fehler dieser Übernahme zu reden.

  • 11
    13
    1212178
    27.03.2019

    Nach 30 Jahren wird das Ost- West- Gejammere langsam lächerlich, auch wenn früher sooo vieles schöner war.

  • 16
    4
    saxon1965
    27.03.2019

    @Freigeist und aus diesem Grund, dass kriminelle Ungerechtigkeiten ungesühnt bleiben, wird es weiter eine gewisse Unversöhnlichkeit zwischen alten und neuen Bundesländern geben.
    Aber was ist von diesem System auch anderes zu erwarten. Wir vergessen immer wieder, wem diese Politik und ihre Administration letztendlich dient und verpflichtet ist. Leider lassen sich zu viele Bürger dieses Landes mit Kommerz einlullen und durch Nebelkerzen ablenken.

  • 17
    7
    Freigeist14
    27.03.2019

    Gute Frage : "Wieviel Ossis sitzen in Parteivorständen, Aufsichtsräten,Hochschulleitungen ?" Darf ich ergänzen : Und in Regionalzeitungen ?

  • 16
    7
    Freigeist14
    27.03.2019

    (...)das ein Schiedsrichter kommt ,das Foul pfeift und die Gelbe Karte zückt ." Das ist auch schwer möglich ,wenn die Akten der "Treuhand" weiter unter Verschluss bleiben . Vereinigungskriminalität ,die ungeschoren geblieben ist . Die Urheber sind bekannt . Und diese haben keine Sorgen mit abgebrochener Erwerbsbiografie, kleinen Renten und dem Vorwurf , das falsche Leben im falschen System hingenommen zu haben .

  • 25
    2
    saxon1965
    27.03.2019

    Gefällt mir Tim Hofmann!
    Tja, zum Einen treffen sie mit ihrer Aussage "Die Ossis haben sich 1989 eine historische Chance selbst geschaffen - die von anderen genutzt wurde. Das riss eine Wunde ins Gemüt, die in den vergangenen 30 Jahren nicht zusammengewachsen, sondern vernarbt ist." den Nagel auf den Kopf und zum Anderen fragen sie "Oder sollte man statt an einer Identität die Probleme packen, wo sie liegen - in Kultur, Politik, Wirtschaft?" und genau dass, ostdeutsche Wertevorstellungen in dieser Gesellschaft um- und durchzusetzen, gelingt meistens nicht.
    Menschen, die zwei drei Jahrzehnte im Osten geprägt wurden, haben es schwer mit ihrer Nichtellenbogenmentalität und oft unbedarften Ehrlichkeit gegen das Westsystem anzukommen. Michael Ballack und Oliver Bierhoff sind für mich zwei solche Beispiele. Sicher gibt es auch Gegenbeispiele, aber ich meine, dass selbstbewussten Ostdeutschen dennoch oftmals am fehlenden "Schauspielunterricht" und dieser Ellenbogenmentalität gescheitert sind.



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