"Zigeunerbaron" bei den Greifenstein-Festspiele: Majestätischer Abschied für den Tenor

Die Greifenstein-Festspiele steuern auf einen neuen Besucherrekord zu. An die große Resonanz auf "Heißer Sommer" knüpft die Operette "Der Zigeunerbaron" nahtlos an.

Ehrenfriedersdorf.

Ausverkaufte Besucherränge sowie Zusatzplätze und ein begeistertes Publikum, das sich mit viel Applaus von seinen Sitzen erhebt - als wollten sie ihm alle den Abschied bereiten, den er verdient hat: Tenor Frank Unger. Mit der Hauptrolle in der Operette "Der Zigeunerbaron" gab er nach elf Jahren Engagement im Eduard-von-Winterstein-Theater seinen Ausstand bei seinem Publikum in Annaberg-Buchholz und im Erzgebirge. Auch wenn er dem Haus noch nicht ganz den Rücken kehrt, sondern für Wiederaufnahmen in der neuen Spielzeit regelmäßig wiederkommt. Ansonsten wird er in der neuen Spielzeit im Mittelsächsischen Theater in Freiberg zu erleben sein.

Just mit eben jenem "Zigeunerbaron" hat vor elf Jahren vor der einzigartigen Felskulisse alles angefangen. Zum Abschied nun also noch einmal dieses Stück, das er so mag. Vor allem der schönen Melodien und der mitreißenden Musik wegen, und weil es so viel Spielfreude zulässt. Spielfreude, die am Samstagabend alle kleinen und großen Darsteller versprühen - in Chor und Ballett gleichermaßen wie im Ensemble. Der temperamentvollen Zigeunerschar ist ebenso wenig anzumerken, dass sie schon den großen Teil einer anstrengenden Festspielzeit unter freiem Himmel hinter sind hat, wie auch den Ensemblemitgliedern. Vielfach stehen sie seit dem 15. Juni fast täglich auf der Bühne, mitunter sogar mehrfach. Sie erzählen spannende Räubergeschichten und verzaubern in fremden Märchenwelten, entfachen "Elfen-Feuer" und entführen mit "Carmen" unterm Sternenhimmel nach Spanien.

Doch Walzerkönig Johann Strauß reißt sie mit seinen eingängigen Melodien noch einmal alle mit. Und spätestens, nachdem László Varga als der reiche Schweinezüchter Kálmán Zsupán bekannt hat: "Das Schreiben und das Lesen sind nie mein Fach gewesen", ist auch das Publikum angesteckt. Der Bass mit der markanten Stimme verleiht dem selbst ernannten Schweinefürsten, der Intelligenz nun nicht gerade zu seinen Stärken zählt, so viel charmanten Witz, dass er die Lacher an diesem Abend mehrfach auf seiner Seite hat. An der agieren unter anderem Bettina Corthy-Hildebrandt als resolute Erzieherin seiner Tochter Arsena, die längst nicht nur den Familiennachwuchs fest im Griff hat. Madelaine Vogt gibt einmal mehr diese wundervolle Tochter ab, die schnippisch jeden Freier in die Flucht schlägt, weil sie allein ihren Ottokar liebt, der von Marcus Sandmann gespielt wird.

Frank Unger hat als junger Emigrant Sándor Barinkay, der 25 Jahre nach der Vertreibung seiner Familie zu den einstigen Ländereien zurückkehrt und von den dort mittlerweile lebenden Zigeunern sofort zu ihrem Baron ernannt wird, noch einmal Sopranistin Bettina Grothkopf zur Bühnenpartnerin. Sie spielt das Zigeunermädchen Saffi, das Sándor sich zu Frau wählt - ohne dass er schon ihr Geheimnis kennt, das sie später zur Fürstin werden lässt. Viele bekannte Paare der Opern- und Operettengeschichte haben die beiden in den vergangenen elf Jahren gegeben - und sich damit die Herzen des Publikums erobert. An ihrer Seite wird künftig der US-Amerikaner Jason Lee zu erleben sein, der für die neue Spielzeit verpflichtet wurde.

Weitere Aufführungen vom "Zigeunerbaron" gibt es am 15., 22., 26. und 29. August sowie am 1. September, jeweils 15 Uhr. Ticket-Hotline: 03733 1407131.

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