Zwei Mann dirigieren ein Orchester und spielen die Soli

Plauen-Zwickauer Philharmonie eröffnet Saison höchst originell

Zwickau/Plauen.

Buchstäblich nichts war alltäglich an dem Sinfoniekonzert, mit dem das Philharmonische Orchester Plauen-Zwickau am Donnerstagabend im Konzert- und Ballhaus "Neue Welt" sowie am Folgeabend im Vogtlandtheater Plauen-Zwickau die sinfonische Saison eröffnet hat. Nicht nur, dass es das letzte Sinfoniekonzert des Klangkörpers unter diesem Namen war: Gemäß Theater-Aufsichtsratsbeschluss werden es die Bürgermeister der Trägerkommunen bei den Konzerten am 17. und 18.Oktober in "Clara-Schumann-Philharmoniker Plauen-Zwickau" umbenennen.

Das spielte jetzt noch keine Rolle. Vielmehr galt es, einen "Artist in Residence" zu begrüßen: den 27-jährigen Pianisten und Dirigenten Frank Dupree, der 2018 bereits an denselben Orten mit Gershwins Concerto in F für Aufhorchen gesorgt hatte und dann von Generalmusikdirektor Leo Siberski für diese Langfristkooperation bei vier Saisonkonzerten geworben wurde. Die zog sich durch den Abend in beispielloser Weise. So dirigierten Dupree und Siberski abwechselnd das Schostakowitsch-Konzert für Trompete, Klavier und Streichorchester und spielten jeweils ihre Soloparts. Auch optisch reizvoll, da der Pianist mit dem Rücken zum Publikum saß und jeder seine förmlich fliegenden Hände sah. Siberski, einst Trompeter an der Staatskapelle Berlin, stand ihm vis-à-vis, und man sah ihn beim Dirigieren endlich mal von vorn.

Weitere Einsätze Duprees folgten als Schlagzeuger bei der brillanten Orchesterfassung von Beethovens "Wut über den verlorenen Groschen" von Slawa Ulanowski und dem Kopfsatz des Konzerts für Vibrafon und Streichorchester von Emmanuel Séjourné, in dem der junge Musiker das Instrument sowohl mit Schlegel als auch mit Bassbögen bearbeitet - jedes der Werke ein musikalisches Erlebnis, ebenso wie das Mozart-Rondo mit dem er am Klavier seinen Einstand gegeben hatte.

Ungewöhnlich auch der Schluss: Man spielte Duke Ellingtons hochkomplexe, 1950 entstandene, Jazz und Sinfonik aufs Beeindruckendste verschränkende "Harlem Suite", eine kurzweilige sinfonische Dichtung in 20 Bildern, zu der Dupree am Drumset agierte - seit langem das erste Mal, wie in einer kleinen Talkrunde mit Siberski der junge Mann bekannte, der 1998 als Sechsjähriger beim Kleinen Schumann-Wettbewerb in Zwickau seine ersten Pianisten-Lorbeeren verdiente. Da ist inzwischen einiges dazugekommen, zuletzt 2018 ein Opus-Klassik-Preis.

Das Publikum war ob der Ausstrahlung und Natürlichkeit des Künstlers aus dem Häuschen - und angesichts des rundum originellen Saisonauftakts, der so in jeder Hinsicht vom Gewohnten abwich. Was heißt, dass das oft als konservativ gescholtene Publikum für derlei Versuche durchaus offen ist. Wer nicht, dem bleibt zum Beispiel die Chemnitzer Robert-Schumann-Philharmonie. Sie eröffnet ihre Saison am Mittwoch mit Brahms' 1. Klavierkonzert und Schumanns Vierter.

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