Sozialticket: Kreis soll Fahrschein für Ärmere prüfen

Der Kreistag stimmt über den Antrag der Linken Anfang Dezember ab. Doch manchem geht der Vorstoß nicht weit genug.

Flöha/Augustusburg.

Am besten kostenfrei, mindestens aber verbilligt sollen Bedürftige in Mittelsachsen mit Bus und Bahn fahren können. Über den Vorschlag der Linke-Fraktion soll der Kreistag in seiner letzten Sitzung des Jahres beraten. Dabei geht es noch nicht um die Einführung, sondern zunächst um einen Prüfauftrag an die Verwaltung, wie Fraktionschef Gottfried Jubelt erklärt: "Der Landrat wird beauftragt, die Einführung eines Sozialtickets für den ÖPNV zu prüfen, ebenso den Einsatz möglicher Fördergelder. Außerdem soll er ein Finanzierungskonzept erarbeiten."

Dies sei dringend notwendig, so der Augustusburger, schließlich sollen sowohl Hartz-IV-Empfänger als auch schwerbehinderte Menschen nach den Vorstellungen seiner zwölfköpfigen Fraktion auf Sozialticket Bus und Bahn fahren können. "Am besten sollten sie kostenlos unterwegs sein, das wäre der Idealfall", so der Kreisrat.

Und weiß sich einig mit Mittelsachsen-Linke-Chefin Marika Tändler-Walenta: Sie unterstütze das Vorhaben, finde es gut. Es gehe darum, die ländliche Region am Leben zu erhalten und es Ärmeren zu ermöglichen, mobil zu sein.

Auch Jubelts Fraktionskollege David Rausch ist für das Ticket. Wie Tändler-Walenta spricht er von einem Anfang. Denn eigentlich gehe der jetzige Vorstoß nicht weit genug, so der Geringswalder: "Bus und Bahn müssten für alle komplett kostenlos sein", fordert er und verweist auf die ländliche Region. Kinder hätten weite Schulwege, und die Leute würden immer älter und seien auf den Nahverkehr angewiesen. Die Linken haben daher die Einführung eines kostenfreien und fahrscheinlosen ÖPNV in Mittelsachsen in ihr langfristiges Programm aufgenommen. Tändler-Walenta kündigte dazu eine Veranstaltungsreihe für Bürger an. Bei den Foren sollen auch Finanzierungsmodelle eine Rolle spielen. Tändler-Walenta hält etwa eine Nahverkehrsabgabe für denkbar.

Auch für Grüne-Kreisrat Sebastian Walter, der das Ticket befürwortet, wird es entscheidend darauf ankommen, dass die Finanzierung gesichert ist. Der Niederwiesaer kündigte an, er werde sich in der nächsten Sitzung des Kreistags-Finanzausschusses starkmachen, dass das Landratsamt die Finanzierung der Sozialtickets in Dresden, Leipzig und Chemnitz untersucht. "In allen drei Städten haben die Grünen zusammen mit anderen Kräften ein Sozialticket auf den Weg gebracht." Walter kritisierte die Tarifstruktur im Landkreis. "Gerade in Mittelsachsen ist der ÖPNV nicht günstig, da die meisten Fahrgäste mehrere Tarifzonen bezahlen müssen."

Stefan Kraft ist ebenfalls überzeugt, dass seine Fraktion aus SPD und Grünen einem Sozialticket prinzipiell aufgeschlossen gegenübersteht. "Das ist immer eine gute Idee." Dennoch befürworte er eine sachsenweite Lösung - und für weitere Bevölkerungsgruppen wie Lehrlinge, Schüler, Asylbewerber. Denn der Vorstoß würde ermöglichen, dass eine Personengruppe nicht noch weiter abgehängt ist. Aber er löse nicht das Grundproblem, die fehlende Anbindung vom ländlichem Raum an Ober- und Mittelzentren. "Lassen Sie uns doch mal den ÖPNV weiterdenken mit einem Ticket für alle", warb auch Kraft.

Der Verkehrsverbund Mittelsachsen sieht die Zuständigkeit für sozialpolitische Themen bei den Landkreisen und kreisfreien Städten. Der VMS unterstützt sie hinsichtlich denkbarer Umsetzungsvarianten, erklärte Sprecherin Jeanette Kiesinger gestern. Und sie fügte hinzu: Entstehende Mindereinnahmen müssten Landkreise und kreisfreie Städte ausgleichen.

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3Kommentare
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  • 4
    4
    Interessierte
    30.10.2018

    Die Linken - haben hier an die vielen , vielen H4-Empfänger gedacht und an die prozentual wenigen Schwerbehinderten ...
    Für meine Begriffe fehlen hier aber die armen Renter , welche nach 1989 entlassen wurden und nun mit ganz kleinen Renten dastehen und zur Tafel gehen ...

  • 9
    1
    Steuerzahler
    30.10.2018

    Wie immer wären die, die z. B. für einen Mindestlohn arbeiten, die Angeschmierten! Soll sich arbeiten dann noch lohnen? Meine volle Unterstützung für Menschen mit jedwedem Handycap. Sie können nichts für ihre Behinderung und haben es schwer genug im Leben. Sie sollten kostenlos fahren können. Aber in einer Zeit, wo Arbeitskräfte gesucht werden, sollte man den Schwerpunkt auf Motivation zur Jobsuche und Qualifizierung legen. Und die das aus objektiven Gründen nicht Vermögen, sollen entsprechend eine auskömmliche Unterstützung erhalten. Sonst wird das falsche Signal gesetzt, auch für die, die wie gesagt arbeiten.

  • 9
    0
    AndreaWeigel
    30.10.2018

    Es würde schon sehr helfen, wenn die Gebiete um Chemnitz mit in die Zone Chemnitz eingeordnet werden. Die Leute in den Randgebieten müssen dann nur für eine Zone bezahlen und das wäre für alle Nutzer eine finanzielle Erleichterung. Auch für Gehaltsempfänger, die oft nur knapp über der Grundsicherung Einkommen beziehen.



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