Automobil-Zulieferer Koki bündelt die Produktion in Glauchau

Das Zulieferunternehmen stellt sich auf die Veränderungen in der Automobilindustrie ein. Das bleibt nicht ohne Konsequenzen für die Mitarbeiter.

Niederwürschnitz/Glauchau. Das Unternehmen Koki Technik in Niederwürschnitz bei Stollberg (Erzgebirgskreis) reagiert als Systempartner der Automobilindustrie auf die Veränderungen in der Branche und richtet sein Geschäft neu aus. So wird die Produktion aus dem Standort Niederwürschnitz, wo derzeit 480 Mitarbeiter beschäftigt sind, nach Glauchau verlagert. "Die Investitionen in die Erhaltung des Standortes sind zu groß, wir wollen lieber in neue Produkte und sichere Arbeitsplätze investieren", sagte Koki-Geschäftsführer Daniel Sonntag am Freitag der "Freien Presse". Die Umrüstung des Werkes auf moderne Anforderungen hätte einen Millionenbetrag erfordert.

Die Konzentration der Produktion in Glauchau, dort arbeiten derzeit 260 Beschäftigte, hängt aber auch mit Veränderungen auf dem Markt zusammen. Koki produziert vor allem Teile für die inneren Schaltsysteme für Fahrzeuggetriebe wie Schaltdome und Schaltgabeln. Weil sich ein Trend zu immer mehr automatisierten Getrieben abzeichnet und der Bedarf an manuellen Getrieben zurückgeht, muss Koki auch seine internen Strukturen anpassen. Hinzu kommt, dass der Markt in Europa, anders als in Asien, in den nächsten Jahren stagniert. Das hat nach Auskunft der Geschäftsführung auch Konsequenzen für die Beschäftigung.

So rechnet Sonntag mit einem Rückgang der Mitarbeiterzahl bis 2022 um etwa 200, wobei etwa die Hälfte auf die Marktsituation und die andere Hälfte auf die Verlagerung zurückzuführen sei. Derzeit arbeiten bei Koki 780 Beschäftigte. Aufgrund der Verlagerung werden vor allem Arbeitsplätze im Servicebereich und in der Qualitätssicherung wegfallen, die an beiden Standorten vorhanden sind. "Ein Teil des Abbaus werden wir über die Fluktuation, Altersregelungen und auslaufende Verträge erreichen, für den Rest suchen wir sozialverträgliche Lösungen", sagte der Koki-Chef.

Gleichzeitig entwickelt Koki den ehemaligen Kleinserienstandort im erzgebirgischen Jahnsdorf weiter zum Technologiecenter. Damit soll der Ausbau der internationalen Geschäftstätigkeiten mit Forschung und Entwicklung zielgerichteter und umfassender vorangetrieben werden. In Jahnsdorf werden nicht nur neue Produkte entwickelt, sondern gleichzeitig die Produktionsprozesse optimiert. Die Beschäftigtenzahl in Jahnsdorf soll mit 40 Mitarbeitern aus Niederwürschnitz auf 80 verdoppelt werden.

Zudem bereitet sich der Zulieferer Koki auf die Expansion in neue Produktfelder im Rahmen der Elektromobilität vor. Künftig liefert das Unternehmen hoch belastbare Leichtbaukomponenten für die Automobilindustrie. Die in den vergangenen drei Jahren entwickelte und inzwischen patentierte Materialmatrix-Lösung bietet Gewichtseinsparungen von bis zu 50 Prozent gegenüber Aluminium bei gleicher Belastbarkeit. "Die Leichtbauteile können nicht nur im Getriebe, sondern auch beispielsweise im Fahrwerk oder im Chassis eingesetzt werden. Mit den daraus entstehenden Produktfeldern sind wir für die Zukunft gerüstet", sagte Sonntag.

Der Automobilzulieferer Koki Technik Transmission Systems GmbH war 2014 vom chinesischen Staatskonzern Avicem übernommen worden. 2017 wurde im Tochterunternehmen von Koki im chinesischen Wuhan die Produktion aufgenommen. Zudem gibt es in Indien ein Gemeinschaftsunternehmen. Beide Firmen bedienen den wachsenden Markt in Asien. Insgesamt beschäftigt Koki mit seinen Auslandsbeteiligungen 1300 Mitarbeiter. Das sächsische Unternehmen erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 125 Millionen Euro. Zu den internationalen Kunden von Koki gehören namhafte Automobil- und Getriebehersteller, von Volkswagen über Audi, GM, Renault und Porsche bis hin zu Getrag und dem Getriebehersteller ZF.

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