Insolvenz: 1000 Beschäftigte der Paracelsus-Kliniken in Sorge

Nach dem Insolvenzantrag der Paracelsus-Kliniken will sich die Gruppe selbst sanieren. Die Gehälter kommen zunächst von der Arbeitsagentur.

Zwickau/Reichenbach/Schöneck.  Die Paracelsus-Kliniken mit Hauptsitz in Osnabrück haben drei Tage vor Weihnachten Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Das bestätigte das Amtsgericht Osnabrück. Die Gruppe betreibt 40 Einrichtungen an 23 Standorten. In Südwestsachen gibt es Paracelsus-Kliniken in Zwickau, Reichenbach und Adorf/Schöneck, die als Regelkrankenhäuser gelten, sowie eine Reha-Klinik in Bad Elster. Sie beschäftigen rund 1000 Mitarbeiter.

In einem Mitarbeiterschreiben der Geschäftsführung heißt es, das Insolvenzverfahren in eigener Regie solle eine "nachhaltige Sanierung" des Unternehmens ermöglichen. In den vergangenen Wochen waren Liquiditätsprobleme aufgetreten. So wurde das tarifliche Weihnachtsgeld nicht ausgezahlt.

Die Löhne und Gehälter der Beschäftigten sind im Rahmen des Insolvenzgeldes gesichert. Auch der Klinikbetrieb an allen Standorten und in allen Abteilungen läuft unverändert weiter. Nicole Verlage, Gewerkschaftssekretärin bei Verdi in Osnabrück, sieht momentan keine Standorte gefährdet. "Es sind auch nicht alle Bereiche im Minus", sagte sie am Donnerstag. "Eine Restrukturierung kann auch zum Verkauf einzelner Bereiche führen. Ein Arbeitsplatzabbau ist nicht zwingend."

Simone Bovensiepen, Gewerkschaftssekretärin der Verdi-Bezirksverwaltung Vogtland-Zwickau, sagte: "Die Insolvenz deutete sich an. Es ist ungemein bitter, dass das nun vor Weihnachten passiert." Die Gewerkschaft werde Info-Flyer an die Mitarbeiter verteilen und eine Hotline einrichten, letztere wahrscheinlich aber erst im Januar.

Nicole Verlage von Verdi sieht die momentanen Probleme bei Paracelsus auch in Fehlentscheidungen der Unternehmensleitung begründet. "Wenn es in Osnabrück mehr Chefärzte gibt als an der Berliner Charité, sind Finanzprobleme zu erwarten", sagte sie der "Freien Presse". Paracelsus-Regionaldirektor Lutz Möller und die Sächsische Krankenhausgesellschaft hatten Ende voriger Woche auf Probleme bei der Investitionsfinanzierung privater Kliniken hingewiesen. Dafür seien vor allem die Länder verantwortlich.

Die Paracelsus-Kliniken kündigten an, die Geschäftsführung durch externe Experten zu verstärken, um die Probleme zu lösen. Als Chief Restructuring Officer (verantwortlich für die Restrukturierung mit weitreichenden Vollmachten) wurde Reinhard Wichels benannt, der nach Gewerkschaftsangaben bereits früher als Berater für Paracelsus tätig war und die Gegebenheiten kennt. Die Rechtsanwälte Andreas Ziegenhagen und Daniel F. Fritz kümmern sich um die Einhaltung der rechtlichen Vorgaben.

Genaue Vorhaben wurden am Donnerstag nicht bekannt. Als defizitär gelten einzelne Kliniken im Westen. In der Region haben Zwickau und Reichenbach strukturelle Probleme. Nach Angaben von Verdi in Zwickau war hier bereits ein Arbeitsplatzabbau im Gespräch, der zunächst abgewendet werden konnte.

Verdi-Sekretärin Verlage am Unternehmenssitz in Osnabrück sieht nach wie vor solide Werte und ein hohes Potenzial im Unternehmen. "Es ist nicht wie bei Air Berlin, dass einfach zugesperrt wird. Die Kliniken sind ja mit Leben erfüllt." Erste Gespräche zum weiteren Vorgehen erwartet sie für Januar.

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3Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    0
    Interessierte
    14.02.2018

    Da habe ich doch richtig gelegen ... ;-)

  • 4
    0
    Zeitungss
    14.02.2018

    @Interessierte: Da ist was dran, hat sich nur noch nicht überall herumgesprochen, die Auswirkungen düften eher bekannt sein.
    Wenn ich nicht irre, läuft das alles unter dem ERFOLGSREZEPT Privatisierung. Für einige WENIGE ging die Sache sogar auf, auf Kosten der Mehrheit und das ist nun einmal der Leitfaden.

  • 3
    0
    Interessierte
    14.02.2018

    War es nicht so , dass die DDR nach 28 Jahren am Ende war und sich kaputt gewirtschaftet hatte ???
    Heute könnte man denken , dass dieser Staat nach dem erschafften vorübergehenden Aufschwung - nach 28 Jahren ´nun auch` endgültig am Ende ist ...

    Nur mit einem kleinen Unterschied :
    In der Diktatur war der Honecker mit der DDR am Ende
    In der Demokratie sind die Unternehmer am Ende
    Aber die Politiker der DBR sind glaube ich auch am Ende



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