Trompeter hilft Unternehmern, für Sachsen zu trommeln

Ein Unternehmerkreis will sich dem zunehmenden Mangel an Fachleuten nicht tatenlos ergeben. Mit Hilfe eines Musikers von Weltrang ruft er abgewanderte Sachsen zur Rückkehr in die Heimat auf.

Sehmatal-NeudorfSigrun Renner ist zurück. Die Olbernhauer Kieferorthopädin kehrte München den Rücken, wo sie seit 2003 gelebt und gearbeitet hatte, und praktiziert jetzt wieder dort, wo sie zur Schule ging. "Im Erzgebirge sind heute viele Kieferorthopäden älter als ich. Wer soll sich denn um den beruflichen Nachwuchs kümmern, wenn Leute wie ich es nicht machen?"

Ein gutes Dutzend Unternehmer, die genauso denken und für Sachsen werben, haben am Dienstag in Neudorf zu Füßen des Fichtelbergs einen Aufruf publiziert. Die Initiative "Geh voran - komm zurück!" zielt auf Pendler, Rückkehrer, Übersiedler. Anspielungsvoll um fünf vor zwölf wurde am Dienstag eine Petition "Ruf aus Sachsen" unterzeichnet, in der es heißt: "Gehen Sie voran und kommen Sie zurück ins Land der Innovationen, der Erfinder, Tüftler, Unternehmer, Weltmarktführer."

Zu den Erstunterzeichnern des Aufrufs gehören Andreas Müller (Mühle Stützengrün), der Chemnitzer Bauunternehmer Daniel Hüttner, die Kieferorthopädin Sigrun Renner, der Geschäftsführer des Zwickauer Technologiezentrums BIC, Andreas Sobe, der Reinigungs-Unternehmer Robert Köber, Andrea Steinert vom Netzwerkzentrum August Stark, der Unternehmer und Hochschullehrer Reinhardt Klöppel, Steffen Leistner von der Zschiesche GmbH, Jürgen Huss (Maschinenbau Huss) sowie Hans J. Groschupp, Kunstgenossenschaft Kunst für die Welt. Die Initiative ist für weitere Mitstreiter offen und wird vom Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft (BMVW) und der Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH unterstützt.

Prominenter Schirmherr der Initiative ist der aus Sosa stammende Trompetenvirtuose, Dirigent und Mitinitiator des Wiederaufbaus der Dresdener Frauenkirche, Ludwig Güttler. Der erklärt zu seinem Engagement: "Was gestern war, war gestern. Heute können wir handeln. Was morgen ist, wissen wir nicht. Es geht also ums Heute. Ich fühle mich immer zu Menschen hingezogen, die nach neuen Wegen suchen, ins Risiko gehen, Unternehmer sind."

Der Mangel an Arbeitskräften ist der begrenzende Faktor der Wirtschaftentwicklung in den kommenden Jahren, bestätigte Matthias Lißke, Chef der Wirtschaftsförderung Erzgebirge in Annaberg-Buchholz. Nahezu ein Drittel der Abiturklassen von 1990 lebt und arbeitet in den alten Bundesländern oder im Ausland. Zugleich suchen 25.000 Unternehmensinhaber in Sachsen einen Nachfolger. Seit acht Jahren betreibt die Wirtschaftsförderungsgesellschaft eine Heimkehrerbörse. Dazu gehört ein Fachkräfteportal im Internet, das momentan 1100 aktuelle Stellenangebote vorhält. Die Rückkehrerquote im Erzgebirge liegt bei zwölf Prozent - ein Spitzenwert unter vergleichbaren Regionen, wie Lißke sagt. Momentan habe die Wirtschaftsförderung ihr Augenmerk vor allem auf rückkehrwillige Familien gerichtet.

Das neue Unternehmernetzwerk möchte diese Bemühungen unterstützen und ausweiten. Es gibt eine Internetpräsenz, die Arbeitsgruppen formieren sich. Ludwig Güttler hat bereits ein "Rückkehrerkonzert" zugesagt. Es gehe ihnen um Angebote in allen Lebensbereichen, erläutert Hans Groschupp. "Die Arbeit, der Job ist nur ein Faktor." Wohnung, Umfeld und Vereine gehörten dazu, wenn man Menschen zur Heimkehr bewegen will. "Eben alles, was die Gemeinschaft in Sachsen stark macht."

Ludwig Güttler ist auch an einer Imagekorrektur gelegen: "Die Signale, die in der Welt wahrgenommen werden, sind unzutreffend, ja falsch. Dies gilt es zu korrigieren." Bei persönlichen Treffen mit Abgewanderten nehme er häufig eine Sehnsucht nach dem alten Zuhause wahr. Aber nicht alle wüssten, dass es in Sachsens ländlichen Regionen heute günstige Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten, eine moderne Infrastruktur, Bürgermeister mit offenen Ohren für alle Belange, vielerorts freie Kinderkrippen- und Kindergartenplätze gebe. Wo also könnte dieses Land bald stehen, fragt der Weltstar Ludwig Güttler, wenn die Besten, die weggegangen sind, sich zu einer Rückkehr bewegen ließen?

http://rueckkehrernetzwerk.de

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5Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 5
    0
    Zeitungss
    21.03.2018

    @Tauchsieder: Ihre beiden Beiträge bringen es auf den Punkt. Der Herr Güttler ist möglicherweise der Annahme, seine Gage entspricht etwa der durchschnittlichen Bezahlung in Sachsens Betrieben.
    Mal sehen , wem die notleidende Unternehmerschaft noch vor den Karren spannt. Ordentliche Bezahlung wäre bei der Problemlösung ein SELBSTLÄUFER, wetten ????? Solch einfache Dinge versteht man in solchen Kreisen nicht mehr, das "Erwirtschaftete" lässt sich gewinnbringender einsetzen als es für Löhne zu verplempern. Es vereinfacht auch die Verteilung, sprich den Verwaltungsaufwand.
    An geeigneten Beispielen ist kein Mangel, im Gegensatz zum vernünftigen Lohn.

  • 6
    0
    Freigeist14
    21.03.2018

    Werbung für Sachsen ist feine Sache. Will Ludwig Güttler spielen oder-wie beschrieben -trommeln ?
    Der Hinweis auf Wohnung, Umfeld und Vereine lässt potenzielle Rückkehrwillige sicher Heimweh bekommen. Aber bei der Gegenrechnung mit einer unbefristeten Stelle,die solide bezahlt wird und einem guten Betriebsklima lassen sich die Pendler nicht überzeugen. Außer bei Benefizkonzerten möchte Ludwig Güttler auch nicht auf einen Teil seiner Gage verzichten,weil die Kuratoren weniger zahlen wollen als anderswo.

  • 6
    1
    Tauchsieder
    20.03.2018

    Übrigens, wenn Hr. Güttler den Unternehmen helfen will dann soll er ihnen mal den Marsch blasen!

  • 10
    3
    FP1
    20.03.2018

    Was bin ich mit meinem Sohn umherlaufen um eine Lehrstelle zu bekommen. Obwohl er Abi und vier Semester Wirtschaftsmathematik hatte, hat es ein Jahr gedauert bis er eine Lehrstelle hatte. Jetzt arbeitet er dort schon 10 Jahre. 80 km Arbeitsweg täglich. Wegen mir können die arroganten Unternehmen, die vor 10 Jahren auf den hohen Ross saßen, alle Pleite gehen.

  • 13
    1
    Tauchsieder
    20.03.2018

    Hört sich an wie das "Rufen im Walde".
    Die Unternehmer sollen nicht rufen, da kommt sowieso keiner, sie sollen ordentliche Angebote machen. Sollte dies der Fall sein kommen die "Abtrünnigen" von selbst wieder und das wollen, oder können, die wenigsten garantieren.
    Man ruft seit Jahren in den Wald hinein. Leider gibt es im Wald kein Echo.
    Kurz auf den Nenner gebracht: Geld regiert die Welt - damit ist eigentlich alles gesagt.



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