Weinlese in Sachsen: So schnell wie dieses Jahr ging es noch nie

Die Winzer haben ihre Flächen weitgehend abgeerntet - und sind überaus zufrieden. Profitiert haben diesmal Rebsorten, die sich sonst schwerer tun.

Meißen/Radebeul.

Es ist ein Jahr, das wohl alle Winzer in Sachsen zufriedenstellt: 2018 ist für sie ein Ausnahmejahrgang. Der warme Frühling und Sommer haben die Trauben rund drei Wochen früher reif werden lassen, die Weinlese begann daher so früh wie noch nie. Die Trockenheit bescherte den Betrieben zwar hier und da Mehrarbeit, weil vor allem Junganlagen bewässert werden mussten. Dafür blieb aber Fäulnis aus; die Winzer konnten am Ende kerngesundes Lesegut in ihre Keller bringen. Inzwischen ist die Lese im Elbtal weitgehend abgeschlossen. Abgesehen von einigen Zeilen, an denen die Trauben für edelsüße Weine noch länger hängen bleiben, wird die Ernte wohl in der kommenden Woche abgeschlossen.

Die Trockenheit sorgte dafür, dass die einzelnen Beeren oftmals kleiner blieben und weniger Saft hatten und die Trauben eine lockere Struktur besaßen, was letztlich weniger Gewicht bedeutete. Nach einer Ernteschätzung von Anfang dieser Woche wurden sachsenweit 22.500 Hektoliter (hl) Most eingebracht, rund 15 Prozent weniger als im mengemäßig sehr guten Vorjahr. Gegenüber dem zehnjährigen Mittel (21.000 hl) bedeutet die Menge aber ein Plus von sieben Prozent, wie das Deutsche Weininstitut mitteilte.

Und was sagen die Winzer? Klaus Zimmerling in Pillnitz hat wie immer spät angefangen mit der Lese - diesmal vor reichlich zwei Wochen, und er ist fast fertig. "95 Prozent sind drin, mit beeindruckenden Ergebnissen. Das wird ein Superjahrgang", meint er. Der Säuregehalt sei zwar niedrig, aber geschmacklich seien die Beeren "richtig toll". Da die Trauben gesund waren, sei man mit der Handlese schnell fertig geworden. Zimmerling: "Ich bin absolut zufrieden."

Sein Meißner Kollege Martin Schwarz spricht von einem "sehr guten Rotweinjahr". Kräftige, tanninreiche und farbintensive Rotweine werde der Jahrgang ergeben. Das sei für das Elbtal ungewöhnlich, aber die Qualität werde sehr gut sein. Die Trauben seien alle reif gewesen, mit teils hohen Mostgewichten (Menge des Zuckers, der im Saft gelöst ist; ein Indikator für den späteren Alkoholgehalt). Auch die Weißweine würden daher kräftiger ausfallen. Schwarz: "Damit müssen wir leben. Es gibt eben Jahre mit filigranen, leichteren und Jahre mit kräftigeren Weinen." Mit Cuvées aus unterschiedlichen Sorten und Lagen könne man aber viel ausgleichen.

Auch für den Radebeuler Winzer Karl Friedrich Aust ist der Rotwein der Gewinner des Jahrgangs. Sehr profitiert hätten aber auch Weiß- und Grauburgunder. Der Riesling hängt bei ihm noch. 2018 sei eines der trockensten Jahre gewesen, "die wir kennen", allerdings sei es im Durchschnitt nicht so warm gewesen wie 2003. Für Aust steht dennoch fest: "Der Trend, dass es immer wärmer wird, setzt sich fort."

Alexandra Prinzessin zur Lippe fasst die Lese auf Schloss Proschwitz in zwei Worten zusammen: "Gut war's." Es sei alles sehr reibungslos gelaufen. In der kommenden Woche werde noch Riesling und Traminer gelesen, dann sei man fertig. Wegen Hitze und Trockenheit sei diesmal eine gezielte und aufwendige Laubarbeit - das Beschneiden des Blattwerks im Sommer - nötig gewesen. Die Ernte aber sei lange nicht so unkompliziert verlaufen. Auch sie geht davon aus, dass die 2018er Weine etwas kräftiger werden. Ein Stück mit Riesling- und Traminer-Trauben will man noch hängen lassen für einen edelsüßen Wein.

Auf Schloss Wackerbarth werden derweil die Weichen für Eiswein gestellt, der erst geerntet werden kann, wenn das Thermometer auf mindestens minus sieben Grad fällt. An 3000 Riesling-Rebstöcken bleiben die Trauben dran. "Wir hoffen dann auf weiter günstige Witterungsverläufe", so Pressesprecher Martin Junge. Auch auf dem Staatsweingut sind inzwischen über 90 Prozent der Flächen abgeerntet. Man sei sehr zufrieden mit Qualität und Menge.

Beim Meißner Weingut Vincenz Richter sind die Filetstücken beim Riesling noch nicht gelesen. Inhaber Thomas Herrlich will noch warten: "Ich sehe für die nächsten 14 Tage kein Problem. Die Trauben sind gesund und das Laub noch grün. So etwas kriege ich nicht gleich wieder." Er habe noch eine 2003er Riesling-Auslese im Keller, die sei sehr gut. "Auf solch ein Highlight warte ich jetzt noch." Die Qualität der Trauben, die in den Keller kamen, sei "sensationell" gewesen. Er blickt mit Spannung auf die neuen Weine, will den Jahrgang aber noch nicht hochjubeln. Bei so viel Wasser, das dieses Jahr fehlte, könne man noch nicht einschätzen, wie sich das auf den Wein auswirkt. Mit dem Wasser nehme die Pflanze auch Spuren von Mineralien auf. Herrlich: "Was bewirkt das, wenn das nicht passiert?"

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