Wie komme ich an eine Kur?

Nicht jeder Reha-Antrag wird genehmigt - Experten beraten zu Widerspruchsfristen, Wunschort und Begleitperson

Allein in Sachsen gibt es 53 Reha-Einrichtungen mit knapp 9000 Betten. Doch die reichen oft nicht. Eine Reha soll Schmerzen von chronisch Kranken lindern und Menschen nach schweren Operationen den Weg in den Alltag ermöglichen. Doch wann bekommt man tatsächlich eine Reha? Beim Leserforum von "Freie Presse" gab es dazu viele Fragen. Gabriele Fleischer hat einige zusammengefasst.

Ich arbeite seit 41 Jahren als Erzieherin in einem Schulhort. In zwei Jahren gehe ich in Rente. Vorher wollte ich eine Reha in Anspruch nehmen. Wer legt fest, ob und wann man eine Reha bekommt?

Der Arzt sollte die Rehanotwendigkeit prüfen und einen Befund erstellen. Damit ist der Antrag einzureichen. Berufstätige stellen den bei der Rentenversicherung, die darüber entscheidet. Bei Rentnern, die auch Anspruch auf eine Reha haben, ist meist die Krankenkasse zuständig.

Ich möchte mit meiner Frau zu einer Reha fahren. Wir sind beide bei einem Hausarzt in Behandlung. Wie müssen wir vorgehen?

Sie können gemeinsam zur Reha fahren, wenn das bei beiden medizinisch begründet ist. Jeder von Ihnen muss sich dafür einen Antrag holen und ausgefüllt bei der Rentenversicherung abgeben. Dort wird geprüft, ob es eine Einrichtung gibt, in der Sie beide indikationsgerecht behandelt werden können. Kennen Sie eine solche Klinik, geben Sie das im Antrag mit an.

Mein Lebensgefährte meidet jede Krankschreibung. Er ist 50 Jahre alt und auch ehrenamtlich tätig. Was kann er tun, um eine Reha zu bekommen?

Er sollte sich mit seinem Haus- oder Facharzt abstimmen. Ein langes Arbeitsleben allein berechtigt aber nicht zu einer Reha.

Nach Knie-Operationen erhielt ich vergangenes Jahr eine Reha. Nun bin ich seit Mai wegen Burn-out arbeitsunfähig. Ist eine erneute Reha aufgrund der neuen Erkrankung möglich?

Im Prinzip ist das möglich. Dahinter muss eine medizinisch begründete Diagnose stehen. Das wird geprüft.

Ich bin an Morbus Bechterew erkrankt. Wie oft habe ich einen Kur-Anspruch?

Grundsätzlich haben auch chronisch Kranke erst nach Ablauf von vier Jahren die Möglichkeit, erneut eine Reha zu erhalten. Falls sich der Gesundheitszustand drastisch verschlechtert, ist das auch eher möglich.

Ich bekomme Erwerbsminderungsrente und kann bei der Rentenversicherung keine Reha beantragen. Wo muss ich mich hinwenden?

Sie müssen sich an Ihre zuständige Krankenkasse wenden.

Mein Orthopäde rät mir zu einer stationären Reha. Ich bin bei der Krankenkasse meines Mannes familienversichert. Habe ich da eine Chance?

Es gelten dieselben Voraussetzungen wie bei allen anderen Versicherten.

Ich habe beim Reha-Antrag von meinem Wunschrecht auf eine Klinik Gebrauch gemacht. Die Rentenversicherung hat mir aber eine andere Einrichtung zugewiesen. Warum?

Grundsätzlich hat man Wunsch- und Wahlrecht, aber es besteht kein Rechtsanspruch auf eine bestimmte Klinik. Die Rentenversicherung prüft die indikationsrelevante Behandlung und freie Kapazitäten. Wird Ihrem berechtigten Wunsch nicht entsprochen, können Sie in Widerspruch gehen, notfalls müssen Sie klagen.

Ich bin 63 Jahre und nach Knochenkrebs EU-Rentner. Im letzten Jahr kam Prostatakrebs hinzu. Nach zwei Rehas wurde mir nahegelegt, im Herbst wieder eine Kur zu beantragen. Das wurde vom Medizinischen Dienst nach Aktenlage abgelehnt. Was kann ich tun?

Bis zum Ablauf eines Jahres nach einer beendeten Erstbehandlung, also der Operation, Strahlen- oder Chemotherapie, stehen Ihnen sogenannte onkologische Nachsorgeleistungen zu, im Einzelfall können das auch zwei Jahre danach sein. Diese Nachsorge dient dazu, dass die Folgen der Tumorerkrankung gebessert werden. Danach sollten Sie gemeinsam mit dem Arzt entscheiden, ob erneut eine solche Rehamaßnahme sinnvoll ist.

Mein Mann hatte vor fünf Jahren einen Herzinfarkt und bekam eine Anschluss-Reha. Er nimmt Tabletten und ist erschöpft. Reha-Antrag und Widerspruch wurden von der Rentenversicherung abgelehnt. Gibt es einen Weg alternativ über die Krankenkasse?

Nein, da Ihr Mann im Berufsleben steht, ist die Rentenversicherung zuständig.

Im März habe ich einen Reha-Antrag bei der Rentenversicherung eingereicht. Mitte Mai erhielt ich die Ablehnung, der ich widersprochen habe. Bis heute erhielt ich keine Antwort .

Innerhalb von drei Monaten müssen Sie eine Antwort erhalten. Fragen Sie nach. Da die Zeit überschritten ist, haben Sie sonst die Möglichkeit, über das Sozialgericht eine Untätigkeitsklage einzureichen.

Mein Reha-Antrag bei der Deutschen Rentenversicherung Bund wurde abgelehnt. Welche Frist muss ich nun bei einem Widerspruch einhalten?

Die Frist für einen Widerspruch beträgt einen Monat.

Pflegende Angehörige sollten bei der Vergabe von Rehamaßnahmen besonders berücksichtigt werden. Anträge werden aber immer wieder abgelehnt.

In erster Linie geht es um Ihren Rehabilitationsbedarf. Bei den pflegenden Angehörigen wird aber die besondere Lebenssituation berücksichtigt. Hier geht es bei der Auswahl einer Kur-Einrichtung um die Nähe zum zu pflegenden Angehörigen oder aber um die Möglichkeit der Mitaufnahme des Angehörigen. Bei der Organisation der Unterbringung Ihres Angehörigen bekommen Sie Hilfe von der Krankenkasse. Kosten, die dadurch für Transport und Unterbringung entstehen, tragen Sie selbst. Am besten, Sie lassen sich bei der Pflegekasse beraten.

Welche Kureinrichtungen in Sachsen sind auf die Mitnahme eines pflegebedürftigen Angehörigen eingerichtet?

Das sind zum Beispiel die Kliniken Thermalbad Wiesenbad, Dahlener Heide in Dahlen-Schmannewitz und Schwedenstein in Pulsnitz.

Gibt es Zuschüsse für eine Kur im EU-Ausland?

Ja. Der Zuschuss der Kassen beträgt maximal 16 Euro pro Tag für Unterkunft, Verpflegung und Behandlung. Es muss sich aber, wie in Deutschland auch, in jedem Fall um einen anerkannten Kurort handeln.

Ich muss nach einer Operation eine Rehamaßnahme über die Feiertage antreten. Wird zu dieser Zeit behandelt?

Wenn das medizinisch notwendig ist, finden Behandlungen auch an den Feiertagen und sonntags statt.

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