Ganz Frankreich im Final-Rausch

Grenzenlose Freude in Frankreich: Der Halbfinal-Sieg hat das Land in einen Fußball-Taumel versetzt. 20 Jahre nach ihrem bisher einzigen WM-Sieg träumen die Franzosen wieder vom Titel.

Paris (dpa) - Für das WM-Finale gibt es in Paris die ganz große Bühne: Die Stadt bereitet für das Endspiel am Sonntag eine Fußballparty am Eiffelturm vor.

Bürgermeisterin Anne Hidalgo bestätigte nach dem 1:0-Sieg gegen Belgien, dass die Partie auf einer Großleinwand neben dem stählernen Wahrzeichen gezeigt werden soll. Den Einzug ins Finale feierte die französische Hauptstadt mit Hupkonzerten bis tief in die Nacht und Jubeltaumel auf den Champs-Élysées.

Beobachter fühlen sich an die Stimmung im Sommer 1998 erinnert, als Frankreich zum bislang einzigen Mal die Weltmeisterschaft gewann. Die französischen Zeitungen stimmten am Mittwoch in die Freude ein: «Mit dem Kopf in den Sternen», titelte das Sportblatt «L'Équipe». «Le Parisien» sieht die Franzosen «an den Toren des Paradises», die konservative Zeitung «Le Figaro» schrieb: «Der Traum in Blau geht weiter.»

Die Fans schwelgten nach dem Match in Glückseligkeit. «Das war ein erstklassiges Spiel», sagte Berouda Martin, der sich das Gesicht in den Farben der Trikolore bemalt hatte. «Frankreich ist so stark - das zeigt sich in seinen Vertretern, wie dem Präsidenten oder eben unseren Spielern. Und dann haben wir auch noch den 14. Juli! Es lebe Frankreich!», sagte er nach dem Schlusspfiff. Am Samstag, dem Tag vor dem Finale, begeht das Land seinen Nationalfeiertag.

«Meisterlich», kommentierte Regierungssprecher Benjamin Griveaux die Partie gegen Belgien auf Twitter. «Der Traum in Reichweite.» Staatschef Emmanuel Macron, der das französische Team in St. Petersburg mit angefeuert hatte, schrieb: «Wir sind im Finale. Treffen am Sonntag, um es zu gewinnen.» Das französische Team steht zum dritten Mal in seiner Geschichte in einem WM-Finale.

Zigtausende Franzosen stürmten nach Abpfiff der Partie gegen Belgien unter Freudengeschrei auf die Champs-Élysées - die Polizei kann auch am Mittwoch keine ungefähre Zahl nennen, doch der Prachtboulevard war ein Menschenmeer. Vereinzelt stieg Feuerwerk auf. Fans sangen die Nationalhymne, die Marseillaise, und riefen im Chor: «Wir sind im Finale!» Die Polizei riegelte die Zugangsstraßen mit Mannschaftsbussen ab. Nach Angaben eines Sprechers kam es in der Nacht zu mehreren Zwischenfällen: Mülleimer wurden angezündet, vier Schaufenster beschädigt. Die Poliziei nahm sieben Menschen fest.

Auch vor dem Pariser Rathaus brach im Anschluss an den 1:0-Sieg gegen Belgien ein Freudensturm los. Beim dortigen Public Viewing hatten nach Polizeiangaben rund 20.000 Fans das Match verfolgt. Sie konnten auf einem Großbildschirm beobachten, wie Abwehrspieler Samuel Umtiti in der 51. Minute den Siegtreffer erzielte. «Ich bin so glücklich», sagte Tamboura Djibi, der am Abend für einen Sicherheitsdienst im Einsatz gewesen war. «Das war ein schwieriges Spiel. Auch als Zuschauer hatte ich große Angst. Aber den Pokal holen wir!»

Einen Schreck gab es für manche Fans im südfranzösischen Nizza, wo es nach dem Schlusspfiff zu einer Massenpanik kam. Die Polizei meldete mehrere Leichtverletzte, die überwiegend am Ort versorgt worden seien. Die Zeitung «Nice-Matin» schrieb, dass möglicherweise der Knall eines Böllers den Vorfall ausgelöst habe. In Nizza war ein Terrorist im Sommer 2016 mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge gerast und hatte 86 Menschen ermordet.

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