Özil-Rücktritt: Für Justizministerin Barley ein "Alarmzeichen"

Der Rücktritt von Fußball-Nationalspieler Mesut Özil hat in der Politik für unterschiedliche Reaktionen gesorgt. Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) schrieb bei twitter von einem "Alarmzeichen, wenn sich ein großer, deutscher Fußballer wie Mesut Özil in seinem Land wegen Rassismus nicht mehr gewollt und vom DFB nicht repräsentiert fühlt".

Kritik an Özil übte der Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir von den Grünen. Es sei "sehr bedauerlich, wie sich Özil jetzt äußert. Damit spielt er denen einen Steilpass zu, die unsere Demokratie ablehnen hier wie dort", sagte Özdemir. Özil sei "seiner Vorbildfunktion nicht gerecht geworden". Zudem sei es "fatal", führte Özdemir in der Berliner Zeitung weiter aus, "wenn junge Deutsch-Türken jetzt den Eindruck bekommen, sie hätten keinen Platz in der deutschen Nationalelf. Leistung gibt es nur in Vielfalt, nicht in Einfalt. So sind wir 2014 Weltmeister geworden. Und Frankreich jetzt."

Annette Widmann-Mauz (CDU), Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, meinte bei twitter: "Bei allem Verständnis für die familiären Wurzeln, müssen sich Nationalspieler Kritik gefallen lassen, wenn sie sich für Wahlkampfzwecke hergeben. Zugleich darf diese berechtigte Kritik nicht in pauschale Abwertung von Spielern mit Migrationshintergrund umschlagen."

"Niemand muss oder soll Wurzeln verleugnen", sagte Thomas Strobl (CDU), Baden-Württembergs Innenminister, der Bild-Zeitung. Er wünsche sich aber "ein deutliches Bekenntnis für das neue Heimatland. Und ich wünsche mir auch ein klares Bekenntnis zu unseren Werten – auch und gerade gegenüber jemandem wie Herrn Erdogan."

Özil hatte am Sonntag in der Erdogan-Affäre sein monatelanges Schweigen gebrochen und war nach 92 Länderspielen aus dem DFB-Team zurückgetreten. Der 29-Jährige holte dabei zu einem Rundumschlag gegen seine Kritiker, die Medien und den Deutschen Fußball-Bund (DFB), insbesondere gegen Präsident Reinhard Grindel aus. Er kritisierte "Rassismus und fehlenden Respekt". Grindel unterstellte er "Inkompetenz".

Aus der Türkei erhielt Özil dafür reichlich Zuspruch. "Wir unterstützen die ehrenhafte Haltung unseres Bruders Mesut Özil von Herzen", twitterte Sportminister Mehmet Kasapoglu. Der türkische Justizminister Abdulhamit Gül gratulierte Özil zu seinem "schönsten Tor gegen den Virus des Faschismus".

Bewertung des Artikels: Ø 4.5 Sterne bei 2 Bewertungen
7Kommentare
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  • 1
    0
    Nixnuzz
    24.07.2018

    Ist es nur Özil oder hat sein Auftritt ein wenig den moralischen Deutschland-Spachtel von uns abgesprengt? Sind wir wirklich "die Weltoffenen und Multikulti-Deutschen" mit internationaler Herkunft und Voll-Integration? Sind er, die Burka und z.B. die Kippa-Shows nur Symptome für unterschwellig existierenden "Fremdenhass" ? Kommt nicht in nahezu jeglicher Problemdiskussion das "aber" in irgendeinem Zusammenhang ablehnend hoch? Wie wirklich ehrlich sind wir zu uns selbst ? Sind hier geborene und "aufgelebte" Migrationskinder wirklich "Deutschländer" oder sind ihr "angelerntes Deutschsein" nur je nach Person eine dicke Panade historischer Wurzeln? Stellen "Türken" nur einen Sonderfall dar, die : a.) Heimatverbunden; b.) Moslem und c.) nur hier leben und arbeiten aber "Erdogan's Kinder" sind? Was assozieren wir ("das Volk") mit jedem dieser Punkte persönlich oder umgekehrt unsere "Türken" hier mit Deutschland? OK - wir hören und sehen nur die auffallenden Menschen, die sich zu Wort melden oder medial befragt werden. Oder im Rechtsbetrieb öffentlich werden. Andererseits stellt diese Problematik bei den hier Geborenen auch unserem Bildungssystem eine mangelhafte Note aus. Was wissen hiesige "Deutschtürken" nach x Schuljahren von den politischen Wurzeln dieses Landes/ Nation? Vielleicht haben die "Alt-Deutschen" noch nahegehende, hausinterne Informationen zur Historie und damit einen Riecher für Menschenrechts- und Demokratie-Missachtungen. Was bedeutet faktisch "demokratische Grundordnung" für uns Diktatur-Erfahrene und was für "Deutschtürken" mit anatolischer Überlebens-Grundausbildung und Koranschulung? Ist Erdogan für diese anachronistisch gebildeten Menschen mit seinen "demokratischen Macht-Massnahmen" nicht "der Heilsbringer par excellent"?? Wieviel Clan-Bildung überlebt mehr oder weniger stark nicht nur in den Köpfen? Wieviel anachronistische Forderungen auf dem Rücken Hiergeborener wird in unser "Alt-Deutsch-sein" hineingefordert? Schulsport oder Gebetsräume? Bundeslandspezifisch hoheitlich differenziert gehandt habt?

  • 1
    1
    Hinterfragt
    24.07.2018

    Ich frage mich eh, ob es nicht so sein sollte, dass wen man in einer Nationalmannschaft eines Landes spielt, auch in diesem Land leben und vor allem in einer Fußballmannschaft dieses Landes spielen sollte?

  • 0
    0
    Nixnuzz
    24.07.2018

    Ist es nur Özil oder hat sein Auftritt ein wenig den moralischen Deutschland-Spachtel von uns abgesprengt? Sind wir wirklich "die Weltoffenen und Multikulti-Deutschen" mit internationaler Herkunft und Voll-Integration? Sind er, die Burka und z.B. die Kippa-Shows nur Symptome für unterschwellig existierenden "Fremdenhass" ? Kommt nicht in nahezu jeglicher Problemdiskussion das "aber" in irgendeinem Zusammenhang ablehnend hoch? Wie wirklich ehrlich sind wir zu uns selbst ? Sind hier geborene und "aufgelebte" Migrationskinder wirklich "Deutschländer" oder sind ihr "angelerntes Deutschsein" nur je nach Person eine dicke Panade historischer Wurzeln? Stellen "Türken" nur einen Sonderfall dar, die : a.) Heimatverbunden; b.) Moslem und c.) nur hier leben und arbeiten aber "Erdogan's Kinder" sind? Was assozieren wir ("das Volk") mit jedem dieser Punkte persönlich oder umgekehrt unsere "Türken" hier mit Deutschland? OK - wir hören und sehen nur die auffallenden Menschen, die sich zu Wort melden oder medial befragt werden. Oder im Rechtsbetrieb öffentlich werden. Andererseits stellt diese Problematik bei den hier Geborenen auch unserem Bildungssystem eine mangelhafte Note aus. Was wissen hiesige "Deutschtürken" nach x Schuljahren von den politischen Wurzeln dieses Landes/ Nation? Vielleicht haben die "Alt-Deutschen" noch nahegehende, hausinterne Informationen zur Historie und damit einen Riecher für Menschenrechts- und Demokratie-Missachtungen. Was bedeutet faktisch "demokratische Grundordnung" für uns Diktatur-Erfahrene und was für "Deutschtürken" mit anatolischer Überlebens-Grundausbildung und Koranschulung? Ist Erdogan für diese anachronistisch gebildeten Menschen mit seinen "demokratischen Macht-Massnahmen" nicht "der Heilsbringer par excellent"?? Wieviel Clan-Bildung überlebt mehr oder weniger stark nicht nur in den Köpfen? Wieviel anachronistische Forderungen auf dem Rücken Hiergeborener wird in unser "Alt-Deutsch-sein" hineingefordert? Schulsport oder Gebetsräume? Bundeslandspezifisch hoheitlich differenziert gehandt habt?

  • 6
    2
    Einspruch
    23.07.2018

    Na wenn türkische Minister seine Brüder sind, erübrigt sich die Diskussion, ob wer sich als Deutscher fühlen würde oder nicht. Sportlich war er zuletzt vor ein paar Jahren sein Geld wert.
    Jetzt uneinsichtig die beleidigte Leberwurst für seine aufgeflogene Sympathie zu Diktatoren zu spielen. zeigt, dass er hier fehl am Platz war und ist.
    Flieg nicht so hoch, könnte man denken...

  • 4
    2
    Steuerzahler
    23.07.2018

    Es ist schon erstaunlich, wie ein mit Millionen bezahlter Fußballspieler, der nicht erst zur WM in der Nationalmannschaft mit einer Körpersprache und Leistung „glänzte“, die von vorn herein jede Nominierung verboten hätte, nun zu seiner Rechtfertigung die Kritiker des Rassismus bezichtigt und sich dabei noch in seinen Äußerungen auf eine Stufe mit der Queen und Spitzenpolitikern stellt. Das allein zeugt doch vom Realitätsverlust. Wer eine derart miese Leistung anbietet, sollte sich eines solchen verbalen Rundumschlags enthalten. Ganz lächerlich wird die Angelegenheit, wenn er behauptete, dass mit dem Erdogan-Bild keine politischen Absichten verbunden waren. Man muss als Fußballer kein Politiker sein, aber eine derartige Naivität an den Tage zu legen, ist absolut nicht glaubwürdig und zeigt wohl, dass der Rücktritt das allein Richtige war und ist. Zu der abgehobenen DFB-Riege ein Wort zu verlieren ist einfach sinnlos.

  • 8
    2
    kartracer
    23.07.2018

    Richtig, @voigtsberger, die doppelte Staatsbürgerschaft gehört schon lange abgeschafft, dafür oder dagegen, Entscheidung wie bei der Eheschließung.
    Das allerdings die Millionenverdiener der DFB Ballettgruppe, die Bestätigung dafür liefern ist schon krass.
    Das dieses Desaster der WM, nun an EINER Person festgemacht werden soll, ist mal wieder typisch für Deutschland, wobei Özil beim Spiel der Nationalhymne, sich lieber umgedreht hätte, statt wenigstens stolz den Kopf zu heben, und das schon immer.
    In die Wüste gehört der komplette Wasserkopf des DFB, und das so schnell wie nur möglich, bevor der Millionen Schaden noch ins Unermessliche ausufert!

  • 6
    2
    voigtsberger
    23.07.2018

    Da sollte sich unsere Justizministerin doch erst einmal fragen, liegt das Problem nicht in der doppelten Staatsangehörigkeit und für welche Nation steht dann der Sportler, wenn es zuletzt mit einen Despoten bossiert.
    Am Ende geht es doch im Sport und da besonders beim Fußball, doch nur noch um den Commerz und auch die politischen Eliten nutzen da vieles, um politische Debatten zu forcieren!
    Wer hier in einer Nationalmannschaft spielt, der sollte auch wissen was und was nicht zu seinen Vorbild beiträgt und zu welcher Nation er steht für die er nominiert ist!



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