92-Jähriger überrascht sich selbst -Bronze bei Tennis-WM

Stefan Stefanoff hat bei den Titelkämpfen der Senioren den dritten Platz im Einzel belegt. Gehofft hatte er allerdings auf einen anderen Titel.

Es lief alles etwas anders als gedacht. Als sich Stefan Stefanoff im Frühjahr auf die Tennis-Weltmeisterschaft der Senioren vorbereitete, rechnete er noch mit einer Reise in die Türkei. Dort sollte das Turnier ausgetragen werden. Wegen der angespannten politischen Lage in dem Land wurde es aber kurzfristig nach Kroatien verlegt. Also reiste Stefanoff auf den Balkan. Und brachte sogar eine Medaille mit - allerdings nicht die, mit der er kalkuliert hatte.

Stefanoff ist der wahrscheinlich älteste aktive Tennisspieler der Stadt. Der 92-Jährige trainiert zweimal pro Woche im Sportcenter am Stadtpark, tritt dabei zumeist gegen Kontrahenten an, die mindestens 15 Jahre jünger sind als er selbst. Sein Vorbild sei Fritz Brenne, sagt er. Brenne starb 2003 im Alter von 102 Jahren in Chemnitz. Er stand noch im Alter von 99 Jahren auf dem Court und galt als ältester Tennisspieler Deutschlands.

Ihm eifert Stefanoff nun nach. Dabei fand er erst auf dem zweiten Bildungsweg zum Sport. In seinem ersten Leben stand Stefanoff zwar auch oft im Rampenlicht. Nur nicht auf dem Rasen- oder Sandplatz, sondern auf den Brettern, die die Welt bedeuten. 1924 im bulgarischen Varna geboren, studierte er nach dem Zweiten Weltkrieg Sport und nahm nebenher privat Gesangsunterricht. Beides beendete er etwa gleichzeitig - und landete aber erstmal auf der Bühne. Stefanoff wurde als Opernsänger engagiert, trat unter anderem in Richard Wagners Oper "Lohengrin" auf. Der Tenor sang in Sofia, später in Erfurt und ab 1964 für drei Jahre in Karl-Marx-Stadt. Hier lebte er fortan mit seiner Familie und pendelte zu Auftritten unter anderem in die Sowjetunion und in die Bundesrepublik.

Anfang der 80er-Jahre musste er das Singen wegen einer Krebs- erkrankung an den Stimmbändern aufgeben. Sein Talent gab er an seine Tochter Nadja weiter, die heute eine erfolgreiche Opernsängerin ist. Er selbst suchte sich indes eine neue Beschäftigung: Tennis. "Ich habe im Studium schon mal Tennis gespielt. Richtig gelernt habe ich es aber erst mit 60 Jahren."

Seit 30 Jahren schwingt er also den Schläger - und das mit Erfolg. Bei der Europameisterschaft in Österreich vor einigen Jahren gewann er Silber im Einzel und Gold im Doppel. Eine Medaille hatte er sich auch für die Welt-Titel-Kämpfe vorgenommen. Im Doppel wollte er unter die besten drei, setzte darauf, dass sein ärgster Konkurrent, ein einige Jahre jüngerer Italiener, mit ihm ein Team bildet. Der winkte allerdings ab und Stefanoff trat mit einem anderen Akteur an. Gemeinsam seien sie auf zwei Schweden getroffen: "Die waren 20 Jahre jünger und sehr groß. Sie haben uns platt gemacht." o:6 und 0:6 endete die Partie.

Also keine Medaille im Doppel. Blieben noch die Einzel. In dieser Disziplin hatte er aber schon lange keine Wettkämpfe mehr bestritten. Der sportliche Senior versuchte es dennoch und schlug etwas überraschend einen gleichaltrigen Kontrahenten. Das zweite Spiel ging zwar verloren, dennoch reichte es zur Bronzemedaille. "Damit hatte ich absolut nicht gerechnet. Das ist wie die Goldmedaille für mich", sagt der 92-Jährige. Aufgrund des Erfolgs sei er in der Altersklasse der über 85-Jährigen - der höchsten - sogar auf Platz 36 der Weltrangliste vorgerutscht.

Und wie geht es weiter? Wo die WM 2017 stattfindet, weiß Stefanoff schon: in Miami (USA). Der lange Flug sei nichts mehr für ihn, schon im Flugzeug nach Kroatien habe er Probleme gehabt, berichtet der Senior-Sportler. "Aber wenn die WM 2018 in Europa stattfindet und ich gesund bleibe, nehme ich wieder teil." Bis dahin wolle er so viel Tennis spielen, wie es sein Körper zulässt - mit der Unterstützung seiner Frau. "Sie pflegt mich. Ich bin ihr unheimlich dankbar", sagt Stefanoff.

Demnächst reist das Ehepaar nach Spanien. Auf Mallorca wollen sie Urlaub in der Finca von Tochter Nadja machen. Nur abhängen sei aber nicht geplant. "Wir spielen Tennis", sagt der Chemnitzer. Neben dem Singen habe er nämlich auch das seiner Tochter beigebracht.

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