Als die Tribüne des FCK-Stadions ein Dach bekam

Das morgige Heimspiel des CFC ist das letzte im alten Rest-Stadion. Nach der Partie werden Tribüne und Überdachung weg- gerissen. Letztere wurde einst unter abenteuerlichen Umständen errichtet.

Abschied nehmen heißt es morgen Nachmittag für die CFC-Fans. Abschied von der Mannschaft, die gegen den Halleschen FC ihr letztes Spiel vor heimischem Publikum in diesem Jahr austrägt. Und Abschied von einem bekannten Anblick: Nach der morgigen Partie wird der letzte Rest der überdachten Haupttribüne abgerissen. Es ist, so schreibt der CFC, das "letzte Spiel im alten Stadion an der Gellertstraße".

Um die Tribüne und ihre Überdachung ranken sich viele Geschichten. Pläne für eine Überdachung eines Teils des Stadions gab es schon seit Mitte der 1980er-Jahre. Konkret wurde es aber erst 1988, sagt Harald Janschewski. Das heutige Vorstandsmitglied des CFC-Fördervereins war damals als Projektleiter für die Überdachung zuständig. Die Teile für das Dach, berichtet er, wurden aus Platzgründen ins Sportforum geliefert. Dort, unterhalb der Radrennbahn, seien die A-Profile und die Querbalken zusammengeschraubt oder vernietet und umgespritzt worden, berichtet Janschewski. Blieb nur noch die Frage, wie sie von dort in das einige Kilometer entfernte Stadion an der Gellertstraße gelangen sollten.

Das nahm der damalige Oberbürgermeister Eberhard Langer selbst in die Hand. Er hatte sich schon länger für eine Überdachung eingesetzt, musste dafür auch viel Kritik einstecken. Als die Pläne standen und die Teile da waren, habe er den Garnisonschef der Roten Armee in Karl-Marx-Stadt angerufen, sagt Langer. Mit der Armee habe man sich gut verstanden und gegenseitig ausgeholfen, so der Ex-OB: "Wir haben sie in ihrer Kaserne unterstützt, die miserabel war, und sie haben uns bei Sportereignissen unterstützt." Als ein Fußballspiel des FCK wegen starken Schneefalls auszufallen drohte, habe er die Armee angerufen, sagt Langer. "Dann rückte eine ganze Garnison an und trampelte den Schnee platt und es konnte gespielt werden."

Eine Garnison reichte allerdings nicht für die großen und schweren Stahlträger, die die Querstreben und das Dach halten sollten. Dafür brauchte es einen großen Hubschrauber. Auch den hatte die Rote Armee: einen MI 8, einen Mehrzwecktransporthubschrauber, der einige Tonnen zuladen konnte. Mit diesem wurden die Teile quer über den Sonnenberg geflogen, sagt Janschewski. "Das war phänomenal." Auf die Frage, was die Armee für diesen Dienst haben wolle, habe der Garnisonschef geantwortet: "Nur eine Kiste Wodka", berichtet Ex-OB Langer. Ganz so billig sollte die Aktion aber doch nicht über die Bühne gehen, ergänzt Janschewski: Der Einsatz des Hubschraubers habe die Gartenanlage neben dem Stadion an der Gellertstraße in Mitleidenschaft gezogen. "Der starke Wind der Rotoren hat einige Lauben umgewedelt. Wir mussten Wiedergutmachung leisten." Die geschädigten Laubenbesitzer hätten zwischen Geld und einem neuen Garten in der Anlage an der Dresdner Straße wählen können, sagt Janschewski. Der Stadiondach-Bau ging dennoch weiter. Die riesigen A-Profile wurden von den Hubschraubern aus der Luft in Millimeterarbeit aufgesetzt, danach die Querbalken und die eigentliche Überdachung aufgebracht. Ein halbes Jahr habe das alles gedauert, sagt Janschewski. An die Kosten könne er sich nicht mehr erinnern.

Am Ende überspannte das Dach 540 Sitzplätze und 1600 Stehplätze. Der FCK war damit nach verschiedenen Berichten der erste Verein der DDR mit überdachten Stehplätzen. Eingeweiht wurde die neue Tribüne am 22. Oktober 1989 mit einem 2:1-Heimsieg gegen Lok Leipzig. Gegen Halle erlebt sie ihr letztes Spiel.


Was verbinden Sie mit der Haupttribüne des Stadions?

Das Stadion an der Gellertstraße wird derzeit für 25 Millionen Euro in eine moderne Fußball-Arena umgebaut. Mit dem Abriss des letzten - überdachten - Teils der Haupttribüne, der kommende Woche beginnen soll, fallen die letzten alten Stadion-Bereiche. Bereits fertig und eröffnet sind die Nord- und die Südtribüne. Die Osttribüne solle im Frühjahr fertig gebaut sein.

Welche Episoden verbinden Sie mit der Haupttribüne des alten Stadions?

Schreiben Sie an "Freie Presse", Kennwort "Stadionumbau", Brückenstraße 15, 09111 Chemnitz oder E-Mail an: red.chemnitz@freiepresse.de

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...