CFC-Geschäftsführer: "Ich war damals komplett am Boden"

Mit einer Gedenkminute wird am Sonntag an den einstigen Nationaltorwart Robert Enke erinnert, der sich mit Depressionen das Leben nahm. Dass sich der Chemnitzer FC beteiligt, ist für dessen Sportchef klar - denn er kennt die Krankheit gut.

Wenn Uwe Hildebrand nach den Gründen für sein Engagement als Geschäftsführer des Chemnitzer FC gefragt wird, spricht er oft und gern von einer Herzensangelegenheit. Das Herz und die Liebe für den Sport sind es aber, die ihm vor einigen Jahren fast zum Verhängnis geworden wären. "Ich weiß heute genau, wann es genug ist", sagt der 48-Jährige. "Mein Herz gibt mir Signale, wenn ich kürzertreten soll."

Hildebrand kann sich noch sehr gut an den Dezember 2003 erinnern. "Kurz vor Weihnachten bin ich umgekippt. Ich war komplett am Boden", sagt er. Damals war der einstige Jugendspieler des FC Karl-Marx-Stadt in seinem Heimatverein SV Olbernhau stark eingebunden. Er spielte in der Männermannschaft, war zudem Geschäftsführer des Vereins und trainierte zwei Jugendmannschaften. "Ich habe das sehr gern gemacht", sagt er. "Mit Beruf und Familie war das alles aber einfach zu viel. Ich habe Herzrasen bekommen, mir ging es schlecht."

Es folgten zahlreiche Arztbesuche, doch auf ein psychisches Problem durch Überlastung kam damals niemand. "Das wollte man sich ja auch nicht eingestehen. Wie klingt denn das, wenn einer sagt, dass er was nicht schafft", sagt Hildebrand. Also machte er weiter - trotz Warnzeichen des eigenen Körpers. Mitte 2004 ging es dann nicht mehr. Hildebrand wurde wegen der Schmerzen zur Kur geschickt, wo ein Burn-out festgestellt wurde. Der Stress war zu viel. Der Körper wollte nicht mehr. "Dazu kamen Depressionen, weil ich mir zum einen nicht erklären konnte, was ich habe. Und es mir zum anderen auch nicht eingestehen wollte", sagt Uwe Hildebrand.

Es folgte eine Auszeit vom Fußball. Nie so ganz, aber Hildebrand übernahm nun weniger Aufgaben. "Und ich habe geredet. Erst mit den Ärzten, dann auch mit der Familie und engen Freunden. Ich habe ihnen von meiner Krankheit erzählt. Denn genau das ist es. Das ist keine zeitweise Erschöpfung oder Traurigkeit, die schon irgendwie wieder weggeht. Depression ist eine Krankheit, die professionell behandelt werden muss", sagt Hildebrand.

Besonders die Gespräche hätten ihm damals sehr geholfen, sagt er. Und wenn am kommenden Sonntag an Robert Enke gedacht wird, sieht der neue Geschäftsführer des CFC vor allem einen Sinn dahinter: "Das Thema muss in die Öffentlichkeit. Man muss den Betroffenen sagen, wie wichtig es ist, sich anzuvertrauen, über seine Probleme zu reden."

Im Text, der zur Gedenkminute am Sonntag verlesen werden soll, heißt es: "Allein in Deutschland sind vier Millionen Menschen an Depression erkrankt. Statistisch gesehen, ist jeder Fünfte im Laufe des Lebens von der Volkskrankheit betroffen. Doch Depression ist in der Regel heilbar, wenn sie frühzeitig erkannt und behandelt wird. Dazu braucht es Mitmenschen, Mitspieler und Familienangehörige, die der Krankheit vorurteilsfrei begegnen. Denn nur so kann Betroffenen geholfen werden." Uwe Hildebrand kann diese Worte nur unterstreichen. Und dennoch stellt sich gerade bei seiner Vorgeschichte die Frage: Warum tut sich der selbstständige Unternehmer neben seinen beruflichen Aufgaben auch noch das Ehrenamt als Geschäftsführer des CFC an?

"Ich möchte, dass im Verein wieder Ruhe einkehrt", sagt er. "Aktuell sind wir auf einem guten Weg, auch wenn intern noch viele Probleme zu lösen sind." Dass er sich noch einmal in einer Aufgabe verrennt, befürchtet er nicht. "Ich höre jetzt eher auf die Signale meines Körpers", sagt Hildebrand. Auf die Frage, ob der Tod Robert Enkes wenigstens ein Umdenken in der Gesellschaft, gerade im Leistungssport, bewirkt hätte, hat der CFC-Geschäftsführer eine deutliche Antwort: "Leider nicht. Der Druck ist nach wie vor da. Und wenn der Erfolg fehlt, zählen Ergebnisse mehr als Menschen."


Gedenkminute auf vielen deutschen Fußballplätzen

Am 10. November 2009 nahm sich Fußballprofi Robert Enke das Leben. Später wurde bekannt, dass der damals 32 Jahre alte Torhüter seit 2003 an Depressionen litt. Anlässlich Enkes zehnten Todestages am Sonntag hat der Bayerische Fußballverband dazu aufgerufen, in allen Amateurligen mit einer Gedenkminute an ihn zu erinnern. Auch Proficlubs beteiligen sich.

Die Aktion soll in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB), der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und der Robert-Enke-Stiftung, die von Enkes Witwe geleitet wird, für die Volkskrankheit Depression und Hilfsmöglichkeiten dagegen sensibilisieren. Der CFC beteiligt sich am Sonntag im Heimspiel gegen die Würzburger Kickers an der Aktion.

Robert Enke wurde 1977 in Jena geboren. In seiner Karriere als Profitorwart ging er durch viele Höhen und Tiefen. So wurde er unter anderem in Lissabon von den Fans gefeiert, bei Fenerbahce Istanbul in der Türkei aber sogar von den Fans nach einer Niederlage mit Gegenständen beworfen. Sein sportliches Glück schien er bei Hannover 96 gefunden zu haben, wo er zuletzt spielte und auch zum Nationaltorwart wurde.

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1Kommentare
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  • 14
    0
    AliceAndreas
    08.11.2019

    Herr Hildebrand - ein Glücksfall für den CFC und somit für die ganze Stadt!!!



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