CFC: Klarer Pokal-Erfolg wie ein Tag der Befreiung

Nach holprigem Start in der Dritten Liga haben sich die Himmelblauen mit acht Treffern in Markranstädt den Frust von der Seele geschossen. Ein Spieler stellte dabei einen persönlichen Rekord auf.

Gestern Vormittag im Sportforum: Gut gelaunte Profis des Chemnitzer FC finden sich nach und nach zu einem lockeren Training ein. Am Vortag hatten sie selbst für ihren Tag der Befreiung gesorgt: Mit einem 8:1 im Landespokal beim bedauernswerten Oberligisten SSV Markranstädt ballerten sich die Himmel- blauen so manchen Frust über den verkorksten Drittliga-Start von der Fußball-Seele.

Mit einem Lächeln im Gesicht erschien auch Jan Koch zum Training. Der Defensivmann feierte am Sonntag sein Pflichtspiel-Debüt in dieser Saison. "Es war ein gutes Gefühl, wieder auf dem Platz zu stehen. Ich habe ja längere Zeit darauf gewartet", sagte Koch. Zuletzt war er zum Abschluss der Vorsaison bei den Stuttgarter Kickers zum Einsatz gekommen, als der CFC die Schwaben mit einem 1:0-Sieg in die Regionalliga beförderte. Jetzt wurde sein Dasein als Bankangestellter vorerst beendet. "Ich habe mich im Training immer wieder angeboten. Es bringt nichts, den Kopf in den Sand zu stecken - irgendwann bekommt man seine Chance", erklärte der 20-Jährige.

Mit seinem Auftritt in Markranstädt zeigte er sich zufrieden. "Der Trainer weiß, dass er auf mich zählen kann", betonte Koch, der in der Winterpause vom tschechischen Erstligisten Mlada Boleslav zum CFC gewechselt war. Der Club aus dem Nachbarland hatte personell mächtig aufgerüstet, sodass Koch keine Perspektive mehr für sich sah. Erinnerungen an die Zeit bei seinem alten Club kamen am Sonntagabend wieder hoch, als er sich die Zusammenfassungen der Weltmeisterschafts-Qualifikationsspiele anschaute. Bei der Partie Tschechien gegen Nordirland (0:0) wurde auch der neue tschechische Nationalcoach Karel Jarolim eingeblendet. "Er war mein Trainer in Mlada Boleslav", berichtete der junge CFC-Profi, der einen deutschen Vater und eine tschechische Mutter hat.

Ein Wechselbad der Gefühle erlebte Stefano Cincotta in den vergangenen Tagen. Genau wie Jan Koch kam Cincotta im Pokalduell zum heiß ersehnten ersten Saison-Einsatz bei den Himmelblauen, durfte ebenfalls 90 Minuten durchspielen. Doch da war ja noch die WM-Qualifikation, in der die Mannschaft seines Heimatlandes Guatemala vor den entscheidenden Partien gegen Trinidad und Tobago sowie gegen St. Vincent stand. Cincotta wurde diesmal nicht nominiert, weil er in Chemnitz nur auf der Bank saß.

So musste er wohl oder übel aus der Ferne verfolgen, wie sein Team im ersten Spiel gegen Trinidad und Tobago nur ein 2:2 erreichte. "In der 83. Minute hat einer von uns wegen einer Notbremse Rot gesehen, vier Minuten später haben wir den Ausgleich zum 2:2 geschafft", erzählte der 25-Jährige. Mehr war jedoch nicht mehr drin. Damit ist der Traum von der WM-Teilnahme 2018 in Russland ausgeträumt, denn Guatemala hätte beide Begegnungen gewinnen müssen. Trotzdem wirkte Cincotta gestern nicht niedergeschlagen. Seine überraschende Begründung: "Die Freude über meinen ersten Saisoneinsatz beim CFC war größer als die Enttäuschung wegen der verpassten WM-Qualifikation."

Erleichtert erschien auch Daniel Frahn zum gestrigen Training. Der Stürmer hat in Markranstädt seine Torflaute beendet - und wie: mit einem Hattrick innerhalb von sieben Minuten. Das ist persönlicher Rekord. "In einem so kurzen Zeitraum habe ich das noch nicht geschafft", bestätigte Frahn. Es sei schön gewesen, "dass der Ball wieder mal über die Linie ging". Jeder Stürmer mache Phasen durch, in denen er die Kiste nicht trifft. Ein wenig schmunzeln musste der 29-Jährige, als er in dem Zusammenhang auf das WM-Qualifikationsspiel der Deutschen in Norwegen (3:0) zu sprechen kam. Auch Frahn hatte die Ladehemmung bei Bayern- Angreifer Thomas Müller verfolgt, der ebenfalls über Monate torlos geblieben war. Wie beim CFC-Profi platzte auch bei Müller an diesem 4. September endlich der Knoten - es war eben ein Tag der Befreiung.


Spiel zur Stadioneröffnung in Mittweida

Aus besonderem Anlass bestreitet der Chemnitzer FC heute ein Freundschaftsspiel: Die Elf von Trainer Sven Köhler ist zur Eröffnung des Stadions "Am Schwanenteich" in Mittweida zu Gast und trifft ab 18 Uhr auf die gastgebende Germania-Mannschaft. Wie Sport-Geschäftsführer Stephan Beutel gestern erklärte, wird der Drittligist mit voller Kapelle nach Mittweida fahren. Die dortige Sportstätte wurde in den vergangenen zwei Jahren für insgesamt knapp drei Millionen Euro modernisiert. Entstanden ist beispielsweise eine neue, überdachte Tribüne mit 210 Sitzplätzen.

In der nächsten Runde des Landespokals, dem Achtelfinale, treten die Himmelblauen beim Landesklassen-Vertreter ESV Lok Zwickau an. Das ergab die gestrige Auslosung. Gespielt wird am Wochenende 8./9. Oktober. Wie der CFC weiter mitteilt, kann Innenverteidiger Marc Endres wegen einer Fersen- verletzung gegenwärtig nur ein Teiltraining absolvieren. (ms)

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