CFC-Nachwuchs: Sportlicher Lichtblick - unklare Finanzierung

Erster Sieg für U17 - DFB stellt Forderungen - Mitgliedsbeiträge zugunsten des Leistungszentrums fließen nicht

Die Talentearbeit der Himmelblauen steht seit Monaten auf der Kippe. "Freie Presse" erklärt, wie es sportlich läuft und wo es strukturell und finanziell klemmt.

Wie stehen die Mannschaften des Nachwuchsleistungszentrums sportlich da?

Zum ersten Mal treten die A- und die B-Junioren des CFC gleichzeitig in der Bundesliga - der höchsten Spielklasse - an. Die U17-Mannschaft hat gerade den ersten Saisonsieg geholt und rückte damit auf den ersten Nichtabstiegsplatz vor. "Das Team funktioniert gut. Wir haben eine realistische Chance auf den Klassenerhalt", sagt Trainer Torsten Wappler. Schwieriger ist die Situation bei den A-Junioren. Der Aufsteiger hat die siebte Niederlage im siebten Spiel kassiert und ist Tabellenletzter.

Was sind die Gründe dafür?

Der Chef des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) sagt zum Abschneiden der A-Junioren: "Wir treten nur mit eigenen Leuten an, während die anderen Vereine aufrüsten und Spieler von außerhalb holen. Die Qualität reicht vielleicht nicht aus", so Thomas Köhler. Dazu seien Verletzungen gekommen, die den ohnehin kleinen Kader der U19-Mannschaft zusätzlich belastet hätten. Und nicht zuletzt habe sich die Diskussion um den Erhalt des NLZ negativ ausgewirkt, sagt Köhler. "Das geht an keinem spurlos vorüber."

Anfang August hatte Insolvenzverwalter Klaus Siemon die Masseunzulänglichkeit des Vereins erklärt und allen Mitarbeitern gekündigt sowie Förderverträge der Spieler aufgelöst. Sind die Verträge wieder in Kraft?

Zum Teil. Der alte Notvorstand, dessen Amtszeit Ende August endete, hatte Verträge mit Trainern und Spielern wieder in Kraft gesetzt. Keinen Vertrag hat bis heute der Leiter des Zentrums Köhler. Die Spieler sind dem Verein trotz der Möglichkeit zu wechseln, treu geblieben. "Sie halten zur Stange. Ich ziehe den Hut", sagt B-Jugend-Coach Wappler.

Der DFB, der gemeinsam mit der DFL und einer Firma die Leistungszentren zertifiziert, ist dennoch nicht zufrieden. Warum?

NLZ-Chef Köhler zufolge fordert der DFB Nachweise der Leistungsfähigkeit des Zentrums. Dazu gehöre, dass die Aufgabengebiete der Mitarbeiter vertraglich definiert werden. "Und letztlich muss der Chef auch einen Vertrag haben." Er sei im engen Austausch mit dem DFB. "Wir konnten schon einen Aufschub erwirken", sagt Köhler. Was passiert, wenn die Nachforderungen nicht erfüllt werden, blieb offen. Der DFB ließ eine Anfrage unbeantwortet. Die Unterhaltung eines NLZ sei für Drittligisten aber freiwillig, teilt die Pressestelle des DFB mit.

Können nicht einfach neue Verträge geschlossen werden?

Da das Nachwuchsleistungszentrum unter dem Dach des Vereins CFC fortgeführt wird, können nur dessen Gremien entsprechende Verträge abschließen. Solche Gremien gibt es aber derzeit nicht, weil die Wahl eines Aufsichtsrates - der einen Vorstand hätte bestellen können - bei der Mitgliederversammlung scheiterte. Außerdem endete vor einem Monat die Amtszeit des gerichtlich bestellten Notvorstands.

Wann nimmt ein neuer Notvorstand seine Arbeit auf?

Das ist unklar. Insolvenzverwalter Siemon habe gegen den Rechts- pfleger, der dieses Thema bearbeitet, einen Befangenheitsantrag gestellt, erklärt eine Sprecherin des Amtsgerichts. So lange über diesen Antrag nicht entschieden ist, könne kein Notvorstand eingesetzt werden. Mittlerweile, so die Sprecherin, beschäftige sich das Oberlandesgericht mit Siemons Antrag.

Wer soll dem Notvorstand angehören?

Beim Amtsgericht liegen zwei Anträge bezüglich der Besetzung des Gremiums vor. Rechtsanwältin Annette Neuerburg spricht sich für den früheren Chemnitzer Oberstaats- anwalt Siegfried Rümmler, für Grit Hoffmann von Niles Simmons und Udo Pfeifer vom gleichnamigen Getränkehandel aus. Klaus Siemon hatte ursprünglich für Rümmler, Romy Polster von Polster Catering und den mittlerweile zurückgetretenen Geschäftsführer Thomas Sobotzik plädiert, Letzteren aber nun durch Udo Pfeifer ersetzt, informiert die Gerichtssprecherin.

Wie steht es um die Finanzierung des NLZ?

Das NLZ wird unter anderem über Fördermittel und Ausbildungsentschädigungen finanziert. Eine verbleibende Lücke, die zuletzt auf 80.000 Euro beziffert wurde, sollte über Mitgliedsbeiträge geschlossen werden. Dafür hatten die Mitglieder eine Satzungsänderung beschlossen, wonach Mitgliedsbeiträge auch in einer Insolvenz Pflicht sind. Zudem stimmten sie für eine kurzfristige Sonderumlage zugunsten des NLZ. Mitgliedsbeiträge fließen aber bis heute nicht. Die Satzungsänderung wurde zwar vom alten Notvorstand angezeigt, sie sei aber noch nicht ins Vereinsregister eingetragen worden, weil Siemon gegen den Notvorstand und die Tagesordnung der Mitgliederversammlung vorgegangen sei, erklärt eine Gerichtssprecherin. Derzeit übernehmen die Gesellschafter einen Teil der Finanzierung. Sie würden im Monatsrhythmus Geld an das NLZ überweisen, so CFC-Sprecher Steffen Wunderlich. "Stand jetzt haben alle ihr Geld bekommen." Langfristige Vereinbarungen zur Finanzierung gebe es noch nicht, weil die Gesellschafter die Bestellung des Notvorstands abwarten würden, so Wunderlich.

Bewertung des Artikels: Ø 4.5 Sterne bei 2 Bewertungen
1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    4
    AliceAndreas
    04.10.2019

    Hr Siemon wirft also mal wieder mit unzähligen Klagen das Geld seines Auftraggebers zum Fenster raus und verhindert gleichzeitig das die Mitgliedsbeiträge eingezogen werden ... Aufgabe eines Insolvenzverwalters irgendwie verfehlt !!!



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