CFC-Trainer beklagt aggressive Stimmung bei Auswärtspartien

Laut David Bergner schlägt dem Tabellenführer auf fremden Plätzen ein rauer Wind entgegen. Der jüngste Auftritt in Halberstadt endete im Streit mit seinem Kollegen vom Gastgeberverein.

Die sportliche Konkurrenz in der Regionalliga Nordost muss wohl bald zum Fernrohr greifen, um den Chemnitzer FC noch zu entdecken. Nach sechs Siegen in den ersten sechs Saisonpartien sind die Himmelblauen klarer Spitzenreiter. "Wenn mir das vor der Saison jemand prophezeit hätte, hätte ich an dessen Zurechnungsfähigkeit gezweifelt", sagte Cheftrainer David Bergner gestern im Gespräch mit der "Freien Presse". Dieser Start sei nicht zu erwarten gewesen. "Wir wollten gut reinkommen, weil das gerade für unsere neu formierte Mannschaft sehr wichtig ist. Aber auf sechs Siege in Folge hatten wir nicht einmal zu hoffen gewagt", fügte Bergner hinzu.

Zuletzt in Halberstadt drohte die Serie zu reißen. Zur Halbzeit lag der CFC gegen ein mit viel Herz spielendes Germania-Team mit 1:2 zurück, setzte sich am Ende durch einen lupenreinen Hattrick von Daniel Frahn jedoch noch mit 4:2 durch. Ein hartes Stück Arbeit. "Wir werden offenbar als große Nummer in der Regionalliga angesehen. Das bekamen wir auch bei den Halber- städtern zu spüren", so Bergner. Der Gegner sei mit einer Dynamik zu Werke gegangen, die man in seinen vorangegangenen Spielen nicht in dem Maße erkennen konnte.

Laut dem Coach bekommt der CFC nicht nur auf dem Feld rauen Gegenwind zu spüren. "Wenn wir auswärts auftreten, ist die Stimmung uns gegenüber aggressiv", berichtete der 44-Jährige. So habe er in einem Stadionheft lesen müssen, dass der CFC "mit Bauernschläue seine Schulden getilgt hat" und nun der FC Bayern München der Regionalliga Nordost sei. Formulierungen, die Bergner gegen den Strich gehen. "Das Insolvenzverfahren wurde nicht aus Jux und Tollerei eröffnet. Es steht spitz auf Knopf, ob der CFC weiter existieren kann. Wir kämpfen ums Überleben", sagte der Trainer.

Wie angespannt die Lage ist, wurde auch zur Pressekonferenz nach der Begegnung in Halberstadt deutlich. Nachdem Bergner seine Spieleinschätzung abgegeben und sein 15 Jahre jüngerer Kollege Maximilian Dentz zu Ende geredet hatte, stand der CFC-Coach auf und verließ den Raum. Bergner wehrt sich gegen den Vorwurf, für einen Eklat gesorgt zu haben. "Ich habe die Pressekonferenz nicht vorzeitig verlassen. Nachdem mein Kollege aus- geredet hatte, wollte ich keine weiteren Fragen mehr beantworten", erklärte Bergner. Grund für sein Verhalten: Er sei darüber erbost gewesen, wie der Halberstädter Trainer das Spiel gesehen hat. "Er hat die Niederlage auf die Schiedsrichter abgewälzt und Dinge verdreht." Zudem verwies Bergner auf ein "Vier-Augen-Gespräch unter Trainerkollegen", das nach dem Spiel stattgefunden und dessen Inhalt der Halber- städter Coach zur Pressekonferenz öffentlich gemacht habe.

Maximilian Dentz wies die Vorwürfe gestern zurück. "Ein Vier- Augen-Gespräch zwischen uns hat es gar nicht gegeben", sagte der Germania-Trainer auf Anfrage. Bergner habe ihm Respektlosigkeit vor- geworfen, weil er ihm nach dem Abpfiff nicht zum Sieg gratulierte. "Ich habe zweimal versucht, mich dafür bei ihm zu entschuldigen - im Spielergang und zur Pressekonferenz", entgegnete Dentz. Beide Versuche seien gescheitert. Dass Bergner zur Pressekonferenz einfach aufstand, den Handschlag verweigerte und den Raum verließ, sei ihm gegenüber respektlos. "Obwohl ich erst 29 Jahre alt bin, habe auch ich Respekt verdient", so Dentz, der seine Kritik an der Schiedsrichterleistung erneuerte. Bei vergleichsweisen Fouls sei sein Team im Gegensatz zum Spitzenreiter schnell mit Gelben Karten bestraft worden. Als Folge davon habe sein Spieler Tino Schulze beim Stand von 2:2 Gelb-Rot gesehen. "Dieser Platzverweis hat uns das Genick gebrochen", bemerkte der Halber- städter Trainer.

Dass es zu derart großen Differenzen zwischen ihm und David Bergner kommt, war im Vorfeld der Partie nicht zu erwarten. Dentz: "Bisher haben wir sehr gut zusammengearbeitet und sogar Videos über Kontrahenten ausgetauscht." Er habe seinen CFC-Kollegen nach dem Streit anrufen wollen, es sich dann aber anders überlegt. "Der Ball liegt bei ihm", sagte Dentz. Trotz des Vorfalls wünsche er Chemnitz den Aufstieg in die Dritte Liga, "denn dort gehört dieser Verein hin".

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