Chemnitzer Rugby-Team hat Durststrecke überstanden

Die Mannschaft hat sich in der Mitteldeutschen Liga etabliert. Dabei hatte es zuletzt nicht gut gestanden um den Verein.

Als die Spieler von Tower Rugby Chemnitz kürzlich zur Auswärtspartie in Kittlitz an der polnischen Grenze antraten, mussten sie früh raus. 6.10 Uhr fuhr der Zug vom Chemnitzer Hauptbahnhof ab, um elf begann das Spiel: "Wir sind Studenten und reisen zu den Auswärtsspielen in Sachsen mit dem Semesterticket", sagt Josef Roggenbuck.

Der Maschinenbau-Student gehört dem Team seit fünfeinhalb Jahren an und ist derzeit Vereinschef. Als solcher hat er ein schwieriges Erbe angetreten. Vor zwei Jahren hatte es nicht gut gestanden um die einzige Chemnitzer Rugby-Mannschaft, die 2008 aus einem Projekt an der TU Chemnitz hervorging: "Damals haben viele altgediente Spieler mit einem Mal aufgehört. Wir haben nur noch wenig trainiert und kaum noch an Spielen teilgenommen."

Mittlerweile gebe es zwölf aktive Spieler, sagt Roggenbuck. Dazu kämen nochmal so viele Sportler von einem Universitätssportkurs, die die Mannschaft regelmäßig verstärken: "Der Kern ist wahrscheinlich auch noch zwei Jahre dabei, sodass wir wieder etwas Konstanz haben. Wir sind über den Berg." Naturgemäß gebe es dennoch ein ständiges Kommen und Gehen im Verein. Manch ein Gastspieler bringe das Team dabei voran: "Wir hatten einen Engländer und einen Franzosen da. Die konnten uns viel beibringen. In ihrer Heimat hat Rugby eine ganz andere Bedeutung." Hierzulande, ist Roggenbuck überzeugt, sei Rugby eine Randsportart - und müsse sich mit American Football um den Nachwuchs streiten. Wer eine körperbetonte Mannschaftssportart machen möchte, gehe in der Regel zuerst zum American Football. Nach Angaben des Deutschen Rugby-Verbands gibt es in Deutschland derzeit gerade einmal 124 Vereine mit knapp 14.000 Mitgliedern.

Sportlich läuft es indes gut in der Mitteldeutschen 7er-Liga: Das Heimturnier - die Spiele werden, um den Aufwand gering zu halten, in Turnierform ausgetragen - konnten die Chemnitzer mit vier Siegen in vier Spielen souverän für sich entscheiden. Auch die Randbedingungen haben sich verbessert. Trainierten die Sportler noch bis vor einiger Zeit auf einem ungepflegten Platz an der Carl-von-Ossietzky-Straße und mussten sich dort am Spielfeldrand umziehen, haben sie nun einen Platz am Stadtpark und eine Trainingsstätte im Sportforum für sich - inklusive Umkleidekabinen.

Trotz dessen ist das Team noch auf der Suche nach Sponsoren. Ein Großteil der anfallenden Kosten tragen die Spieler selbst, vor allem weite Fahrten wie nach Magdeburg schlagen kräftig zu Buche: "Da müssen wir schon überlegen, ob wir hinfahren." Wer solche strapaziösen Anreisen dennoch auf sich nimmt, wird schon alleine fürs Antreten mit Punkten belohnt. Das sei der Vorteil beim Amateursport, sagt Roggenbuch: "Es geht sehr fair zu." Dazu gehöre auch, sich gegenseitig auszuhelfen. Wenn beispielsweise ein Team mit zu wenig Spielern anreise, bilde man eben spontan eine Spielergemeinschaft.


Umklammern erlaubt

Beim Rugby geht es darum, das eierförmige Spielgerät in das Endfeld der gegnerischen Spielhälfte zu transportieren, jeder sogenannte Versuch bringt Punkte ein. Der Ball darf mit der Hand nur nach hinten gespielt werden, Raumgewinne erzielt man mittels Treten oder Tragen des Balles. Gegnerische Spieler dürfen getackelt - in etwa "umklammert" - werden. Beim 7er Rugby stehen sich zwei Teams mit jeweils sieben Spielern gegenüber, die Spielzeit beträgt zwei Mal sieben Minuten. (lumm)

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