Comeback am Ort ihrer Tragödie

Eigentlich wollte Marcela Splechtova für Zwickau in der 2. Bundesliga spielen. Eine schwere Verletzung verhinderte das. Jetzt steht sie für den HV Chemnitz auf dem Parkett - anfangs mit gemischten Gefühlen.

Ausgerechnet Chemnitz. Es war im Sommer 2017, als die tschechische Handballerin Marcela Splechtova den nächsten Schritt ihrer Karriere gehen wollte. In ihrem Heimatland hatte die Rückraumspielerin schon viel erreicht, gewann mit Banik Most unter anderem 2013 den EHF Challenge Cup - vergleichbar mit dem UEFA-Pokal im Fußball. Ab 2015 versuchte sie ihr Glück in Deutschland, spielte zwei Jahre lang für Marienberg in der 3. Bundesliga. Im vergangenen Jahr kam dann das Angebot von Zweitligist BSV Sachsen Zwickau, Splechtova sagte zu. Doch bei einem Vorbereitungsturnier in der Sachsenhalle Chemnitz passierte es: Im Spiel gegen die Mannschaft des Gastgebers riss das Kreuzband der heute 27-Jährigen. Kurz vor Ende der Vorbereitung war der Traum von der Zweiten Liga erst einmal ausgeträumt.

Am vergangenen Wochenende stand Marcela Splechtova nun erstmals wieder in einem Pflichtspiel auf dem Parkett - nicht irgendwo, sondern genau dort, wo die schwere Verletzung passierte. "Dass ich ausgerechnet in der Chemnitzer Halle mein Comeback gebe, ist natürlich kurios", sagt die Tschechin. "Es war ein komisches Gefühl, als ich das erste Mal wieder in die Halle gekommen bin. Aber es war ein sehr gutes Gefühl, wieder Handball zu spielen." Erst wenige Tage vor der Partie gegen Eddersheim hatte der HV Chemnitz auf die schlechten Ergebnisse der bisherigen Saison reagiert und Splechtova verpflichtet. Die Rückraumspielerin ist bis zum Saisonende von Zwickau ausgeliehen, soll beim Drittligisten Spielpraxis sammeln.

Bei ihrer Premiere im Trikot des HVC zählte die Rückraumspielerin gleich zu den Aktivposten und erzielte vier Treffer beim 25:25 - dem ersten Punktgewinn der Chemnitzer seit September. "Es hat natürlich noch nicht alles gepasst, denn vor dem Spiel hatten wir kaum gemeinsam trainiert, ich kannte weder die Mitspielerinnen noch die Abläufe", sagt Splechtova. "Die Mannschaft hat mich aber sehr gut aufgenommen und mir das Ganze somit viel einfacher gemacht."

Wie es im Sommer weitergeht, werde sich zeigen, sagt die erfahrene Spielerin. "Mein Ziel ist aber schon, mit Zwickau in der Zweiten Liga zu spielen." Darum trainiert sie auch weiterhin zweimal pro Woche beim BSV, zwei weitere Einheiten absolviert sie mit ihren neuen Mitspielerinnen in Chemnitz. "Das macht schon deshalb Spaß, weil ich zum Training hier nicht so weit fahren muss", sagt sie lachend. Denn in Chemnitz absolviert Splechtova derzeit eine Ausbildung zur Industriekauffrau, hier wohnt sie auch. "Das passt gut", sagt sie. "Wenn es unsere eigenen Spiele zulassen, fahre ich aber weiterhin zu den Spielen des BSV Zwickau. Ich will den Kontakt nicht abreißen lassen."

Wie die Zwickauerinnen heute Abend bei Tabellenführer Kurpfalz Bären Ketsch abgeschnitten haben, kann sich Marcela Splechtova allerdings nur im Nachhinein berichten lassen. Denn mit dem HV Chemnitz muss sie zeitgleich in Obereschbach antreten.

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