Der 1000-Punkte-Mann

Basketball-Zweitligist Niners Chemnitz hat vor knapp 2500 Fans einen Kantersieg gegen Tübingen gefeiert. Neben Kapitän Malte Ziegen- hagen hatten zwei weitere Spieler gute Gründe, einen auszugeben.

Jetzt fangen sie auch noch an zu zaubern: Mit Tempospiel und sehenswerten Kombinationen haben die Niners am Samstagabend in der Hartmannhalle den Tübingen Tigers das Basketball-Fell über die Ohren gezogen. Vor nahezu 2500 Zuschauern bezwang der Tabellenführer der Pro-A-Liga den Bundesliga-Absteiger aus Baden-Württemberg mit 104:68, landete damit den siebenten Erfolg im siebenten Spiel. Anschließend wurde das Team minutenlang vom euphorisierten Publikum gefeiert. "Wir spielen mega-gut zusammen", sagte Malte Ziegenhagen über seine Mannschaft, nachdem sich der Trubel gelegt hatte.

Der Niners-Kapitän bestritt gegen Tübingen seine 77. Partie für die Chemnitzer und konnte dabei als sechster Spieler der Vereins- geschichte die Schallmauer von 1000 Punkten durchbrechen. Mit einem Dreier kurz vor Ende des ersten Viertels markierte der gebürtige Berliner die Zähler 1000 bis 1002 im Trikot der Sachsen. "Mir war das vorher gar nicht so bewusst. Mein Vater hatte mich am Donnerstag kurz darauf aufmerksam gemacht", berichtete Ziegenhagen.

Voll auf das Spielgeschehen fokussiert, bekam er den Aufschrei des Publikums nach seinem 1000. Punkt am Samstag gar nicht richtig mit. "Haben die Leute gejubelt?", fragte der 27-Jährige und verwies auf die amerikanische Profiliga NBA. "Dort wird bei so einem Jubiläumstreffer das Spiel erst einmal unterbrochen und der Schütze gefeiert", bemerkte Ziegenhagen mit einem Schmunzeln. Zum Heimgehen war ihm und seinen Team- gefährten nach der rauschenden Basketballnacht nicht zumute. "Jetzt wird gefeiert. Ich werde einen Kasten Marx-Bier springen lassen", sagte der Kapitän.

Außer ihm hatten zwei weitere Chemnitzer Korbjäger gute Gründe, einen auszugeben: Der US-amerikanische Routinier Ivan Elliott wurde am Spieltag 32 Jahre alt und steuerte wie Ziegenhagen 18 Punkte zum Kantersieg gegen Tübingen bei. Für das Geburtstagskind schmetterten die Zuschauer nach Spielende ein "Happy Birthday". Zuvor war Georg Voigtmann für einen besonderen Punkt gefeiert worden: Der 2,13-Meter-Riese hatte mit einem Freiwurf den 100. Chemnitzer Zähler in der einseitigen Begegnung markiert.

Beinahe wäre der Abend in der Hartmannhölle noch für einen vierten Niners-Korbjäger ein ganz besonderer geworden. Im letzten Spielabschnitt wurde Nachwuchs- talent Leon Hoppe von Cheftrainer Rodrigo Pastore aufs Feld geschickt. "Rechnet man die letzte Saison mit, war es mein dritter Einsatz bei den Profis", erklärte der 18-Jährige. Einen Punkt hatte der Jungspund dabei noch nicht erzielen können. Am Samstag gegen Tübingen bot sich die große Chance dazu. In einer Szene gut freigespielt, verfehlte Hoppe den Korb jedoch. "Ich ärgere mich, dass ich die Punkte nicht gemacht habe. Es lag wohl an der Aufregung", sagte das Eigengewächs der Niners.

Dennoch überwog bei ihm die Freude über seinen Einsatz vor großer Kulisse und den haushohen Sieg der Mannschaft. "Unser Spiel wird immer attraktiver. Und die Sieges- serie darf ruhig so weitergehen", betonte Leon Hoppe, bevor die Feierlichkeiten ihren Lauf nahmen.


Kommentar: Reif für den Aufstieg

Es ist kein Zufall mehr, wenn eine Mannschaft nach sieben Spieltagen ungeschlagen an der Tabellenspitze steht. Die Basketballer der Niners, seit vielen Jahren eine feste Größe in Liga zwei, sind in dieser Saison besser denn je auf- gestellt. Dem Verein ist es gelungen, ein Team mit mehr Körpergröße, mehr Athletik und mehr Spiel- intelligenz ins Rennen zu schicken. Hinzu kommt ein fantastisches Publikum, das seine Lieblinge mit südeuropäischem Temperament anfeuert und den Gegnern zu verstehen gibt: Außer Erfahrung könnt ihr in Chemnitz nichts gewinnen. Das alles lässt nur eine Schlussfolgerung zu: Die Niners sind reif für den Aufstieg in Liga eins. Wir wollen die Korbjäger des FC Bayern München und von Alba Berlin in der Stadt spielen sehen! Auch wenn dafür eine Verdopplung des Saisonetats auf drei Millionen Euro notwendig ist. In dem Zusammenhang sollte darüber nachgedacht werden, wie städtisches Geld an den Sport verteilt werden sollte. Man hat das Gefühl, dass die Summe bei den Niners besser aufgehoben wäre als bei manch anderem Verein.

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