Der entspannte Neuzugang des CFC will Spaß am Fußball

Tarsis Bonga spielt seit diesem Sommer für den Drittligisten. Mit seiner Einwechslung im Spiel gegen Waldhof Mannheim hat er nicht nur wegen seiner Schnelligkeit für schöne Szenen gesorgt.

Einen der schönsten Momente des ersten Heimspiels des Chemnitzer FC am vergangenen Sonntag hat der Hauptakteur gar nicht mitbekommen. Als Tarsis Bonga 20 Minuten vor dem Spielende gerufen wurde, damit er das Aufwärmen beende und sich für seine Einwechslung bereitmache, brandete Applaus im Chemnitzer Stadion auf. Nicht irgendwo, sondern in erster Linie auf der Südtribüne. Jenem Ort also, der bundesweit in die Schlagzeilen geraten war, weil dort im März eine Trauerzeremonie für einen verstorbenen Neonazi stattgefunden hatte. Jenem Ort, an dem angeblich sehr viele Menschen mit rechtsradikalem Gedankengut stehen sollen.

Es schien, als wollte die Fanszene sehr deutlich zeigen, dass dem nicht so ist. Als Bonga, dessen Eltern vor 30 Jahren aus der Republik Kongo nach Deutschland kamen, zur Auswechselbank rannte und direkt an den Fans auf der "Süd" vorbeimusste, wurde der Applaus noch einmal stärker. "Das habe ich tatsächlich gar nicht mitbekommen", sagt der junge Mann, der im Sommer vom FSV Zwickau zum CFC gewechselt ist. "Ich war viel zu fokussiert auf mein erstes Spiel für den neuen Verein. Aber es freut mich sehr zu hören, dass die Fans mich gefeiert haben."

Mit Anfeindungen vonseiten der Chemnitzer Zuschauer hatte der 22-Jährige aber ohnehin nicht gerechnet. "Ich weiß, was über die Stadt und über den Verein in den Zeitungen stand", sagt er. "Aber das hat mich nicht interessiert. Ich mache mir generell selbst ein Bild von allem. Und das Bild von Chemnitz ist ein sehr entspanntes, sehr schönes. Ich bin sehr froh, dass ich hierher gewechselt bin." In der Stadt habe er sich mittlerweile eingelebt, auch sportlich ist er zufrieden mit seiner Entscheidung für den CFC. "Besonders stark finde ich das Klima innerhalb der Mannschaft", sagt der 1,96-Meter-Mann. "Hier gibt es keinen, mit dem man nicht gern redet, alle verstehen sich." Auch als junger Spieler könne er gegenüber den gestandenen Kickern durchaus mal eine klare Ansage machen. "Jeder steht hier in der Verantwortung. Das gefällt mir sehr", sagt Bonga, der in Neuwied geboren wurde und beim Bonner SC mit dem Fußballspielen begann. Im Jugendbereich kickte er bei Bayer Leverkusen und Fortuna Düsseldorf, ehe er zum FSV Zwickau wechselte. Dort kam er in der vergangenen Drittligasaison auf drei Tore und zwei Vorlagen.

Als seine Stärken nennt der Stürmer Schnelligkeit und das körperbetonte Spiel. Einen Eindruck davon konnten die CFC-Fans bereits beim 1:1 am vergangenen Sonntag gegen Waldhof Mannheim gewinnen. Nur zwei Minuten nach seiner Einwechslung nahm er einen Abwurf seines Keepers Jakub Jakubov in der Nähe der Mittellinie auf und startete mit dem Ball am Fuß durch. Seinem Tempo konnte kein Mannheimer mehr folgen, allerdings schlenzte Bonga den Ball vom Sechzehnmeterraum doch recht weit am Tor vorbei. "Der Abschluss war wirklich nicht gut", gesteht er ein. "Ansonsten ist genau das aber mein Spiel. Ich mag es, wenn ich Tempo aufnehmen kann."

Als sein persönliches Ziel beim CFC nennt Tarsis Bonga zuerst: Spaß am Fußball haben. Und wie schon bei der Beschreibung der Stadt und der Mannschaftskollegen fällt wieder sein Lieblingswort: entspannt. "Auch wenn ich als Profi natürlich ehrgeizig bin und Ziele verfolge, sehe ich viele Dinge entspannt. Ich möchte mich weiterentwickeln, dabei aber nie den Spaß an meinem Beruf verlieren."

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