Der erfolgreiche Pessimist

Frank Grunert von Lok Chemnitz hat bei der EM der sehbehinderten Kegler zwei Medaillen gewonnen. Ein großer Wunsch bleibt für ihn vorerst unerfüllt.

Besonders wohl fühlt er sich vor Wettkämpfen nicht. "Ich habe Lampenfieber ohne Ende", sagt Frank Grunert. Wenn er dann aber auf der Bahn steht, ist die Nervosität wie weggeblasen. So auch bei der Europameisterschaft im kroatischen Zagreb, wo der blinde Kegelsportler des ESV Lok Chemnitz gerade zwei Medaillen gewonnen hat: Bronze im Einzel und Silber in der Kombination, bei der die Ergebnisse von Vorkampf und Finalwettbewerb zusammengezählt werden. "Das war mein bisher größter Erfolg", erklärt Grunert, der in Annaberg zu Hause ist.

Prinzipiell rechnet der 53-Jährige damit, dass bei seinen Wettkämpfen etwas schiefgeht. "Ich bin ein sehr pessimistischer Mensch", sagt Grunert. Das findet er gar nicht so schlecht. "Lieber mit Pessimismus an die Sache gehen und sich dann positiv überraschen lassen", bemerkt der Sportler mit Handicap. Als junger Mann konnte Frank Grunert ganz normal sehen. Er ging in die Schule, ließ sich zum Tischler ausbilden. 1994 erhielt er die für ihn zunächst niederschmetternde Diagnose. "Es wurde festgestellt, dass meine Sehkraft durch eine Erbkrankheit immer mehr nachlassen wird. Ich wusste, dass ich eines Tages völlig blind sein könnte", berichtet Grunert. So kam es dann auch: Seit 2011 ist er vollblind. "Es gibt aber Schlimmeres. Ich kann mein Leben trotzdem genießen", betont er.

Zu seiner Sportart kam er durch den Blindenverband. "Dort gab es einmal im Monat das Angebot zu kegeln. Dadurch habe ich die Kegler des ESV Lok kennengelernt. Seit 2002 bin ich bei dem Chemnitzer Verein", so Grunert. Er trainierte intensiver, tankte durch erste Erfolge zusätzliche Motivation. "Man will dann immer mehr", sagt der 53-Jährige. Seine Wettkämpfe übt er mithilfe von Betreuerin Sylke Wechler aus. Sie führt ihn auf die Bahn, wo sich Grunert breitbeinig aufstellt. Mit den Händen tastet er zunächst entlang der Bohle, richtet seinen Stand exakt aus. Sylke Wechler nimmt letzte Korrekturen vor. Dann holt Grunert durch die Beine Schwung - und befördert die Kugel mit beiden Händen Richtung Kegel. Nach großen Erfolgen freuen sich seine gehandicapten Vereinsgefährten mit ihm. "Wir haben einen super Zusammenhalt", unterstreicht Grunert.

Nicht nur beim Kegeln nimmt er aktiv am Leben teil. "Es gibt Blinde, die sich daheim einschließen und kaum rausgehen. Das kam für mich nicht infrage", sagt Grunert. Mit seiner besten Freundin Judith Dolny, die ebenfalls zu den sehbehinderten Lok-Sportlern gehört, und den beiden Blindenführhunden ist er oft unterwegs. "Wir gehen sogar wandern", berichtet Grunert. Als Behindertensportler hat er noch einige Ziele. "Ich will auf jeden Fall Europameister werden", nennt er eines davon. Ein großer Wunsch bleibt vorerst aber unerfüllt. "Bei Paralympics zu starten, wäre der Hammer. Doch leider gehört Kegeln dort nicht zum Programm", bedauert der erfolgreiche Pessimist.

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