Der Unternehmer mit Steherqualitäten

Wenn schon mal eine Deutsche Meisterschaft auf der Radrennbahn in Chemnitz stattfindet, will er dabei sein - dachte sich Ingo Berbig, der eigentlich kaum Zeit für Sport hat.

Ingo Berbig kennt die Radrennbahnen in Nürnberg, Forst, Erfurt, Gera oder Leipzig. Dort ist er Anfang der 2000er-Jahre zahlreiche Rennen gefahren. In Leipzig schaffte er es einst in den Endlauf und belegte den 5. Platz. Bei einer anderen Meisterschaft in Nürnberg reichte es zwar nur für das Finale der Unterlegenen, aber diesen Wettkampf gewann der Pedaleur vom Radsportverein (RSV) Chemnitz. Als klar war, dass die Deutsche Stehermeisterschaft 2018 in Chemnitz stattfinden würde, fasste der heute 38-Jährige den Entschluss, sich für das Spektakel hinter den Schrittmachermaschinen anzumelden. "Ich wollte bei diesem Event in meiner Heimatstadt, das auch noch von meinem Heimatverein ausgerichtet wurde, unbedingt Stadt und Verein als Aktiver vertreten", sagte Berbig.

Zum Zeitpunkt der Anmeldung habe er sich gut in Form gefühlt. Leider konnte das RSV-Mitglied sein selbst gestecktes Trainingspensum bis zu den nationalen Titelkämpfen, die am vergangenen Samstag auf dem Oval im Sportforum stattfanden, nicht durchziehen. Berbig macht dafür insbesondere berufliche Gründe geltend. Derzeit befindet sich der Diplomingenieur mitten in einer Firmengründung. Unternehmenszweck stellt die Entwicklung eines Laufradsystems aus textilen Fasern dar. Damit beschäftigt er sich seit mehr als einem Jahrzehnt, 2016 wurde das Verfahren zum Patent angemeldet. "Für die Umsetzung dieser Idee benötigt man viel Zeit, deshalb konnte ich nicht so viel auf dem Bahnrad sitzen, um mich in Form zu bringen", sagte Berbig. "Ich habe schon zur Qualifikation zeitig gemerkt, dass die Konkurrenz fit ist und gehofft, dass es bei mir besser läuft", analysierte der Chemnitzer sein Abschneiden bei der Meisterschaft.

Im Finale der Unterlegenen kämpfte der Unternehmer wacker, musste aber die Gegner ziehen lassen. Er macht auch kein Geheimnis daraus, dass er sich während des Wettkampfes ganz schön quälen musste. Doch die Atmosphäre habe ihm geholfen, die Aufgabe zu meistern. "Die Kulisse an beiden Tagen war großartig. So eine Stimmung habe ich auf anderen Bahnen nicht erlebt", sagte er.

Der RSV, der sich sehr um den Fortbestand des Stehersports verdient mache, müsse dieses Zuschauerpotenzial nutzen und auf diesem Gebiet auf jeden Fall auch künftig Aktivitäten entwickeln. "Die Strapazen als Teilnehmer der diesjährigen Meisterschaft hab ich schließlich ganz gut verkraftet. Am Sonntag bin ich drei Stunden auf dem Rennrad unterwegs gewesen und habe so die Muskeln endgültig wieder locker gemacht", ist von Berbig zu erfahren.

Der Chemnitzer fand relativ spät zum Radsport. Vorher saß er beim ESV Lok Chemnitz an den Schachbrettern und schob dort relativ erfolgreich die Figuren. Später reifte in ihm der Entschluss, sich körperlich mehr zu belasten, und er fand schließlich den Weg zum Radsport. In der Altersklasse U 17 war Berbig auf der Straße und der Bahn unterwegs. "Damals brauchte ich rund ein Jahr, um richtig in die Spur zu kommen. Dann habe ich den Sport rund zehn Jahre intensiv betrieben, fuhr die Rad-Bundesliga mit und schaffte den Sprung in die Landesauswahl", blickte der Sportler zurück.

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