Die Millionen-Vorhaben des Polizeisportvereins

Der wiedergewählte Präsident des zweitgrößten Sportvereins der Stadt will das Vereinsgelände auf Vordermann bringen. Wie stehen die Chancen dafür?

Sag niemals nie. Für den Präsidenten des Chemnitzer Polizeisportvereins (CPSV), Volker Lange, gilt dieser Satz offenbar ganz besonders. Als er 2008 erstmals zum Chef des nach der Universitätssportgemeinschaft zweitgrößten Sportvereins der Stadt gewählt wurde, wollte er nur für vier Jahre diesen Posten bekleiden. 2016, da waren es schon acht Jahre, dachte er über seinen Abschied nach. Der ist nun noch einmal vertagt worden: Am vergangenen Samstag stellte sich der mittlerweile 63-Jährige erneut zur Wahl - und erhielt alle Stimmen der Delegierten.

Auf die Frage, was ihn motiviert habe, den Verein für zwei weitere Jahre zu leiten, nennt Lange zwei Vorhaben. Zum einen wolle er den CPSV in die Jubiläumsfeierlichkeiten zum hundertjährigen Bestehen im Jahr 2020 führen. Und zum anderen sollen bis dahin umfassende Modernisierungen des Vereinsgeländes auf den Weg gebracht werden. Gemeint sind der Hart- und der Rasenplatz sowie die Leichtathletikanlage, die sich allesamt neben der vereinseigenen Halle an der Forststraße befinden. Die Sportstätten seien vermutlich in den 1950er- oder 1960er-Jahren errichtet worden, sagt Lange. Der Untergrund bestehe aus Schlacke, die bei starkem Regen kaum noch Wasser aufnehme. "Die Laufbahn säuft uns regelmäßig ab", berichtet der Vereinspräsident. Der Verein habe schon einmal Geld für Ausbesserungen in die Hand genommen. Nun wolle man die Probleme grundlegender angehen.

Und das ist nach den Plänen des CPSV vorgesehen: Die Aschenbahn soll abgetragen und entsorgt werden. An gleicher Stelle soll eine neue Laufbahn gebaut werden, vermutlich aus Tartan. Neu errichtet werden sollen auch der Hartplatz und der Leichtathletik-Bereich mit Hoch- und Weitsprung- sowie Kugelstoßanlage. Vorgesehen sei dabei, Vorbereitungen für ein Diskus-Schutznetz zu treffen. Der Rasenplatz wird den Plänen zufolge auf DIN-Norm erweitert. Die Traversen sollen ebenfalls erneuert werden. "Mehr als 100 Plätze wird es aber nicht geben, wir wollen eine wettkampftaugliche Anlage, aber kein Leichtathletikstadion", sagt Lange.

Der Verein hat die Kosten kalkuliert: Für Rasenplatz und Leichtathletikanlage rechnet der CPSV mit 1,9 Millionen Euro, für den Hartplatz mit etwa 320.000 Euro. Summen, die der CPSV nicht allein aufbringen kann und deswegen auf Fördermittel angewiesen ist. Beantragt wurden die bei Stadt und Sächsischer Aufbaubank. Für die Hartplatz-Modernisierung liegt seit kurzem ein Bewilligungsbescheid vor. "Das Problem ist, dass die Fördermittel eigentlich Ende des Jahres ablaufen, wir aber erst Anfang 2019 bauen können", erklärt Lange. Er hoffe darauf, das Geld ins kommende Jahr mitnehmen zu können. Falls dann gebaut wird, könnte statt eines Hartplatzes eventuell auch ein Kunstrasenplatz entstehen, erklärt der Vereinspräsident. "Das entscheidet dann die Baufirma."

Schwieriger ist die Situation bei der angedachten Sanierung von Rasenplatz- und Leichtathletikanlage. Auch hier habe man Fördermittel beantragt, sei aber bislang nicht auf der Vorhabenliste der Stadt gelandet, berichtet Lange. Er habe deswegen die Stadtratsfraktionen um Unterstützung gebeten.

Die Pläne seien ihm bekannt sagt, Heiko Schinkitz, der für die Linke im Sportausschuss des Stadtrates sitzt und zudem Stadtsportbund-präsident ist. Die Stadtratsfraktionen berieten derzeit über den Doppelhaushalt für 2019/20 und dabei auch über den Antrag des CPSV. Problem sei, dass für derartige Vorhaben zuletzt jährlich nur etwa 400.000 Euro an städtischen Fördergeldern zur Verfügung gestanden hätten, der CPSV allein aber etwa eine Million Euro städtische Hilfe brauche. "Wenn wir das Projekt des CPSV reinnehmen, ist alles andere raus", sagt Schinkitz und warnt vor einer Neiddebatte unter den Vereinen der Stadt. Zugleich betont er aber die Bedeutung des Vorhabens. Es gebe kaum noch moderne und intakte Leichtathletikanlagen in der Stadt. "Wenn man Leichtathletik in der Stadt voranbringen will, dann ist das, was der CPSV vorhat, sinnvoll und notwendig."


Freude über Radsportler, Verärgerung wegen Volleyball-Aus

Eine Bilanz der vergangenen beiden Jahre hat Vereinspräsident Volker Lange bei der Mitgliederversammlung gezogen. Positiv sei, dass der Verein seinen finanziellen Verpflichtungen nachkomme. So wird beispielsweise die vereinseigene Halle an der Forststraße abgezahlt. Zudem sei der CPSV mit 20 Sportarten gut aufgestellt und habe beispielsweise im Radsport mit Joachim Eilers einen Spitzensportler.

Als "äußerst negativ" beschrieb Lange indes die Entwicklung im Volleyball, dem einstigen Aushängeschild des CPSV. Die Drittliga-Mannschaft wurde im Sommer nach internen Querelen aufgelöst. "Dass das Team so zusammengefallen ist, tut mir weh", so der Präsident. Zuletzt hätten auch zwei Nachwuchstrainer den Verein verlassen. Es sei nicht damit zu rechnen, dass bald wieder eine schlagkräftige Frauenmannschaft auf dem Feld steht. "Wir fangen bei null an", so Lange. Der Aderlass im Volleyball habe sich auch auf die Mitgliederzahlen im Verein ausgewirkt, die auf 1250 gesunken sind. (lumm)

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...