Ehemaliger Aufstiegsheld kommt als Gegner in die Hartmannhalle

Im ersten Playoff- Halbfinale empfangen die Basketballer der Niners die Mannschaft aus Hamburg. Die Gäste werden von Mike Taylor trainiert, der Chemnitz einst in die Zweite Liga führte - und jetzt tiefstapelt.

Mitunter wird die Formulierung "Eine Halle platzt aus allen Nähten" überstrapaziert. Doch an jenem Samstagabend vor 17 Jahren traf sie beim Saisonfinale der Chemnitzer Basketballer voll und ganz zu. Die Mannschaft um den US-amerikanischen Trainer Mike Taylor empfing den TSV Nördlingen zur letzten Regionalligapartie 2001/2002. Und die Ausgangslage konnte spannender nicht sein: Der Sieger dieses Duells würde in die 2. Bundesliga aufsteigen.

Zum damaligen Zeitpunkt spielten die Sachsen noch unter der Bezeichnung BV TU Chemnitz. Ihre Heimstätte war die Schloßteichhalle, deren Fassungsvermögen von der Stadtverwaltung mit 600 Sitzplätzen angegeben wird. Dazu kommen noch ein paar Dutzend Stehplätze. An jenem Abend gegen Nördlingen war die Halle jedoch mit 1400 Zuschauern vollgestopft. Die Besucher drängten sich nicht nur auf den Traversen, sondern auch davor, dahinter, daneben und sogar darunter. Am Ende des Spiels brachen schließlich alle Dämme: Das Chemnitzer Team um Kapitän Martin Schuster hatte 107:95 gewonnen und war in Liga zwei aufgestiegen. Mannschaft, Coach und Anhänger feierten ausgelassen, wobei alkoholfreie Getränke eine untergeordnete Rolle spielten.

17 Jahre später ist Mike Taylor wieder in Chemnitz, weil er mit seinen Schützlingen um den Aufstieg kämpft - diesmal in die Erste Liga. Doch wie das Leben manchmal so spielt: Jetzt ist er der Gegner. Am heutigen Samstagabend kommt es in der Hartmannhalle zum ersten Spiel im Playoff-Halbfinale zwischen den Niners Chemnitz und den Hamburg Towers. Wer in den Duellen mit wechselndem Heimrecht zuerst drei Siege eingefahren hat, steigt in die deutsche Eliteklasse auf.

Taylor trainiert seit dieser Saison die Hamburger "Türme" und gesteht vor dem Halbfinale, dass die Niners für ihn kein Kontrahent wie jeder andere sind. "Für mich ist diese Serie etwas ganz Besonderes. Chemnitz war meine erste Station als Profi- trainer, und ich kehre immer wieder gerne zurück, um die vielen Bekannten zu sehen. Sportlich und emotional steht uns ein fantastisches Halbfinale bevor", ist der 46-Jährige überzeugt. Er könne kaum erwarten, dass es losgeht. Bereits im November war Taylor zum Hauptrundenspiel in der Hartmannhalle zu Gast und musste als 79:90-Verlierer heim- fahren. "Mein Traum ist es, dass Hamburg und Chemnitz gemeinsam in die Erste Liga gehen", sagte der Amerikaner damals. Dieser Traum ist geplatzt, weil sich beide Teams nun schon im Halbfinale gegenüberstehen.

In der Hauptrunde entschieden die Niners beide Begegnungen für sich. Taylor nutzt diese psychologische Steilvorlage vor der ersten Halbfinalpartie. "Wir gehen als Underdog ins Spiel", stapelt der Amerikaner tief. Sein Chemnitzer Kollege Rodrigo Pastore sieht das natur- gemäß anders. "Uns erwartet ein knallhartes Duell gegen den stärksten Gegner, den wir hätten bekommen können", sagt der Argentinier, der mit dem Sprung in Liga eins seine bisher vierjährige Arbeit bei den Niners krönen könnte. "Alle sind bis in die Haarspitzen motiviert, nun gemeinsam den letzten Schritt zu machen. Vor allem unsere Fans hätten den Aufstieg verdient", betont Pastore.

Spielbeginn beim ersten Halbfinalduell zwischen den Chemnitz Niners und den Hamburg Towers ist am heutigen Ostersamstag um 19 Uhr in der Richard-Hartmann-Halle. Bis auf wenige Stehplatzkarten ist die Begegnung ausverkauft. Spiel zwei findet am Dienstag in Hamburg statt, die dritte Partie steigt am Freitag, 19.30 Uhr, in der Hartmannhalle.

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