"Ein Trainer kann den Fokus nicht nur auf Ergebnisse legen"

Der Präsident des Handballclubs Chemnitz zum überraschenden Trainerwechsel beim Frauen-Drittligisten

Es war ein Paukenschlag in der Handballszene: Der HVC hat sich in der Winterpause vom erst im Sommer neu verpflichteten Coach Robert Flämmich getrennt. Sein Nachfolger ist Thomas Sandner - der im Sommer nach 13 Jahren zurückgetreten war. Knut Berger hat sich mit Vereinschef Mario Schmidt über die Gründe des Personalwechsels unterhalten.

Freie Presse: Die Mannschaft steht derzeit auf einem Abstiegsplatz. War dies der Grund, die Arbeit mit dem Trainer nicht mehr fortzusetzen?

Mario Schmidt: Das hat eher eine untergeordnete Rolle gespielt, war nicht die eigentliche Ursache. Vielmehr sind bei der Entscheidungsfindung viele kleine Dinge eingeflossen. Aus meiner Sicht kann man als Trainer den Fokus nicht nur auf die Ergebnisse auf dem Parkett legen. Vielmehr muss man auch schauen, was bei den Damen links und rechts der Spielfläche passiert.

Und das heißt konkret?

... dass wir keine Profis sind und die zwischenmenschlichen Dinge nicht aus den Augen verlieren dürfen. Bei aller Konzentration auf die Liga legen wir als Verein auch viel Wert darauf, dass die Mädels mit Lust und Laune zur Sache gehen und die bisher gezeigten Leistungen nicht aus den Augen verloren werden. Ich will damit aber auf keinen Fall sagen, dass Robert Flämmich alles falsch gemacht hat.

Wer hat ihm die Entscheidung mitgeteilt?

Das habe ich in einem persönlichen Gespräch übernommen. Danach haben wir es der Mannschaft mitgeteilt.

Hat die Trennung vom Trainer negative Auswirkungen auf das Budget?

Ich möchte nochmals betonen, dass wir nicht unter Profibedingungen arbeiten. Somit sind unsere Verträge auch so gestaltet, dass wir nach einer vorzeitigen Trennung nicht noch über Monate Geld bezahlen müssen. Unser Budget für die laufende Saison ist zwar gedeckt, dennoch ist es ein Ritt auf der Rasierklinge. Wirtschaftlich sind wir nicht auf Rosen gebettet und freuen uns über jeden neuen Sponsor.

Jetzt haben Sie die Rolle rückwärts gemacht und Thomas Sandner zurückgeholt, der bis Sommer 2018 auf dem Trainerstuhl saß. Wie hat es die Mannschaft aufgenommen?

Insgesamt positiv, auch wenn es die eine oder andere kritische Stimme gab. Einige der Neuzugänge kennen Thomas ja gar nicht und sehen der Sache neutral entgegen.

War Thomas Sandner die einzige Option?

Ich habe in der Situation tatsächlich nur an Thomas gedacht. Der Kontakt zu ihm ist ja nie abgerissen. Zwischen den Feiertagen gab es ein erstes Telefonat und wir haben die Lage analysiert. Da hat er mir zu verstehen geben, dass er mittlerweile wieder bereit für die Aufgabe sei und diese zunächst bis Sommer übernehmen würde. So ist es nun auch gekommen. Thomas ist Trainer durch und durch und hat in seiner Auszeit unter anderem beim EHV Aue hospitiert. Petra Starcek wird weiterhin als Co-Trainerin fungieren.

Schafft der HVC den Klassenerhalt?

Grundsätzlich bin ich der Überzeugung, dass unser aktuelles Team stärker besetzt ist als in der Saison 2017/18. Ich hoffe natürlich, dass wir noch die notwendigen Punkte für den Ligaverbleib sammeln. Dabei kommt der Auswärtspartie am kommenden Samstag beim TSV Birkenau sehr große Bedeutung zu. Gegen eine Mannschaft, die in der Tabelle hinter uns steht, müssen wir gewinnen.

Werden Sie in den kommenden Tagen noch einmal Veränderungen am Kader vornehmen?

Nein, das ist nicht vorgesehen. Wir wollen den Klassenerhalt mit den Spielerinnen packen, die derzeit für uns in der 3. Liga auflaufen.

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