EM-Qualifikation: Chemnitzer Turn-Duo Schäfer und Schäder voller Glücksgefühle

Bei der EM-Qualifikation der deutschen Turnerinnen setzten die Lokalmatadorinnen Pauline Schäfer und Sophie Scheder nach längerer Wettkampfpause besondere Akzente. Dabei gab es vorher noch eine schwierige Phase.

Chemnitz.

Nachdem sie ihren hochkarätigen Auftritt am Stufenbarren mit Bravour gemeistert hatte, winkte Sophie Scheder kurz den begeistert mitgehenden Besuchern zu und ging dann strahlend auf ihre Trainerin Gabi Frehse zu. In inniger Umarmung verharrten sie länger als sonst, vergossen dabei ein paar Freudentränen. "Ich spürte enorm viel Erleichterung, dass alles gut geklappt hat. Es war nach dem harten Weg etwas ganz Besonderes für uns, ein Highlight", meinte die 21-Jährige später, während ihre Betreuerin empfand: "Das war einfach so emotional für mich. Obwohl es im Training vorher weniger gut lief, hat Sophie im Wettkampf diese neue schwere Übung geschafft." An ihrem Paradegerät erhielt Sophie Scheder während der EM-Qualifikation der deutschen Turnerinnen in Chemnitz mit 14,500 Punkten auf Anhieb den Höchstwert der gesamten Veranstaltung. Damit krönte sie ihr Wettkampf-Comeback nach dem Gewinn von Olympiabronze in Rio vor knapp zwei Jahren.

In der Einzelwertung kam sie auf Rang drei (52,500). Zur im Mehrkampf überragenden Akteurin avancierte Pauline Schäfer, ihre Vereins- und Trainingsfährtin beim TuS Altendorf. Sie gewann nach fast fehlefreien Auftritten mit beachtlichen 53,500 Zählern vor Sarah Voss aus Köln (52,850). Einen Glanzpunkt setzte sie dabei erneut am Schwebebalken, an dem sie im Oktober 2017 überraschend WM-Gold erkämpfte. Für ihre fehlerfreie Darbietung, während der sie ihren selbst kreierten "Schäfer" (Seitwärts-Salto mit halber Drehung), den nach wie vor keine andere Turnerin weltweit beherrscht, traumhaft sicher präsentierte, erhielt sie mit 14,0 die Topnote an diesem Gerät.

"Auch wenn der Ausgangswert noch nicht so hoch war, habe ich sauber geturnt. Die Wertung ist besser als bei der WM, bei der ich 13,3 erhielt", freute sich die 21-Jährige, die sich zudem ebenso am Boden an die Spitze setzte. "Insgesamt bin ich mit meinem ersten Wettkampf nach sieben Monaten Pause zufrieden. Es war nicht alles perfekt. Aber ich habe ja auch noch ein paar Wochen Zeit, um zu feilen", zeigte sich Pauline Schäfer mit Blick auf die EM zuversichtlich.

Denn Cheftrainerin Ulla Koch bestätigte unmittelbar nach der Entscheidung, dass die Chemnitzerinnen zum Team für die Titelkämpfe Anfang August in Glasgow gehören. "Beide habe tolle Comebacks gezeigt und Weltklasseübungen angeboten, mit denen sie auf alle Fälle Finalchancen besitzen", wertete sie.

Diese frohe Kunde vernahm natürlich auch Sophie Scheder, die ständig ein Lächeln im Gesicht hatte, gern. Vor allem am Boden und am Balken war regelrecht zu spüren, wieviel Spaß der eleganten Gerätkünstlerin die Rückkehr bereitete. Da verschmerzte sie auch einen unfreiwilligen Abgang am Balken als kleinen Schönheitsfehler. "Ein supertolles Gefühl, wieder mittendrin zu sein. Es ging vor diesem klasse Publikum besser, als ich es erwarten konnte", resümierte die gebürtige Wolfsburgerin, die seit zehn Jahren am Bundesstützpunkt trainiert. Sie erzählte zudem, dass ihre Stimmung zwei Tage vorher indes am Tiefpunkt lag. Sie brach Übungen ab, es gelang plötzlich kaum etwas. "Das Training war eine Katastrophe. Sophie bekam wohl Angst, sich zu blamieren", berichtete Gabi Frehse. Daraufhin nahm ihre Meisterschülerin kurzfristig Kontakt zu Sportpsychologin Grit Reimann, mit der sie schon länger zusammenarbeitet, auf. "Sie beruhigte mich am Telefon, half mit ihren Methoden. Das zahlte sich aus. Auch ist sie dann extra zur Qualifikation gekommen", meinte Sophie Scheder voller Dankbarkeit.

Nachdem auch noch das Einturnen schlecht lief, schien dann in den entscheidenden Situationen die Nervosität wie weggeblasen. "Sophie und auch Pauline haben erneut bewiesen, dass sie Wettkampftypen mit großer Nervenstärke sind. "Es war wunderschön, dass alle Mädels so starke Leistungen zeigten", resümierte Gabi Frehse und verteilte ihr Lob auch an die Juniorinnen. Die Organisationschefin und ihr unermüdliches Helferteam erhielten von den Gästen wiederum nur Komplimente. "Es war erneut eine super ausgerichtete Veranstaltung, auf Chemnitz können wir uns immer verlassen", brachte es Ulla Koch auf den Punkt.

Sieg für Chemnitzer Juniorin

Die 14-jährige Emma Malewski gewann bei den Juniorinnen die Qualifikation. Mit Leonie Papke als Dritte, Jasmin Haase als Fünfte und Theresa Geyer als Achte platzierten sich weitere Turnerinnen, die am Bundesstützpunkt Chemnitz trainieren, stark. Lisa Zimmermann, die zeitgleich in Baku bei der Qualifikation für die Olympischen Jugendspiele turnte, hat ebenso EM-Chancen. Die Entscheidung fällt in den nächsten Tagen. mm)

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