"Es ist nicht entscheidend, wer das Stadion betreibt"

Das neue CFC-Vorstandsmitglied Nico Beltrame über seine Aufgaben und seine Ideen für die Club-Finanzen

Kaum mehr als 7000 Zuschauer bei den Heimspielen, und an mehr als 300 Tagen im Jahr steht das Stadion des Chemnitzer FC leer. Zwei der Probleme, die Nico Beltrame in den kommenden Monaten lösen will, wie er im Gespräch mit Thomas Reibetanz sagte.

Freie Presse: Sie sind das neuste Mitglied im vierköpfigen Vorstand des CFC. Und das, nachdem sie Ende vergangenen Jahres als Aufsichtsrat zurückgetreten sind. Wie passt das zusammen?

Nico Beltrame: Im Zuge der Finanzkrise des Clubs bin nicht nur ich zurückgetreten, sondern die Gremien des CFC haben durch ihren Rücktritt den Weg für einen Neuanfang frei gemacht. Seitdem bin ich aber beratend für den Verein tätig geblieben und wurde jetzt durch den aktuellen Aufsichtsrat angesprochen, ob ich aufgrund meiner Kenntnisse ehrenamtlich im Vorstand mitarbeiten möchte. Dem habe ich zugestimmt.

Welches wird nun Ihr Aufgabengebiet sein?

Unser aller gemeinsame Hauptaufgabe ist die Konsolidierung des Vereins. Dabei gibt es mit den Aufgabenbereichen meiner drei Vorstandskollegen viele Schnittstellen. Denn der Verein kann nur gesunden, wenn es in allen Bereichen aufwärts geht. Meine Spezialisierung in der Vorstandsarbeit wird in den Bereichen Marketing, Vertrieb und der Vermarktung des Stadions liegen.

Also einem der umstrittendsten Felder. Denn das Stadion wurde zuletzt als große Kostenfalle für den Verein bezeichnet. Wo wollen Sie dort ansetzen?

Wir haben derzeit zwei Schwerpunkte in unserer Arbeit. Das ist zum einen die Optimierung der Kosten, zum anderen die Erhöhung der Einnahmen. Dass das Stadion dabei eine entscheidende Rolle spielt, ist klar. Es soll in Zukunft attraktive Spieltagspakete geben, dazu werden aktuell alle an Fremdfirmen vergebenen Aufträge auf den Prüfstand gestellt. Das Facility Management des Stadions wird zum Beispiel gerade neu ausgeschrieben.

Das bedeutet?

Dass der auslaufende Vertrag mit dem derzeitigen Dienstleister nicht verlängert wurde. Wir schauen jetzt nach einem wirtschaftlich passenden Angebot.

Wo kann noch gespart werden?

Wir arbeiten an konkreten Konzepten für den Spieltagsbetrieb. Aktuell kostet so ein Heimspiel etwa 120.000 Euro. Die Sicherheit muss weiterhin an erster Stelle stehen, aber es wäre zum Beispiel denkbar, bei einem nicht ausverkauften Stadion einige Bereiche zu schließen und so Kosten zu sparen.

Noch besser wäre allerdings ein volles Stadion ...

Das ist klar. Mit einer Auslastung wie in der vergangenen Saison können wir nicht zufrieden sein. Um das zu verbessern, muss in erster Linie die Mannschaft guten und erfolgreichen Fußball spielen. Aber auch wir können mehr tun. Der Stadionbesuch soll zu einem Erlebnis werden. Hier sollten wir von anderen Vereinen lernen, aber auch neue, eigene Ideen entwickeln.

An fußballfreien Tagen steht das Stadion leer. Was ist da geplant?

Wir sind für alles offen, denken derzeit in alle Richtungen. Auch Großveranstaltungen sind denkbar, zudem soll der VIP-Bereich noch stärker für Veranstaltungen von Firmen oder Institutionen genutzt werden. Wir arbeiten bei diesen Themen eng mit verschiedenen Agenturen zusammen. Die Zusammenarbeit mit unserem Vermarkter Infront entwickelt sich nach der Neugestaltung der Vertragsbeziehung sehr positiv.

Ihr kaufmännischer Geschäftsführer sprach davon, dass der CFC in ruhigeres Fahrwasser käme, wenn er die Betreibung des Stadions abgibt.

In erster Linie ist nicht entscheidend, wer das Stadion bewirtschaftet, sondern zu welchen Kosten. Gemeinsam mit unseren Partnern sowie der Stadt Chemnitz als Besitzer des Stadions müssen wir Wege finden, die Kosten zu optimieren.

Am kommenden Samstag kommt der FC Bayern München, das Stadion ist ausverkauft. Wie hoch ist der Druck, dass an diesem Tag alles klappen muss?

Die Ausgestaltung eines solchen Fußballfestes ist eine große Herausforderung. Aber auch eine Chance, uns sportlich und infrastrukturell von der besten Seite zu zeigen. Ich bin überzeugt, dass uns das gelingt.


Nico Beltrame

Der 52-Jährige ist gebürtiger Karl-Marx-Städter. Er war als Fußballer aktiv, allerdings nur unterklassig, wie er selbst sagt. Seit 2012 ist er Mitglied beim Chemnitzer FC, kam über das Sponsoring seiner ehemaligen Firma Koki Technik zum Verein. Heute ist er Geschäftsführer der Westfalia Presstechnik, einem Spezialisten für Umformtechnik mit Sitz in Crimmitschau. Beltrame war 2015 und 2016 im Aufsichtsrat des CFC tätig und stand dem Verein zuletzt beratend zur Seite. Er ist verheiratet und kinderlos. Neben Beltrame gehören zum Vorstand: Mathias Hänel, Stefan Bohne und Sportvorstand Steffen Ziffert. (tre/dy)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...