Fans eines verhinderten Nationalspielers

Vor wenigen Monaten hatten sich Anhänger des Chemnitzer FC zu einer besonderen Mission entschlossen. Sie buchten eine Reise nach Guatemala, um Stefano Cincotta bei einem WM-Qualifikationsspiel anzufeuern. Doch dann erlebte der 25-Jährige eine böse Überraschung.

Die Aufregung bei Andrea Goldmann, Stefan und Constanze Dittrich sowie deren Sohnemann Henri ist riesig. Morgen startet die weite Reise nach Guatemala. Mit im Gepäck sind die weiß-himmelblauen Nationalmannschaftstrikots mit der Nummer 18. "Wir sind große Anhänger des CFC und stolz, einen Spieler wie Stefano Cincotta hier zu haben. Ihn einmal mit Guatemala bei der WM-Qualifikation spielen zu sehen, war Ursprung unserer Reiseplanung", berichtet Andrea Goldmann.

Doch "Cicco", so sein Spitzname, erlebte eine böse Überraschung. Er wurde weder für die Partie in Trinidad & Tobago am morgigen Samstag noch für das Spiel am Dienstag gegen St. Vincent vor heimischem Publikum nominiert. "Natürlich bin ich niedergeschlagen und ärgere mich, das zu verpassen. Dank meines Tores gegen die Bermudas sind wir vergangenes Jahr überhaupt erst in die vierte Qualifikationsrunde eingezogen", sagt Cincotta, der seit 2014 beim Chemnitzer FC spielt, und senkt den Kopf.

Andrea Goldmann kann die Nichtnominierung des 25-Jährigen ebenfalls kaum fassen. "Ich hatte mich vor einem Jahr um die Teil- nahme im CFC-Trainingslager beworben und einen Platz in der Fan-Elf gewonnen. Stefano war aber nicht in Österreich dabei, weil er mit der Nationalmannschaft unterwegs war. Jetzt reisen wir nach Guatemala, und Cicco bleibt in Chemnitz", sagt die 42-jährige Fußballanhängerin kopfschüttelnd.

Die Nachricht, dass der Spieler mit der Rückennummer 18 bei den entscheidenden beiden Partien fehlen wird, hatte nicht nur bei seinen himmelblauen Fans, sondern auch im Heimatland für Aufregung gesorgt. Tausende hatten den entsprechenden Beitrag im sozialen Netzwerk Facebook angeklickt. Auch die Medien Guatemalas berichteten. "Ich komme hier beim Chemnitzer FC nicht zum Einsatz und hatte somit keine Chance, mich für die Nationalmannschaft anzubieten. Da ist es verständlich, dass Spieler nominiert werden, die mehr Einsatzzeiten in ihren Teams hatten", erklärt Cincotta, der bereits 14-mal für Guatemala spielte.

Seine reisefreudige Fan-Gruppe tritt dennoch hoch motiviert die rund 10.000 Kilometer weite Tour nach Zentralamerika an. "Natürlich schauen wir uns am Dienstag in Guatemala-City im Estadio Doroteo Guamuch Flores das Spiel gegen St. Vincent an", unterstreicht Constanze Dittrich.

Stefano Cincottas Cousine Carmen sei bereits beauftragt worden, die Tickets zu besorgen. "Ich übernehme die Kosten für die Karten. Das ist eine Selbstverständlichkeit für mich, wenn schon Chemnitzer meine Geburtsstadt besuchen", betont der CFC-Profi und gegenwärtige Bankdrücker. Auch mit wertvollen Reisetipps sparte Cincotta nicht. "Wir sollen unbedingt zum Zentralmarkt, da es dort wohl allerlei leckere Speisen sowie handgefertigte Waren gibt", erzählt Andrea Goldmann und hat sich den "Mercado central" auf der Erlebnisliste notiert. Außerdem wollen die Chemnitzer den Atitlán-See, die alte Hauptstadt Antigua Guatemala sowie die Maya-Stadt Tikal anschauen. "Das Land hat so viel zu bieten, dass wir sicher eine spannende Zeit haben werden, auch wenn Cicco leider nicht dabei ist", ergänzt Stefan Dittrich, der bereits seit Ende der 1990er-Jahre den CFC unterstützt.

Stefano Cincotta, der nun voller Ehrgeiz auf einen Einsatz am Sonntag im Sachsenpokalspiel beim Oberligisten SSV Markranstädt hofft, wird beide Partien seiner Nationalmannschaftskollegen per Livestream verfolgen. "Wir müssen zweimal gewinnen, um weiter- zukommen. Das erste Spiel gegen Trinidad & Tobago ist gleich eine echte Herausforderung", ist er sich bewusst.

Eine Herausforderung wird auch der Sprung zurück aufs Spielfeld beim Chemnitzer FC. 41 Drittligapartien absolvierte Cincotta in den vergangenen beiden Jahren für die Himmelblauen. Bereits in der Vorsaison musste er viele Spiele lang draußen sitzen und auf seine Chance hoffen. "Ich habe wochen- lang geduldig gewartet und wurde belohnt. Auch die jetzige Phase werde ich überstehen und dafür kämpfen, endlich auflaufen zu dürfen", sagt der 25-Jährige. Das letzte Tor für den CFC schoss er übrigens im Frühjahr beim 3:0 gegen Fortuna Köln. Der aktuelle Spitzenreiter ist nächster Auswärtsgegner der Himmelblauen am 10. September.

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