Germania-Elf wächst über sich hinaus

Die Altchemnitzer haben im Fußball-Landespokal dem hohen Favoriten aus Bischofswerda Paroli geboten und erst nach Verlängerung 0:1 verloren. Ein Spieler wird wohl noch lange an eine bestimmte Szene zurückdenken.

Für die Spieler des TSV Germania dürfte der Wochenstart schmerzhaft verlaufen. Sie werden Muskeln spüren, von deren Existenz sie bisher wenig bis gar nichts wussten. Grund dafür ist ihr Spiel im Fußball- Landespokal gegen den Bischofs- werdaer FV am gestrigen Sonntagnachmittag. Im Duell siebente gegen vierte Liga kämpften die Altchemnitzer vor rund 200 Zuschauern bis zum Umfallen - und brachten den hohen Favoriten an den Rand des Ausscheidens. 0:1 nach Verlängerung lautete der Endstand. "Schmerzen habe ich jetzt schon. Meine Waden haben zugemacht", sagte Germania-Spieler Ronny Schweinitz kurz nach dem Schlusspfiff.

Frei nach der Devise "Hinten dicht und vorn hilft vielleicht der liebe Gott" ließen die Gastgeber dem erschreckend ideenlosen Regionalligisten kaum Entfaltungsmöglichkeiten. Germania-Torwart Nico Gellner hatte sich auf einen arbeitsreichen Nachmittag in der heißen Oktobersonne eingerichtet. Stattdessen musste er bis zur 84. Minute warten, bevor er sich das erste Mal auszeichnen konnte. "Hätte mir vorher jemand gesagt, dass wir gegen Bischofswerda die Verlängerung erreichen, hätte ich nur gelacht", bemerkte Gellner auf dem Weg in die Kabine. Ziel seiner Truppe sei es gewesen, "so lange wie möglich mitzuhalten und sich nicht zu blamieren".

Dies gelang den "Germanen" von Trainer Mike Lahl eindrucksvoll. Hier und da konnten die Hausherren auch Nadelstiche setzen. Schon in der 6. Minute hätte es beinahe mit der Führung geklappt, doch Dan Herbig brachte den Ball nicht am Bischofswerdaer Keeper Mika Schneider vorbei. Wer dachte, dass der Regionalligist den drei Klassen tiefer beheimateten Kontrahenten mit zunehmender Spieldauer aus- einandernimmt, sah sich getäuscht. "Wir haben im Training darauf hingearbeitet, dass wir gegenhalten können. Wenn es in der Defensive stimmt, kann man eben auch mit einem höherklassigen Kontrahenten mithalten", erklärte Ronny Schweinitz.

Der 31-Jährige bezeichnete die Partie am Sonntag als Höhepunkt seiner Fußballer-Laufbahn. Und beinahe wäre Schweinitz auch noch zum Pokalhelden geworden. Nachdem Bischofswerda in der 105. Minute in Führung gegangen war, bot sich den Altchemnitzern die Doppel-Großchance zum Ausgleich (110.). Erst fand Dan Herbig erneut im Torhüter seinen Meister, im Anschluss an diese Szene hatte Schweinitz freie Schussbahn. Der Mittelfeldmann schlenzte das Spielgerät jedoch knapp übers Tor. "Ich wollte es technisch lösen und habe die Innenseite genommen. Bestimmt werde ich noch ein paar Mal darüber nachdenken, warum ich den nicht reingemacht habe", sagte Schweinitz, der an einer Grund- schule als Erzieher arbeitet. Obwohl die Germania-Mannschaft über sich hinausgewachsen war und für einen denkwürdigen Fußballnachmittag sorgte, gab es für den Routinier auch Anlass zur Kritik. "Wir brauchen mehr Ruhe am Ball. Zudem fehlt mitunter der Blick für den freien Nebenmann", sagte Schweinitz. Dennoch wird das Team diesen insgesamt sehr gelungenen Pokalauftritt feiern, kündigte der 31-Jährige an. Vielleicht wäre für Germania noch mehr drin gewesen, wenn in der ersten Halbzeit nicht schon zwei Spieler verletzungsbedingt vom Feld gemusst hätten. Bereits in der 15. Minute war für Nico Meitzner Schluss. Kurz vor der Halbzeitpause erwischte es dann Marcel Gehrke, der nach einem Zusammenstoß kaum noch auftreten konnte und von einem Betreuer zur Auswechselbank geführt werden musste.


Vier Aluminiumtreffer - auch Fortuna schrammt knapp an Überraschung vorbei

Die Fußballer des VfB Fortuna sind am Samstag knapp an einer Überraschung im Sachsenpokal vorbeigeschrammt. Der Vertreter der Landesklasse unterlag im Stadion an der Beyerstraße dem Oberligisten FC Eilenburg 3:4 (2:2). Fortuna hatte Pech: Die Gastgeber trafen viermal nur die Torumrandung und beendeten die Partie mit zwei Mann mehr, weil Eilenburger Kicker einmal Rot und dazu noch die Ampelkarte sahen.

Das Fazit des Trainers lautete: "Die Gegentore waren zu einfach. Genug Chancen hatten wir auch. Es ist ärgerlich, weil das Weiterkommen machbar war", sagte Rocco Dittrich. Seine Elf war gut gestartet und lag mit dem ersten Angriff schon 1:0 durch David Groschopp vorn (4.). Eilenburg beeindruckte Fortuna danach mit schnellem Passspiel und drehte die Partie bis zur 12. Minute mit einem Doppelschlag.

Davon zeigte sich der VfB aber unbeeindruckt. Florian Rüger verwandelte einen Handelfmeter (36.). Als Phil Mende nach dem Seitenwechsel aus spitzem Winkel die erneute Führung markierte, lag die Überraschung förmlich in der Luft. Doch der Favorit kam mit seinem zweiten Doppelschlag erneut in die Vorhand. Mit Glück und Geschick verteidigten die Eilenburger in zweifacher Unterzahl den Vorsprung.

Für Handwerk Rabenstein war in der dritten Sachsenpokalrunde Endstation. Die Chemnitzer zogen am Sonntagnachmittag gegen Landesliga-Konkurrent SG Taucha mit 1:2 (1:1) den Kürzeren. Phil Mühlig hatte die Gastgeber nach 34 Minuten in Führung gebracht, doch postwendend fiel der Ausgleichstreffer. Als fast alles auf eine Verlängerung hindeutete, schlugen die Tauchaer in der 89. Minute noch einmal zu.

Auch der BSC Rapid musste am Sonntag im heimischen Stadion in Kappel die Segel streichen. 0:2 (0:1) hieß es am Ende gegen den SSV Markranstädt. Im Duell zweier Landesklassen-Vereine blieb es lange spannend. Erst eine Minute vor ultimo konnten die Gäste mit ihrem zweiten Tor den Pokalsack zubinden.

Mehr Mühe als erwartet hatte Drittligist Chemnitzer FC beim FC Grimma. Es dauerte bis zur 85. Minute, ehe Jan-Pelle Hoppe mit seinem Treffer zum 3:1-Endstand für die Entscheidung sorgte. Weitere Torschützen: Erik Tallig und Daniel Bohl. (jz/ms)

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