"Ich sorge mich um die Zukunft des CFC"

Vereinspräsident Andreas Georgi über seine Rolle beim Regionalligisten und seinen angekündigten Rücktritt, den er noch nicht vollziehen kann

Braucht der Chemnitzer FC durch die aktuelle Insolvenz und die Gründung der GmbH überhaupt einen Vorstand? Ja, sagt Andreas Georgi im Gespräch mit Thomas Reibetanz. Georgi ist seit seiner Kindheit Fan des CFC und hatte sich Anfang 2018 bereit erklärt, den Posten des Vorstandsvorsitzenden zu übernehmen. Wirklich handeln kann er als solcher aber schon lange nicht mehr.

Freie Presse: Der Chemnitzer FC hat sportlich die Meisterschaft in der Regionalliga Nordost geholt und damit den Wiederaufstieg in die Dritte Liga geschafft. Sie als Vereinschef und Fan platzen doch sicherlich vor Stolz.

Andreas Georgi: Natürlich kann und sollte man der Mannschaft Respekt und Anerkennung für die gezeigten sportlichen Leistungen zollen. Sie wurde gut zusammengestellt und hat sich in kürzester Zeit so gefunden, dass diese sportlichen Leistungen möglich waren. Diese kann man aber nicht losgelöst vom Gesamtbild des Vereins betrachten.

Das klingt nicht sehr euphorisch. Können Sie Beispiele dafür nennen, was nicht gut läuft?

Da ist zum einen die Art und Weise, wie der Verein geführt wird. Ich finde es schade und bedenklich, dass die Mitglieder und Fans nicht als Potenzial wahrgenommen und genutzt werden und wie wenig das Engagement ehrenamtlich tätiger Menschen gewürdigt wird. Zum anderen wurden mehrere Ziele aus dem Sanierungskonzept des Insolvenzverwalters vom 24. April 2018 nicht erreicht. Insbesondere wurde ein ausgeglichenes Ergebnis für die Saison 2018/19 offenbar deutlich verfehlt.

Wer ist dafür verantwortlich?

Ich möchte auch weiterhin an meinem Stil festhalten und auf öffentliche pauschale Schuldzuweisungen verzichten. Tatsache ist jedoch, dass die Gremien des Vereins seit dem Insolvenzantrag nur noch sehr eingeschränkt und seit Eröffnung der Insolvenz überhaupt keinen Einfluss mehr auf die Geschäftsführung und sämtliche wirtschaftliche Belange des Vereins und nunmehr der GmbH besitzen. Aber auch darüber hinaus ist es nicht möglich, normal zu arbeiten - unter anderem wird mir bis heute der Zugang zur Geschäftsstelle, den Mitgliederdaten und zu meinem Vereins-Mailpostfach verwehrt. Und Fakt ist leider auch, dass es vonseiten des Insolvenzverwalters keinerlei Gesprächsbereitschaft gibt, was die weiteren Planungen zur Sanierung des gesamten Vereins, seinen Fortbestand und die zukünftige Ausrichtung angeht.

Stattdessen wirft Ihnen Insolvenzverwalter Klaus Siemon vor, die Sanierung zu behindern. Warum ist das so?

Ich weiß es nicht. Ich kann nur vermuten, dass die von mir zu verschiedenen Themen sachlich geäußerten Bedenken der Hintergrund sind. Das ist aber nicht nur mein Recht, sondern auch meine Pflicht als Vereinsvorstand.

Braucht der CFC aktuell einen Vereinsvorstand? Es läuft doch auch ohne ganz gut.

Naja, es könnte tatsächlich auch noch besser laufen. Und ja, auch in der Insolvenz sieht das Gesetz aus guten Gründen den Bestand der Gremien des Vereins vor. Es gibt nicht nur die Profimannschaft. Es gibt auch das Frauenteam und die Nachwuchsmannschaften, deren Spieler und Trainer auch Vereinsmitglieder sind. Deren Betreuung gehört zum insolvenzfreien Bereich und damit zum Aufgabengebiet des Vereinsvorstands. Auch die Einberufung einer Mitgliederversammlung und die Wahrnehmung der Rechte und Pflichten des Vereins als Beteiligter im Insolvenzverfahren obliegt dem Vorstand. Nach dem Rücktritt von Thomas Uhlig aus dem Vorstand sind nur Thomas Sobotzik und ich übrig - damit sind wir beschlussunfähig. Auch einen beschlussfähigen Aufsichtsrat, der neue Vorstandsmitglieder bestellen könnte, gibt es nicht mehr. Deshalb habe ich beim Amtsgericht die Bildung eines Notvorstandes beantragt. Die Entscheidung darüber steht noch aus.

Sie haben angekündigt, zur Mitgliederversammlung zurückzutreten. Bleibt es dabei?

Ja, spätestens. Denn eine Zusammenarbeit oder wenigstens Verständigung, die ich mehrfach angeregt und angeboten habe, ist nicht möglich. Ich will mich aber nicht vom Verein abwenden, sondern auch verhindern, dass ich weiter als Projektionsfläche für Probleme missbraucht werde, die ich nicht zu vertreten habe. Allerdings lege ich mein Amt erst nieder, wenn sichergestellt ist, dass der Verein im insolvenzfreien Bereich und als Beteiligter im Insolvenzverfahren weiterhin vertreten werden kann.

Wann findet die Mitgliederversammlung statt?

Wenn es nach mir geht, so schnell wie möglich. Wir brauchen sie dringend, um die Mitglieder auf dem weiteren Weg des CFC mitnehmen zu können. Es ist traurig, dass Herr Siemon sagt, er wolle die Versammlung nur finanzieren, wenn dort alle "an einem Strang" ziehen. Man kann nicht nur überall im Stadion Plakate mit dem Schriftzug "Demokratie" aufhängen - man muss das auch praktizieren. Und dazu gehört, andere Meinungen zu akzeptieren.

Und was genau ist Ihre aktuelle Meinung über den CFC?

Ich sorge mich um die Zukunft dieses Vereins, der mir so am Herzen liegt. Ich hoffe sehr, dass der Aufstieg nicht nur eine schöne Hülle ist, die jetzt zusammenbricht. Denn ob wir die Lizenz für die 3. Liga bekommen, ob die Finanzen stimmen, welche Sponsoren noch zum Verein halten - all das weiß ich nicht, weil ich keinen Einblick haben darf. Diese Ängste erlebe ich auch auf der Tribüne. Einerseits freuen sich die Fans über den Aufstieg. Andererseits wissen sie nicht, ob es weitergeht, weil sie nicht mitgenommen werden.

Apropos Tribüne. Wie haben Sie die Trauerminute für den verstorbenen Ex-Neonazi erlebt?

Gar nicht. Ich war in Asien und hatte damit nichts zu tun. Dass ich hinterher von Herrn Siemon öffentlich zu einer Stellungnahme aufgefordert wurde, ist ein weiteres Puzzleteil in diesem traurigen Spiel. Die Durchführung der Spieltage obliegt allein der GmbH - und dort sind andere Leute in der Verantwortung.


Andreas Georgi

Der 51-jährige Rechtsanwalt gehört seit vielen Jahren zum Fanszene-Verein des CFC. Er hat im Februar 2018 auf Bitten des Aufsichtsrates das damals vakante Amt des Vereinsvorsitzenden übernommen. Gemeinsam mit seinen damaligen Vorstandskollegen Steffen Ziffert und Thomas Uhlig entschied er im April 2018, dass der Verein Insolvenz anmelden muss. (tre)

Bewertung des Artikels: Ø 3.2 Sterne bei 10 Bewertungen
10Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    14
    franzudo2013
    11.05.2019

    Da liegt der Hase im Pfeffer. Die Neubuerger bekommen bei schwersten Verbrechen Bewährung. Die Eingeborenen sind von Haus aus böse und müssen für immer in Verdammnis leben. Wenn dann die Kinder noch Zöpfe haben, o Gott, dann ist der Leibhaftig unter uns.

  • 4
    11
    Lesemuffel
    11.05.2019

    Wenn ich nicht mehr weiter weiß, mir die Argumente ausgehen, verleumde ich den Mitdiskutanten mit "Ideologie", nicht wahr, hhcl? Schade, dass ist ein allgemeines Problem im Land. Einige können einfach nicht diskutieren, stets gleich den mit anderer Meinung in die "beliebte" Ecke stellen, brandmarken.

  • 13
    6
    HHCL
    11.05.2019

    @Lesemuffel: Doch Blick nach vorne. Aber mit gelösten Problemen und nicht mit dem alten Dreck immer wieder unterm Teppich.

    Es geht auch nicht um den Toten, den übrigens Sie ins Spiel gebracht haben - wohl um bei Gegenwind gleich wieder auf die Tränendrüse drücken zu können - sondern um die unerträglichen Zustände beim CFC, die gelöst werden müssen.

    Vielleicht reden wir auch mal über die Toten, die die Ideologie zu verantworten hat, der Sie zu huldigen scheinen.

  • 6
    14
    Lesemuffel
    11.05.2019

    Da habe ich doch mit meiner Einschätzung ins Schwarze getroffen. Hhcl bestätigt genau die Lage. Immer wieder die Wunden aufreissen, kein Blick nach vorn, Stadt und Verein schlechter machen als sie sind. Nicht mal Tote lassen solche Menschen ruhen.

  • 19
    7
    HHCL
    11.05.2019

    Nein, Lesemuffel, da darf es nicht "mal wieder gut sein", denn am Grundproblem hat sich nichts geändert. Der CFC hat nach wie vor ein massives Problem mit rechtsradikalen "Fans" und dagegen auch noch nicht sonderlich viel unternommen. Ihren Wunsch das alles unter den Teppich zu kehren, kann ich nachvollziehen - Ihnen gefällt es ja offensichtlich so wie es ist - nur ist der CFC der Fußballverein aller Chemnitzer und diese teilen mehrheitlich das dort von zu vielen gepflegte braune Weltbild nicht. Ich wüsste also nicht, warum hier eine Minderheit bestimmen sollte, dass man das jetzt so zu akzeptieren habe.

    Ich frage mich auch wer sich da wo rehabilitiert haben soll. Der betrauerte war übrigens auch nicht zum Neonazi "erklärt worden" sondern sehr eindeutig rechtsradikal.

  • 14
    1
    Pixelghost
    11.05.2019

    „Ich finde es schade und bedenklich, dass die Mitglieder und Fans nicht als Potenzial wahrgenommen und genutzt werden und wie wenig das Engagement ehrenamtlich tätiger Menschen gewürdigt wird.„

    Genau das habe ich, im Zusammenhang mit dem Stadionbau, am eigenen Leibe spüren dürfen. Ideen zur Vermarktung? Marketing mit Pfiff?
    Beispiel:
    Das „Zweite zu Hause“. Man konnte, durch die Zahlung eines Entgeltes, im virtuellen Stadion Sitzplätze mieten. Es war aber nicht möglich, für die gemieteten Sitzplätze auch die entsprechenden Spieltickets zu erwerben. Das war nicht vorgesehen. Als ich das im Marketing monierte guckte man mich verständnislos an. Man sei neu und mit dieser Materie nicht vertraut.

    Es wurde nichtmal vom Bürotisch hochgesehen. Wer ist denn der, der da was sagt? Gehört nicht zur Gilde dazu - als geh wieder!

    Na Teufel noch eins: Da ist doch für einen Fan das Naheliegenste. Wenn man schon Geld für die Sitzplatzmiete raushaut, dann sollte man für diese Plätze auch die Karten kaufen können - mal abgesehen davon wie das preislich dann geregelt ist. Aber nein, das bekam man nicht hin. Aber - damals - von der 2. Liga schwafeln.

    Im Zusammenhang mit einem soeben ausgestrahlten Bericht über den HSV fiel ein interessantes Wort:

    Unnahbarkeit.

    Und genau das ist es. Der Verein ist ein „Gebiet“, dass doch bitte nur von ganz bestimmten „Persönlichkeiten“ betreten werden soll. Man möchte doch bitte unter sich bleiben. Und damit meine ich nicht die Spieler!

    Würde auch nur Mühe machen, die Ideen und Meinungen anderer anzuhören und vielleicht auch mal aufzugreifen.
    Aber das mit der Mühe hatte ich heute schon mal.

  • 15
    2
    guenni07545
    11.05.2019

    Alles schön und gut, nur wird der IV sicher seine Gründe haben, warum er Herrn Georgi Außen vor lässt. Wenn man die letzten Monate verfolgt hat, scheinen da recht unterschiedliche Ziele verfolgt zu werden. Das belegt auch, dass sich Georgi mit EINS zusammen getan hat und vor dem Insolvenzgericht gegen die Ausgliederung gestimmt hat. Ohne Ausgliederung, mit einem langsamen und schwierigen Gesunden des Vereins würde man minimal 5, vielleicht auch 10 Jahre in den unteren Ligen spielen. Das ist aber nicht der Auftrag und Antrieb des Insolvenzverwalters.
    Die Verwurzelung von Herrn Georgi in der Fanszene führt auch dazu, dass sich ein Großteil der Mitglieder immer öfter gegen den IV stellen und mit "Siemon-Raus-Rufen" dem Ganzen so gar keinen Gefallen tun. In einschlägigen Netzwerken wird dem IV einiges vorgeworfen. Er lüge, überschreite seine Kompetenzen, beschimpfe Sponsoren und vergraule einige usw. Da stellt sich die Frage: woher nehmen diese Leute ihr angebliches Insiderwissen? Und wer nicht gegen Siemon ist, der ist blöde, blind, hat keine Ahnung und versteht nichts. So werden die Gräben jedenfalls nie zugeschüttet!

  • 7
    20
    Lesemuffel
    11.05.2019

    Nun, malm, es haben sich doch inzwischen Hinz und Kunz zu "den Ereignissen vom 9.3.19" geäußert. Viele haben sich bereits "rehabilitiert". Es darf auch mal wieder gut sein. Warum sind bestimmte Leute in dieser Stadt einfach nicht in der Lage, mal nach vorn zu schauen, den alten Mief hinter sich zu lassen? Man wird doch wohl demnächst keine Trauerfeier für einen zum Neonazi erklärten verstorbenen CFC - Fan durchführren wollen.

  • 19
    4
    698236
    11.05.2019

    Herr Georgi kommt mir hier ein bischen scheinheilig daher. Rechtliche Aspekte einer Insolvenz werden von ihm nur halbwahr dargestellt. Immerhin war er bei der Insolvenzanmeldung dabei. Ihm musste ab diesem Zeitpunkt klar sein, dass er nicht mehr die erste Geige spielen kann.

  • 31
    6
    malm
    11.05.2019

    Als Vorstandsvorsitzender sollte sich Herr Georgi auch ganz unabhängig von seiner eigenen Verantwortung zur Aktion am 9.3. äußern und nicht nur auf andere verweisen. Schade, dass er das bis heute nicht geschafft hat...



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