Lauf-Kultour vor Jubiläum finanziell am Boden

In knapp zwei Wochen soll die 10. Deutschland-Umrundung durch eine TU-Studentenstaffel starten. In der Kasse des ausrichtenden Vereins klafft ein großes Loch, das den Vorstand möglicherweise zu harten Konsequenzen zwingt.

Diese Chance wollten sie nutzen. Als die Organisatoren des Chemnitzer Vereins Lauf-Kultour die 10. Deutschland-Umrundung durch eine Studentenstaffel vorbereiteten, flatterte eine Nachricht der Technischen Universität auf den Tisch. "Uns wurde mitgeteilt, dass wir unseren Zieleinlauf nach Dresden verlegen können. Dazu müssten wir dort am 1. Oktober ankommen. Wir sollten in die Eröffnung der Feiern zur deutschen Wiedervereinigung eingebunden werden", berichtet Steffen Kehrer, 2. Vorsitzender des Vereins Lauf-Kultour.

Die diesjährige Tour sei für die Zeit vom 2. bis zum 18. September geplant gewesen. "Wir haben uns dazu entschlossen, den Termin zu verlegen. Wann bekommt man schon mal die Gelegenheit, sich in solch einem Rahmen zu präsentieren", sagt Kehrer. Man sei sich bewusst gewesen, dass man ein Risiko eingeht. "Eine offizielle Bestätigung von der Staatskanzlei in Dresden hatten wir noch nicht erhalten", so der Vize-Vereinschef. Vor gut zwei Wochen sei die Absage gekommen: "Uns wurde mitgeteilt, dass wir kein Programmpunkt bei der Einheits- feier sein werden. Rückfragen bei der Staatskanzlei blieben zunächst unbeantwortet", sagt Kehrer. Die "Freie Presse" erhielt gestern Abend eine Antwort von Ralph Schreiber, Referatsleiter Presse der Staatskanzlei. "Unsererseits hat es keine Absage einer Beteiligung am Tag der Deutschen Einheit an die Lauf-Kultour gegeben - nur bei der finanziellen Unterstützung", erklärte Schreiber. Die Studentenstaffel erhalte die Möglichkeit, sich zum Fest im Zusammenwirken mit einer Gesundheitskasse zu präsentieren.

Die Verlegung der Deutschland-Umrundung hat die Lauf-Kultouristen unterdessen in eine finanzielle Misere gestürzt. Es stehe ein Minus im fünfstelligen Bereich zu Buche, sagt Kehrer. Ursache dafür sei zum einen, dass die für den ursprünglich geplanten Zeitraum vorgenommene Buchung der Wohnmobile storniert werden musste. "Dies geschah kurzfristig und war deshalb richtig teuer", ergänzt Lauf-Kultour-Vorsitzender Eric Pertermann. Danach habe man neue Wohnmobile mieten müssen, die ebenfalls kost- spieliger waren als bei einer frühen Buchung. "Hinzu kommt, dass wir in diesem Jahr weder von der Stadt noch vom Land Zuschüsse für unser Projekt erhalten", so Pertermann.

Wie die Pressestelle des Rathauses auf Anfrage mitteilt, habe die Stadt die Lauf-Kultour in den Vorjahren im Rahmen des Stadtmarketings unterstützt. "Da das Projekt diesmal jedoch Teil der Feierlichkeiten des Freistaates Anfang Oktober sein soll und deshalb unseres Wissens der Extra-Stopp in Dresden samt der zusätzlichen Kosten zu Stande kam, sollte man in diesem Sonderfall auch den Freistaat Sachsen um Hilfe bitten", heißt es aus der Stadtverwaltung.

Das Problem der Lauf-Kultour: Sie wird nicht aus Dresden unterstützt und droht auf den Zusatz- kosten sitzen zu bleiben. "Wir haben Spendenaufrufe gestartet. Eine Absage der diesjährigen Tour, die am 15. September beginnen soll, liegt noch im Bereich des Möglichen", sagt Vereins-Chef Pertermann. Schnelle Hilfe für die Lauf-Kultour, die bei ihrem Staffellauf rund um Deutschland stets Geld für soziale Zwecke gesammelt hat, verspricht die Universität. "Die TU plant, Werbe-Aktivitäten der Lauf-Kultour mit 2500 Euro zu finanzieren", kündigt Uni-Sprecher Mario Steinebach an. Zudem wolle der Freundeskreis der TU 500 Euro für das Projekt locker machen. In Zusammenarbeit mit einem Riesaer Unternehmen werde man der Studentenstaffel darüber hinaus 100 Kilogramm Nudeln kostenlos zur Verfügung stellen.

Auch wenn die Finanzlücke noch verkleinert werden kann: Der Vorstand der Lauf-Kultour lässt durchblicken, dass die zehnte Auf- lage der längsten Staffel Deutschlands - wenn nicht sogar der Welt - die letzte sein wird.

Informationen zum längsten Staffellauf Deutschlands sind außerdem unter www.lauf-kultour.de erhältlich.


Kommentar: EineSchande

Vor der zehnten Auflage der Deutschland-Umrundung müsste man die Chemnitzer Lauf-Kultour eigentlich hochleben lassen und mit Komplimenten überhäufen. Mit seinem spektakulären 4000-Kilometer-Staffellauf rund um Deutschland hat der Verein in den vergangenen Jahren nicht nur einen besonderen Beitrag zum Stadtmarketing geleistet, sondern auch noch Gelder für gute Zwecke gesammelt - zuletzt für die Aktion "Benni & Co", die muskelkranke Kinder unterstützt. Was die jungen Leute in Tausenden Stunden organisatorischer Kleinarbeit immer wieder auf die Beine gestellt haben, verdient höchsten Respekt und bestmögliche Unterstützung. Stattdessen werden die Lauf-Kultouristen ausgerechnet zum Jubiläum eiskalt abserviert und mit ihren Kosten weitestgehend allein gelassen. Sicher war es ein Risiko, die dies- jährige Tour wegen der Chance auf eine große Bühne in Dresden kurzfristig zu verlegen. Dass der Verein jedoch null Zuschüsse von Kommune und Freistaat erhält, ist eine Schande und zeigt wieder einmal, wie wenig ehrenamtliches Engagement in dieser Gesellschaft geschätzt und gewürdigt wird.

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