Müller macht's möglich

Insolvenz, Abstieg, Neuaufbau, Wiederaufstieg. Eine turbulentes Jahr krönt Viertliga-Meister Chemnitzer FC mit dem Triumph im Sachsenpokal. Bei Finalverlierer FSV Zwickau herrscht hingegen große Enttäuschung.

Chemnitz.

Sechs Minuten vor Schluss fasste sich Tobias Müller einfach mal ein Herz: Bedient von Paul Milde, zog der 25-jährige Mittelfeldspieler in Reihen des CFC einfach mal ab. Der Ball wurde noch leicht abgefälscht, dann war er drin. Es war das zweite Tor von Tobias Müller am Samstag vor 11.638 Zuschauern im Stadion an der Gellertstraße. Es war das Tor, das die Himmelblauen zum Sieger im Sachsenpokalfinale gegen den FSV Zwickau machte. "Ich habe die Chance zum Schuss gesehen. Das hatte in dieser Saison schon zwei-, dreimal geklappt. Jetzt sind wir einfach überglücklich", strahlte der Matchwinner später auf dem Weg zur Kabine.

Erst seit Donnerstag war wirklich klar, dass Müller im Pokalfinale überhaupt mitspielen konnte. In der vergangenen Woche hatte er wegen einer Fußverletzung pausieren müssen, erst seit Mittwoch wieder trainiert. Gut, dass Trainer David Bergner den Blondschopf, der im Sommer 2018 von Viktoria Köln zum CFC gekommen war, das Vertrauen gegeben hatte. Schon das 1:0 kurz vor dem Halbzeitpfiff war klasse. Da hatten die Himmelblauen den zwar körperlich sehr präsenten, aber spielerisch schwachen Kontrahenten mit einem Konter überrumpelt, Karsanidis Müller bedient, der mit einem Schlenzer ins lange rechte Eck FSV-Keeper Brinkies überwunden.

Und sogar ein drittes Müller-Tor war drin. Nach einem Zuckerpass von Itter war der gebürtige Oberlausitzer schon in der 39. Minute frei vor Brinkies aufgetaucht, da hatte der Torwart noch die Oberhand behalten. Wie später auch gegen den immens fleißigen Frahn und Garcia. Der - ganz anders als in der Regionalliga - abwartende, vor allem auf die Verteidigung des eigenen Kastens bedachte Gastgeber überließ den Zwickauern die größeren Spielanteile, ließ aber kaum eine Chance zu. Und der CFC konterte schnell und gefährlich, verpasste es aber mehrfach, den Sack zuzubinden.

So blieb das Spiel aus himmelblauer Sicht unnötig lange offen. Die Erlösung brachte erst das 2:0. "Wir haben alles reingehauen, waren konzentriert und diszipliniert", nannte Tobias Müller die Ursachen für den letztlich überzeugenden Sieg. "Das ist Lohn für das, was wir uns in der gesamten Saison erarbeitet haben." Von den Kollegen ausgiebig mit Bier geduscht, verriet Müller dann noch, worauf er sich nach der Mannschaftsfete auf Mallorca und dem nur bis 12. Juni dauernden kurzen Urlaub besonders freut: auf viele solche Spiele wie am Samstag in der 3. Liga, in der die Saison 2019/20 schon am 19. Juli beginnt. "Da sind viele große Namen vertreten. Wir werden öfter vor so einer fantastischen Kulisse spielen. Da hat man als Fußballer richtig Lust drauf."

Ob es damit wirklich etwas wird, ist noch offen. Bis Dienstag hat der CFC Zeit, um vom DFB nach Überprüfung der Lizenzierungsunterlagen geforderte Nachbesserungen vorzunehmen bzw. Nachweise zu erbringen. Danach heißt es: Warten auf das Urteil. Dass er das mit gewisser Anspannung tut, bestätigte am Samstag Thomas Sobotzik. Der Geschäftsführer der Spielbetriebs-GmbH ist neben Trainer David Bergner der für die sportliche Wiederauferstehung des CFC in den letzten zwölf Monaten maßgebliche Mann. "Nie zuvor ist einem Verein, der im Insolvenzverfahren steckt, der Aufstieg gelungen", freute sich Sobotzik, betonte aber zugleich: "Noch ein Jahr mit so vielen Nebenkriegsschauplätzen können wir uns nicht leisten. Wir brauchen jetzt Zusammenhalt - zwischen Mannschaft, Fans, Verein und Stadt."

Sicher sind dem Club gut 100.000 Euro Antrittsgeld für die erste Runde im nächsten DFB-Pokalwettbewerb im August. Am 15. Juni wird der Gegner des CFC aus dem Lostopf gezogen. Wie der dann heißt, ist Tobias Müller egal. Was er aber weiß: "Es wird wieder ein Fest."

Stimmen aus dem Lager der Sieger 

CFC-Kapitän Dennis Grote: "Das war ein wirklich perfekter Abschluss meiner Zeit beim CFC, schöner hätte dieser Tag kaum sein können. Wir haben leidenschaftlich verteidigt, hochverdient gewonnen. Für mich waren die vergangenen drei Jahre wie eine Achterbahnfahrt, es ging ständig rauf und wieder runter. Ich bin froh, dass ich dabei gewesen bin, es hat sich gelohnt. Dieses Ende ist die Krönung."

CFC-Trainer David Bergner: "Wir hatten die bessere Spielanlage, die klareren Chancen, mit den Zuschauern im Rücken letztlich auch den größeren Willen, dieses Spiel zu gewinnen. Im Abschlusstraining am Freitag waren meine Spieler sehr angespannt, viel mehr als vor den letzten Ligaspielen. Das hat den Blick noch einmal geschärft. Wir gehen jetzt mit dem Gefühl in die Ferien, wirklich etwas geschafft zu haben. So richtig begreifen werden wir das erst in vier, fünf Tagen. Auch ich schalte jetzt mal ein paar Tage ab und mache mein Telefon aus."

CFC-Geschäftsführer Thomas Sobotzik: "Es freut mich, dass die Mannschaft im Pokalfinale das beste Spiel der ganzen Saison abgeliefert hat. Die Jungs haben konsequent verteidigt, hatten den Gegner komplett im Griff - dafür ein großes Kompliment. Die Stimmung im Stadion war ein Vorgeschmack auf das kommende Jahr in einer attraktiven Dritten Liga. Was die Erteilung der Spielberechtigung betrifft, haben wir unsere Hausaufgaben gemacht. Jetzt warten wir angespannt auf unsere Note."

Ex-DFB-Kapitän Michael Ballack: "Es war ein verdienter Sieg des CFC. Die Chemnitzer haben das super und souverän gemacht. Sie waren von der ersten Minute an gut im Spiel. Ich hoffe, dass es für den Club in der kommenden Saison so erfolgreich weitergeht." (ts/dpa)

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