Nach Rücktritt: Ex-Weltklasseboxer wieder im Ring

Der WM-Dritte von 2009, Ronny Beblik, führt die Chemnitzer als Kapitän in die Zweitligasaison. Grund dafür ist auch eine überraschende Wendung in seinem Berufsleben.

An diese Weltmeisterschaft wird er bis an sein Lebensende zurück- denken: Es waren die Titelkämpfe von 2009 in Mailand, bei denen der Chemnitzer Boxer Ronny Beblik die Bronzemedaille gewann - der größte Triumph des Fliegengewichtlers. 15 Jahre lang war Beblik als Leistungssportler im Ring aktiv. Eine lange Zeit, deren Ende er im September 2017 verkündete. Damals gab der Faustkämpfer bekannt, dass er seine Karriere ausklingen lässt, um beruflich voranzukommen. "Ich habe mein Trainingspensum schon heruntergeschraubt", sagte Beblik, der bei der Bundeswehr beschäftigt war und dessen dortiger Vertrag im Sommer 2018 auslaufen sollte.

14 Monate später bestätigt der inzwischen 32-jährige Familien- vater auf Anfrage, dass er die Chemnitzer Wölfe als Staffelkapitän in die Zweitligasaison 2018/19 führen wird. "Auch zum Auftakt beim Boxteam Hessen am Samstag bin ich mit dabei", kündigt Beblik an. Sein Comeback vor heimischem Publikum will er zwei Wochen später geben, wenn die Truppe von Trainer Olaf Leib im Sportcenter am Stadtpark Bremerhaven empfängt.

Als Rücktritt vom Rücktritt will der Chemnitzer seinen Einsatz für die Wölfe nicht unbedingt bezeichnen. "Ich habe mir hinsichtlich der Ligasaison immer ein bisschen offengehalten, ob ich noch mal boxe. Wenn Not am Mann ist, wollte ich mich für den Verein grademachen. Schließlich habe ich dem Boxclub viel zu verdanken", unterstreicht Beblik. Dass er sich nun sogar volle Pulle in die Zweitligasaison einbringen will, liegt auch an einer überraschenden Wendung in seinem Berufsleben: Entgegen ursprünglichen Planungen ist der Faustkämpfer weiter bei der Bundeswehr beschäftigt, nachdem Bewerbungen bei der Polizei, der Justiz und der Feuerwehr nicht den gewünschten Erfolg gebracht hätten. "Bei der Bundeswehr bin ich jetzt an einem Pilotprojekt zur Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit von Soldaten beteiligt. Geplant ist, dass ich ab Dezember oder Januar hauptamtlich als Trainer arbeite", berichtet Beblik. Bis Ende dieses Monats absolviere er noch einen Lehrgang, um sich auf den neuen Job vorzubereiten.

Die künftige Aufgabe lasse genügend Freiraum, um selbst zu trainieren. "Für die 2. Bundesliga ist das ausreichend. Ich bringe ja auch viel Routine mit." So attraktiv der neue Bundeswehr-Job für ihn als Sportler auch ist: Vorerst muss er dafür in einen sauren Apfel beißen. "Hier in der Region wird es vorerst keinen Stützpunkt für das Soldatentraining geben. Ich werde in Munster in der Lüneburger Heide eingesetzt", erklärt der Chemnitzer. Auch das hindere ihn nicht, für die Wölfe in den Ring zu klettern. "Freitags nach Dienstschluss werde ich mich ins Auto setzen und nach Hause fahren", sagt Beblik, der in seiner langen Laufbahn annähernd 200 Kämpfe bestritt, von denen er rund 160 gewann. Sein größter Traum blieb jedoch unerfüllt: die Teilnahme an Olympia. Der Chemnitzer wird es dem Deutschen Boxsport-Verband in dem Zusammenhang nie verzeihen, dass er vor den Spielen 2016 in Rio de Janeiro keine Chance erhielt, sich für das Top-Ereignis zu qualifizieren.

In der bevorstehenden Zweitligasaison der Wölfe steht laut Beblik nicht die Platzierung des Teams an erster Stelle. "Wichtig ist, dass wir Nachwuchskämpfer aus den eigenen Reihen einsetzen und weiterentwickeln, anstatt Sportler von außerhalb einzukaufen", betont der ehemalige Weltklasseboxer.

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