Niners quälen sich gegen Aufsteiger zu Heimsieg

Der Basketball-Zweitligist hatte beim 86:81-Erfolg über Schwenningen viel mehr Mühe als erwartet. Ein Neuzugang erklärte danach, warum man sich ums Team dennoch keine Sorgen machen muss.

Die Ansage vor dem Heimspiel am Mittwochabend in der Chemnitzer Messe war eindeutig: "Wir wollen eine Reaktion der Mannschaft sehen, insbesondere im Defensivverhalten. Heute werden die Spieler anders auftreten", betonte Steffen Herhold, Geschäftsführer von Basketball-Zweitligist Niners Chemnitz. Auch er sei enttäuscht von der Leistung in der vorangegangenen Partie in Trier gewesen, die 92:97 verloren ging.

Jetzt hieß der Gegner Panthers Schwenningen, ein Aufsteiger. "Es wird eine Zweiteilung in der Pro-A-Liga geben - mit acht starken und acht schwächeren Teams", prognostizierte Herhold. Schwenningen zählt er zur unteren Hälfte. "Aber gerade gegen solche Mannschaften ist viel Mentalität gefragt. Diese Kontrahenten sehen Chemnitz als klaren Favoriten, gegen den sie nichts zu verlieren haben", erklärte der Niners-Geschäftsführer.

Wenige Minuten später wurde seine These eindrucksvoller bestätigt, als ihm lieb sein konnte. Während die Gäste vor 2400 Zuschauern befreit aufspielten und von Anfang an in Führung lagen, lief beim Aufstiegsmitfavoriten nicht viel zusammen. Löcher in der Verteidigung und Konzentrationsschwächen prägten das Spiel der Niners. Selbst nach dem ersten Ausgleich durch Neuzugang Niklas Wimberg zum 28:28 im zweiten Viertel und der 42:41-Halbzeitführung zog keine Sicherheit ein. Als der Aufsteiger Mitte des dritten Spielabschnitts auf 60:51 davonzog, wurde es vorübergehend still in der Arena. Doch jetzt zeigten die Niners wenigstens die vom Geschäftsführer geforderte Mentalität. Mit einem starken Schlussspurt und der individuellen Klasse des US-Amerikaners Chris Carter - er versenkte unter anderem fünf Dreier - konnte das Blatt noch zum 86:81-Sieg gewendet werden.

Grund zu überschwänglichem Jubel gab es deswegen nicht. Selbstkritik war angesagt, so auch bei Niklas Wimberg. "Defensiv müssen wir auf ein ganz anderes Level kommen, sowohl was die Intensität als auch die Kommunikation angeht", sagte der 23-Jährige, der aus Oldenburg stammt und bereits 105 Erstliga-Einsätze auf dem Buckel hat. Schwenningen bezeichnete er als unangenehmen Gegner, "der in der ersten Hälfte alles getroffen hat". Wimberg warb um Verständnis für die mäßigen Leistungen der Chemnitzer Korbjäger. "Wir sind noch in der Findungsphase. Es gibt neue Gesichter im Team und damit auch neue Rollenverteilungen", erklärte der 2,06 Meter große Profi. Sorgen um die Mannschaft müsse sich keiner machen, fügte Wimberg hinzu. "Wir haben in bisher vier Spielen drei Siege geholt. Wenn wir den Rest gewinnen, ist alles in Ordnung", meinte er augenzwinkernd.

Sein Einsatz am Mittwochabend hatte lange auf der Kippe gestanden. Zuvor in Trier war Wimberg wegen einer Bänderdehnung im rechten Sprunggelenk noch ausgefallen. "Am Montag habe ich ein individuelles Training mit Sprints absolviert, um das Gelenk zu testen. Als ich am Dienstag dann problemfrei mit der Mannschaft trainieren konnte, war klar, dass ich gegen Schwenningen dabei bin", berichtete der Flügelspieler.

Nach seiner Verpflichtung durch die Niners hatte er betont: "Wir wollen das beste Team der Zweiten Liga werden und in Liga eins aufsteigen." Diese Aussage ist ganz im Sinne von Geschäftsführer Herhold. Dessen Vision geht bereits weit über den Erstliga-Aufstieg hinaus. "Unser Thema lautet Stabilität und Nachhaltigkeit. Durch den Umzug in die Messe können wir immer weiter wachsen", sagte Herhold. Man habe das Potenzial, sich künftig in der höchsten Spielklasse zu etablieren und nicht zur Fahrstuhlmannschaft zwischen Liga eins und zwei zu werden. Das Sponsoreninteresse werde immer größer. "Mittlerweile haben wir 128 Förderer", so Herhold.


Kommentar: Viel Luft nach oben

Ein Etat von mehr als zwei Millionen Euro, weitere personelle Verstärkungen und der Umzug in die Messe: Die Niners haben die Voraussetzungen für den Sprung in Liga eins geschaffen. Jetzt muss die sportliche Umsetzung folgen. In dieser Hinsicht haben die Schützlinge von Cheftrainer Pastore derzeit noch viel Luft nach oben. Mit Auftritten wie in Trier und gegen Schwenningen wird das Team seinem Anspruch, eine Spitzenmannschaft der Pro-A-Liga zu sein, nicht gerecht. Sollte das Aufstiegsziel diesmal wieder verfehlt werden, müsste man die Frage stellen, was für Investitionen und welcher Kader noch notwendig sind, damit Chemnitz endlich in der 1. Basketball- Bundesliga spielen kann. Doch zum Glück ist die Saison noch lang.

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