Niners setzen dickes Ausrufezeichen

Der Basketball-Zweitligist hat zum Saisonstart vor annähernd 3500 Fans in der Messe den Aufstiegsmitfavoriten Heidelberg deutlich bezwungen. Ein Chemnitzer Neuzugang feierte den Sieg auf seine Weise.

Während der letzten Spielminute wurde die Chemnitz-Arena end- gültig zum Partytempel. "Oh, wie ist das schön", klang es aus den Kehlen von fast 3500 Basketballfans, die zum Saisonauftakt in der 2. Bundesliga einen 78:65 (44:32)-Sieg ihrer Niners gegen die Academics aus Heidelberg feiern konnten. Mit dem klaren Erfolg über einen Aufstiegsmitfavoriten setzten die Schützlinge von Chefcoach Rodrigo Pastore gleich ein dickes Ausrufezeichen. Exakt um 18.03 Uhr wurde das sportliche Spektakel eingeläutet, als Robin Lodders die ersten Chemnitzer Punkte der Saison markierte. Es entwickelte sich eine kampf- betonte, temporeiche Partie, in der die neuformierte Niners- Mannschaft ihre Qualitäten zum Tragen brachte: mehr Körpergröße, mehr Athletik, mehr Biss und zugleich auch mehr Spielwitz - eine Mischung, aus der Spitzenteams gemacht werden.

Zwischenzeitlich warfen die Hausherren in der Messe einen 18-Punkte-Vorsprung heraus. Spannend wurde es trotzdem noch mal, weil sich die Korbjäger um Kapitän Malte Ziegenhagen Ende des dritten und anfangs des vierten Viertels eine Schwächephase leisteten und kleinere Verletzungsprobleme hatten. Beim 64:60 gut fünf Minuten vor ultimo war Heidelberg bedrohlich nahe herangekommen. Lukas Wank, überragender Akteur am Samstagabend, konnte aber auch dieser Phase noch etwas Positives abgewinnen. "Das war gut für die Fans. So konnten sie gleich den ersten Nervenkitzel der Saison miterleben", bemerkte Wank, der von den Rheinstars Köln nach Chemnitz gewechselt ist.

In seinem neuen Verein wurde der 21-Jährige gerade vom Flügel- zum Aufbauspieler umgeschult. Und er füllte diese Position aus, als hätte er in seinem Basketballer- Leben bisher nichts anderes getan. Seinen starken Auftritt konnte Wank noch mit 13 Punkten garnieren. Himmelhoch jauchzend präsentierte sich der gebürtige Altenburger nach dem ersten Spiel jedoch nicht. "Das war ein guter Arbeitssieg. Es hat aber nicht alles so geklappt, wie wir uns das vorgestellt haben", sagte Wank. So müsse das Team noch besser und souveräner mit Situationen umgehen, in denen der Gegner mächtig Druck aus- übt. Auch bei sich selbst sieht der 1,98-Meter-Mann noch reichlich Verbesserungsbedarf. "Es geht zum Beispiel darum, im richtigen Moment die richtige Entscheidung zu treffen", so Wank, der sich auch beim Feiern von Siegen deutlich steigern könnte. Auf die Frage, ob er sich nach seiner Heimpremiere ein Bierchen genehmigt, antwortete er: "Nein, Alkohol gibt es nicht. Ich trinke jetzt Limonade mit Eis."

Ein gefragter Gesprächspartner am Samstagabend war auch Robin Lodders, der ebenfalls 13 Zähler zum Niners-Triumph beisteuerte. Wie Limonaden-Fan Wank sprach auch er von einem Arbeitssieg. Zur kurzen Schwächeperiode, die den Vorsprung zusammenschmelzen ließ, konnte Lodders noch nicht viel sagen. "Ich muss mir das auf Video angucken, warum die Heidelberger zwischenzeitlich so einen Lauf hatten. Das Momentum war dann auf ihrer Seite, aber wir sind stark zurückgekommen", betonte der 23-Jährige, der seine zweite Saison in Chemnitz bestreitet. Auch er sieht die Niners deutlich besser aufgestellt als im Vorjahr. "Wir sind größer und athletischer. Das ermöglicht uns mehr Variabilität vor allem in der Verteidigung", erklärte Lodders. Zudem verwies der aus Hannover stammende Profi auf die Ausgeglichenheit des Kaders: "Es gibt bei uns gar keine erste und zweite Formation. Sie sind gleich stark."

Aufgrund der neuen personellen Qualität konnten die Niners auch den Ausfall ihres längsten Spielers verkraften. Der 2,13 Meter große Georg Voigtmann saß zwar gegen Heidelberg auf der Bank, wurde von Trainer Pastore jedoch nicht aufs Feld geschickt. Am vergangenen Montag war der gebürtige Eisenacher im Training umgeknickt und hatte sich eine leichte Bänder- dehnung zugezogen. "Ich konnte die ganze Woche nicht trainieren. Der Knöchel ist noch etwas geschwollen. Nur im Notfall wäre ich heute zum Einsatz gekommen", berichtete Voigtmann. Ihm war die Freude über den gelungenen Saisonstart anzusehen. "Bloß schade, dass ich vor dieser tollen Kulisse nicht auflaufen konnte", bedauerte der 23-Jährige, der zuletzt in Paderborn gespielt hatte. Er hoffe, am kommenden Wochenende sein Debüt im Chemnitzer Trikot geben zu können. Dann heißt es für die Niners, in Hagen zu bestehen.

Tickets Ihren nächsten Auftritt vor eigenem Publikum haben die Niners am 6. Oktober gegen Schalke 04. Eintrittskarten für die Heimspiele des Basketball-Zweitligisten gibt es in den Shops der "Freien Presse".


Stimmen zum Spiel: "Das war ein Quantensprung"

Micaela Schönherr, Vereinspräsidentin: Ein wunderbarer Abend, ich bin glücklich über das Ergebnis und dass die Mannschaft ihre sehr guten Leistungen während der Vorbereitung bestätigen konnte. Das gibt Hoffnung für die Saison. Heidelberg war ein starker und fairer Gegner.

Christian Melzer, Brustsponsor: Einfach spektakulär, dass wir gegen die Heidelberger, an denen wir uns schon öfter die Zähne ausgebissen haben, so gut abschneiden. Mit solchen sportlichen Erfolgen wird es vielleicht auch möglich sein, wieder einen guten Geist in die Stadt zu bringen - dass die Offenheit und Freude, die wir hier in der Halle erlebt haben, auch in der Innenstadt Einzug halten.

Matthias Viertel, Niners-Fan: Die Mannschaft hat wie aus einem Guss gespielt. Egal, wer von der Bank aufs Feld kam: Das Level ist gleich geblieben. Das war ein Quantensprung im Vergleich zur vergangenen Saison. Besonders auffällig ist die hohe Intensität in der Defensive gewesen. Die Erste Liga ist ein Traum, der Realität werden kann.

Steffen Herhold, Geschäftsführer: Mit der Zuschauerzahl sind wir sehr zufrieden. Dieser Saisonauftakt war für die Fans ein tolles Erlebnis - für mich auch. Als Spieler von uns angeschlagen waren und kurzfristig raus mussten, hat das Team eine super Reaktion gezeigt und das Geschehen danach wieder an sich gerissen. Wichtig wird sein, dass wir von Verletzungen weitestgehend verschont bleiben, denn unser Spiel ist sehr intensiv.

Branislav Ignjatovic, Cheftrainer von Heidelberg: Glückwunsch an die Chemnitzer. Das war ein absolut verdienter Sieg. Es hat Spaß gemacht, hier Basketball zu spielen. Mit unseren zahlreichen Fehlern haben wir den Gastgebern leider Selbst- vertrauen geschenkt. (ms)

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