Preise, Emotionen und Kampfansagen

Die Athleten des Jahres 2018 sind bei der Sportlergala Chemmy ausgezeichnet worden. Den meisten Beifall bekam ein Team, das gerade auf dramatische Weise gescheitert ist.

Mannschaft des Jahres: Es war der emotionalste Moment der Sportlergala. Am Dienstag hatte Basketball-Zweitligist Niners Chemnitz in einem an Spannung und Tragik kaum zu überbietenden Spiel den Aufstieg in die Bundesliga verpasst. Am Samstag wurde das Team - auch wegen der Serie von zwölf Siegen in Folge im Herbst vergangenen Jahres - als Mannschaft des Jahres 2018 ausgezeichnet. Die Niners seien zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden, meinte Laudator André Hardt von Radio Chemnitz. Als die Spieler und die Vereinsführung zur Bühne schritten, erhoben sich die 700 Ballgäste von ihren Stühlen und spendeten stehend Beifall. Zudem wurde eine Video-Botschaft von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer eingespielt, der sich beeindruckt von den Niners zeigte. "Bleibt zusammen und macht weiter so", forderte er den Verein auf. Dessen Präsidenten Micaela Schönherr sagte: "Wir stehen wieder auf."

Sportlerin des Jahres: Ein "unerschütterliche Ehrgeiz" zeichne sie aus, meinte Finanzbürgermeister Sven Schulze bei seiner Laudatio über die Athletin des vergangenen Jahres. Der Preis ging an Dreispringerin Kristin Gierisch, die bei der Europameisterschaft in Berlin Silber gewann. "Da muss man schon eine coole Socke sein", sagte Schulze im Hinblick auf den Druck bei einer Heim-EM. Im Februar 2019 hat Gierisch zudem beim Meeting in Chemnitz mit 14,59 Meter einen deutschen Rekord aufgestellt. Das Ende der Fahnenstange sei damit aber noch lange nicht erreicht, sagte die 28-Jährige: "Das ist noch nicht das, was ich und mein Trainer uns vorstellen." Sie richtete fünf Monate vor der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Katar eine Kampfansage an die Konkurrenz. "Man muss anfangen, in anderen Sphären zu denken."

Sportler des Jahres: Es ist die Comeback-Geschichte der vergangenen Jahre. Zwei Jahre lang quälte sich Stefan Bötticher mit muskulären Problemen herum, verpasste deswegen die Olympischen Spiele 2016. Im Herbst 2017 nahm der Bahnradfahrer wieder das reguläre Training auf, um nur ein Jahr später richtig abzuräumen: Gold, Silber und Bronze gewann Bötticher bei den Europameisterschaften in Glasgow. "Er ist ein Athlet, der an sich geglaubt hat, der gelernt hat, immer wieder aufzustehen", lobte Laudator Udo Pfeifer vom gleichnamigen Getränkehandel. Vor wenigen Wochen hatte Bötticher zudem mit einer Bronzemedaille im Keirin bei den Bahnrad-Weltmeisterschaften im polnischen Pruszkow nachgelegt. Deswegen durfte er sich auch noch in das Goldene Buch der Stadt eintragen - gemeinsam mit Dreispringer Max Heß, der Bronze bei der Leichtathletik-EM in Glasgow gewonnen hatte.

Nachwuchssportler des Jahres: Sie habe Kraft, Talent und setze ihren Kopf ein, sagte Gabriele Delakowitz, Bezirksdirektorin der Sparkassen-Versicherung, in ihrer Laudatio über die Nachwuchssportlerin des Jahres. Der Preis ging an Boxerin Maxi Klötzer, die bei der Nachwuchs-Europameisterschaft Bronze erkämpft hat. Sie kündigte auf der Bühne an, Chemnitz zu verlassen, um am Bundesstützpunkt in Frankfurt/Oder zu trainieren - und dort auf ihr ganz großes Ziel hinzuarbeiten: die Olympischen Spiele. "Tokio 2020 kommt noch zu früh, aber die Spiele 2024 in Paris sind realistisch."

Lebenswerk: Sie könne eigentlich längst den Ruhestand genießen, bevorzuge aber den Unruhestand, schilderte Marion Tetzner vom MDR und ergänzte: "Zum Glück für Chemnitz und das Eiskunstlaufen." Das ist die Leidenschaft von Monika Scheibe. Seit Jahrzehnten trainiert sie Sportler und Sportlerinnen, hat unter anderem das Erfolgsduo Mandy Wötzel/Ingo Steuer geformt und dabei "das Paarlaufen revolutioniert", wie Tetzner befand. "Sie ist die Konstante im Küchwald, eine Kämpferin, die für ihre Sportler da ist." Das war Scheibe im Übrigen auch am Samstag. Die 70-Jährige weilte mit ihrem aktuellen Paar Letizia Roscher und Luis Schuster bei einem Lehrgang in Moskau - und verpasste deswegen die Sportlergala.

Sportler des Herzens: Im Gegensatz zu den anderen Preisen, über die Sportjournalisten und die Veranstalter entscheiden, wird dieser Chemmy von den Lesern der "Freien Presse" vergeben. Sie konnten in den vergangenen Wochen einen Sportler oder eine Sportlerin wählen, der oder die sich durch sympathisches Auftreten, Fairness sowie Engagement für den Sport auszeichnet. Die Leser votierten für Eisschnellläufer Nico Ihle. "Freie Presse"-Chefredakteur Torsten Kleditzsch betonte dessen authentisches Auftreten. "Wenn er gewinnt, freut er sich riesig, aber wenn er sauer ist, sieht man das auch." Der Gewinner zeigte sich überrascht von so viel Unterstützung in der Stadt. Der 33-Jährige kündigte an, seine Karriere fortzusetzen: "Ich bin immer noch motiviert und will nochmal angreifen."

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