Spätstarter fährt schnell nach vorn

Fast 30 Jahre lang hat sich Nico Schönberg zwar für Motorsport interessiert, selbst gefahren ist er aber nicht. Jetzt sitzt er doch in einem Rennwagen - und profitiert dabei von seinem Beruf.

Seit seiner Kindheit ist Nico Schönberg Fan von schnellen Autos. Der heute 31-Jährige hat im Fernsehen viele Rennen geschaut und heimlich auch davon geträumt, mal selbst in einem richtig schnellen Sportwagen zu sitzen. Bis kurz vor seinem 30. Geburtstag hat es gedauert, ehe der Chemnitzer seinen Traum dann tatsächlich noch in die Tat umsetzte. "Irgendwann habe ich mir gesagt, dass ich das jetzt einfach mal probiere", sagt Schönberg über die Entscheidung, eine Rennfahrerlizenz zu machen.

Mit der Lizenz in der Tasche ging es für den Chemnitzer dann zu einem Fahrersichtungstraining, wo er ganz offensichtlich einen guten Eindruck hinterlassen konnte. Denn mit Andreas Pfister wurde der Chef eines Rennstalls auf Schönberg aufmerksam und holte ihn in sein Team. Das Auto bekam er also gestellt, um den Rest musste sich der 31-Jährige selbst kümmern. "Um dann auch Rennen fahren zu dürfen, muss man auch dafür eine Lizenz kaufen", sagt er. "Was man braucht, um bei größeren Serien mitfahren zu können, ist nicht nur Talent, es ist auch Geld."

Die benötigten Finanzen sparte sich Schönberg zusammen, und so konnte es losgehen. Und wie: Bereits bei seiner Premiere im Chevrolet Cruze Eurocup 2019 - einer Art Europameisterschaft für Tourenwagen - raste Schönberg auf dem Red-Bull-Ring im österreichischen Spielberg auf den 5. Platz. "Damit war ich mehr als zufrieden. Es hat richtig Laune gemacht und ist gut gelaufen", sagt Schönberg.

Trotz des Erfolges steht noch nicht fest, ob der Chemnitzer an einem weiteren Rennen der Serie teilnehmen kann. "Das kostet immer wieder richtig viel Geld, und ich muss erst einmal sehen, was noch möglich ist", sagt er. Es sei eher unwahrscheinlich, dass er zum Beispiel in Kroatien und in der Slowakei an den Start gehen wird, das letzte Rennen in Oschersleben Mitte Oktober soll aber auf jeden Fall drin sein. Und wenn er ein paar Sponsoren findet, will er im kommenden Jahr alle Rennen fahren.

Teamchef Andreas Pfister jedenfalls glaubt an seinen neuen Fahrer. "Nico hat sich in der Fahrersichtung achtbar geschlagen und sich als guter Tourenwagen-Rennfahrer empfohlen", sagt der Teamchef, der auch die Chevrolet-Rennserie organisiert. "Ich denke, er hat eine ideale Rennserie gefunden, um sein Talent weiterhin unter Beweis zu stellen."

Doch es ist nicht nur Talent, was Nico Schönberg so schnell fahren lässt - es ist auch Erfahrung. Berufserfahrung, um genau zu sein. Denn der Chemnitzer arbeitet beim Rettungsdienst in Burgstädt und fährt dort nicht selten sehr rasant durch die Gegend, denn wie auch bei Autorennen zählt bei Unfällen oder akuten Erkrankungen jede Sekunde. "Besonders das vorausschauende Fahren bei hohem Tempo lernt man dabei", sagt er. "Ich kann mir schon vorstellen, dass das auch bei meinem Hobby hilft."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...