"Unsere Arbeit wird regelmäßig mit Füßen getreten"

Der Platzwart des CFC-Stadions über Probleme im Herbst und Tränen beim Spiel

Heiko Helbig weiß, was er tut. Der 48-Jährige ist geprüfter Platzwart und für den Dienstleister Wisag im Chemnitzer Stadion an der Gellerststraße für die Rasenpflege zuständig. Thomas Reibetanz hat sich vor dem heutigen Heimspiel des CFC gegen Rot-Weiß Erfurt mit dem Profi unterhalten. Und dabei auch so manchen Tipp für Amateurvereine erhalten.

Freie Presse: Herr Helbig, jetzt mal ehrlich. Sie dürfen den ganzen Tag in einem Fußballstadion Traktor fahren. Mehr Männer-Traumberuf geht ja wohl nicht.

Heiko Helbig: Naja. Das muss man ein bisschen relativieren. Zum einen mache ich das nicht jeden Tag. Zum anderen kann so ein Platz schon Probleme machen. Es ist also nicht mit Rasentraktorfahren getan. Aber im Grunde stimmt es schon. Ich habe einen tollen Job.

... für den Sie auch Prüfungen ablegen mussten. Beim Deutschen Fußballbund. Wie läuft das?

In drei Lehrgängen haben wir beigebracht bekommen, wie so ein Rollrasen behandelt und gepflegt werden muss. Uns wurden die Grundlagen gelehrt, am Ende mussten wir zeigen, dass wir es können.

Scheinbar haben Sie gut aufgepasst. Der Rasen in der Arena sieht gut aus. Oder liegt das nur daran, dass der CFC in den letzten fünf Wochen nur ein Heimspiel hatte? Und das fand bei bestem Wetter statt.

Das hat uns die Arbeit sicherlich leichter gemacht. Ruhe ist für einen Rasenplatz das Beste. Und Luft. Neben dem Rasenmähen ist das Aerifizieren der wichtigste Arbeitsschritt für einen Platzwart. Dabei werden mit einer speziellen Maschine kleine Löcher in den Rasen gemacht, damit der besser atmen kann. Das gilt für einen Rollrasen wie den im Stadion genauso wie für einen Naturrasen. Ich kann allen Amateurvereinen also nur empfehlen, in solch eine Maschine zu investieren.

Wo wir einmal bei Amateurvereinen sind. Was kann der Profi den Hobbyplatzwarten noch empfehlen?

Zunächst einmal sollten sie die Spieler nach jedem Spiel und jedem Training einmal über den Platz schicken, um herausgelöste Rasenstücken sofort wieder an die Stelle zu drücken, wo sie hingehören. Damit der Rasen wieder anwachsen kann. Dazu werden Plätze oft mit schwerem Gerät gewalzt. Das ist aber absolut nicht gut, denn so verdichtet sich der Boden, der anschließend nicht mehr atmen kann. Und der wichtigste Tipp: Ruhe hilft dem Platz. Bei ständigem Trainings- und Spielbetrieb hast du kaum eine Chance, den Rasen in gutem Zustand zu halten.

Zurück zum Rasen in der Chemnitzer Arena. Hier gab es vor einem Jahr ein Regenwurmproblem. Ist das behoben?

Es ist auf jeden Fall viel weniger geworden. Was aber auch daran liegt, dass wir bis jetzt einen sehr milden Herbst haben. Normalerweise wächst das Gras schon gar nicht mehr. Aber die Temperaturen sind noch nicht konstant unter 10 Grad, also wächst es noch, und wir müssen noch immer zweimal wöchentlich Rasenmähen. Wenn das Wetter kälter und nasser wird, die Sonne es dazu nicht mehr sehr lange über das Stadiondach schafft, haben wir wieder mehr Arbeit, um den Rasen in Schuss zu halten. Dann trocknet er schlechter ab. Erst dann können wir so richtig sagen, wie es den Regenwürmern im Stadion geht.

Sind Sie eigentlich bei den Heimspielen im Stadion?

Ja, denn in der Halbzeitpause und direkt nach dem Spiel bessern wir ja die Schäden auf dem Platz aus.

Und wie erleben Sie so ein Spiel?

Oftmals mit der Hand vorm Gesicht, weil ich mich um meinen Platz sorge. Unsere Arbeit wird ja sozusagen regelmäßig mit Füßen getreten. Und wenn es, gerade bei Spielen im Regen, zu einer ordentlichen Grätsche kommt, weint mein Herz schon ein wenig. 

Und wenn dadurch ein Loch entsteht, das zu einem Fehlpass führt, ist der Platzwart schuld.

Stimmt. Und wenn die Spieler nichts über den Zustand des Platzes sagen, zählt das für mich schon als Lob. Zum Glück ist das derzeit der Fall. Es meckert zumindest keiner.

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