Vollgas - aber bloß keinen Stress

"Freie Presse"-Redakteur Thomas Reibetanz will 2020 beim Mountainbikerennen starten. Der Weg dahin wird dokumentiert. Teil 7: Weisheiten eines Amateurs.

Der Winter naht. Und damit wird das Wetter für Radfahrer immer ungemütlicher. Ich will mich ja ungern als Weichei bezeichnen, aber bei stürmischem Wind und schräg fallendem Regen macht das Radeln nicht wirklich Spaß. Und so bin ich in den vergangenen Tagen nicht wirklich oft zum Training auf zwei Rädern gekommen. Was sehr schade ist, denn seit kurzer Zeit gehören diese zwei Räder zu einem edlen Gerät. Sein Name: Scott Spark RC 900. Dabei handelt es sich um ein voll gefedertes Mountainbike. In meinem Fall ist es zudem genau das Fahrrad, mit dem ich im kommenden Jahr das "Heavy 24" bestreiten will. "Du kannst noch so viel trainieren - das Fahrrad macht am Ende den Unterschied", hat mal jemand zu mir gesagt. Ich habe tatsächlich vergessen, wer das war. Aber es war ein kluger Mann.

Und so ist es mit Unterstützung der Firma Scott sowie der Gebrüder Volker und Andreas Hoblik, die in Brand-Erbisdorf ein Fahrradgeschäft betreiben, gelungen, dass ich meine Trainingsrunden in den kommenden Monaten mit diesem Gerät drehen kann. Die ersten Kilometer sind bereits absolviert und das Fazit lautet: Auf Asphalt macht es weniger Spaß - zu breite Reifen. Im Gelände jedoch kann man es mit präziser Schaltung, einstellbarer Federung und nur zwölf Kilogramm Fahrradgewicht richtig krachen lassen.

Apropos Kilogramm. Das Projekt "In einem Jahr zum Heavy 24" ist auch und vor allem entstanden, um zu dokumentieren, ob und wie man sich von Null auf Hundert für einen harten Wettkampf fit machen kann. Am Anfang stand der Wunsch abzunehmen. Im Juni kamen 85 Kilo auf die Waage, der Fitnesszustand war so, dass ich beim Bergauffahren mit einem E-Bike (!) ins Schnaufen gekommen bin. Zwischen damals und heute liegen mehr als 1700 Kilometer im Fahrradsattel, ein Wanderurlaub mit richtig vielen Höhenmetern, Trainingseinheiten auf einem rüttelnden Fitnessgerät namens Power Plate sowie die Teilnahme am Erzgebirgs-Bike-Marathon. Das Resultat bisher: Ich bin deutlich fitter. Das merke ich. Auch passt wieder der eine oder andere Pullover, in den hineinzukommen ich im Frühjahr nicht einmal versucht habe. Wie viele Kilogramm ich jetzt auf die Waage bringe, weiß ich allerdings nicht. Ich wiege mich nicht. Und damit sind wir beim eigentlichen Thema von Teil 7 dieser kleinen Serie hier: den Weisheiten eines Amateurs. Schließlich sollen Sie als Leser ja nicht nur mit mir lachen oder leiden, wenn ich mich Berge hinaufquäle oder auf Fitnessgeräten durchgeschüttelt werde. Die Serie "In einem Jahr zum Heavy 24" soll auch Ratgebercharakter haben. Also bitte: Hier sind meine Tipps und Erkenntnisse, die ich nach den ersten vier Monaten gewinnen konnte. Komplett ohne ärztliche Gewähr.

Bleiben Sie entspannt. Niemand verlangt, dass Sie nach zwei Wochen regelmäßigen Radelns mit dem Rennradfahrer mithalten können, der sie bergauf überholt. Genießen Sie jeden Kilometer. Gerade nach den ersten längeren Touren wird Ihnen manches Mal der Allerwerteste schmerzen und die Waden werden brennen. Sich dann wieder in den Sattel zu quälen, ist Quatsch. Fahren Sie, weil es Spaß macht. Fahren Sie, weil Sie ihre Heimat erkunden wollen. Fahren Sie, um mit anderen Radlern in der Gruppe unterwegs zu sein. Machen Sie auch mal Pause.

Dokumentieren Sie alles. Weil Sie dann besser nachvollziehen können, was Ihnen regelmäßiges Fahren bringt. Es gibt viele Apps fürs Handy, mit denen man seine Touren aufzeichnen oder planen kann. Ich kann Komoot sehr empfehlen. Da drückt man vor der Fahrt auf einen Knopf, nach der Fahrt beendet man die Aufzeichnung wieder. Macht man zwischendurch eine Pause, erkennt das die App von allein. Nach der Fahrt sieht man, wie weit man gefahren ist, mit welcher Durchschnittsgeschwindigkeit man unterwegs war und wie viele Höhenmeter man überwunden hat. Fährt man dann ab und zu mal wieder die gleiche Strecke, bekommt man so auch digital die Bestätigung für das subjektive Gefühl, dass einem das Bezwingen des einen oder anderen Berges schon leichter gefallen ist.

Essen Sie bewusster. Bewegung allein reicht nicht, um fitter zu werden. Ernährung spielt dabei auch eine ganz wichtige Rolle. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Das aktuell im Trend liegende Intervallfasten ist eine gute Sache. Bei mir sieht das so aus: Zwischen 12 und 20 Uhr esse ich Mittag und Abendbrot (so, dass ich satt werde und dass es mir schmeckt), zwischen 20 und 12 Uhr esse ich nichts. Das sorgt in den ersten Tagen für ein wenig Schlappheit, der Körper gewöhnt sich aber schnell daran. Und man nimmt spürbar ab. Auch hier gilt aber: Alles ohne medizinische Gewähr!

Alle Texte der Serie "In einem Jahr zum "Heavy 24" gibt es im Internet:

www.freiepresse.de/heavy24


24 Stunden im Sattel rund um den Stausee Oberrabenstein

Das Heavy 24 ist ein jährlich stattfindendes Geländerennen für Mountainbikefahrer rund um den Stausee Oberrabenstein. Ziel für jeden Einzelstarter oder jedes Team ist es, innerhalb von 24 Stunden so viele knapp 10 Kilometer lange Runden wie möglich zu fahren. "Freie Presse"-Redakteur Thomas Reibetanz will in einem Viererteam antreten. Ende Juni fand das Rennen zum 13. Mal statt. Der Sieger im Einzelwettbewerb schaffte dabei 54, das beste Zweierteam 62, das beste Viererteam 66 Runden.

In diesem Jahr findet das Heavy 24 vom 26. bis 28. Juni statt. Am 6. Oktober dieses Jahres gab es dabei bereits das "Rennen vor dem Rennen", denn die Anmeldungen konnten online vorgenommen werden. In allen Kategorien waren die 290 Startplätze binnen weniger Minuten vergeben - die 70 Plätze bei den Einzelstartern waren dabei in Rekordzeit von 2:37 Minuten voll. Bei den Mannschaften gibt es neben den bewährten Zweier-, Vierer- und Achterteams in diesem Jahr erstmals auch Sechserteams. (tre)

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