Vom Kölner Eishockey-Hai zum Basketball-Trainer in Chemnitz

Kevin Oberlack ist seit dieser Saison Chefcoach der Jugend-Bundesligamannschaft der Niners. Seinen Werdegang im Sport bezeichnet der 29-Jährige als verrückt.

Er kann sich noch genau erinnern, dass er die Bewerbung am Karfreitag gesendet hat. Adressat: der Basketballclub Niners Chemnitz. Kevin Oberlack hatte im Internet die Ausschreibung entdeckt. Der Verein suchte einen hauptamtlichen Nachwuchstrainer, vor allem für sein U-16-Bundesligateam. "Noch am selben Abend hat mir Niners-Sportdirektor Konstantin Lwowsky geantwortet und erstes Interesse bekundet", erzählt Oberlack.

In Sack und Tüten war der Job für den Kölner damit aber noch lange nicht. Er wusste, dass es andere Bewerber gibt. "Ich bin dreimal nach Chemnitz gefahren. Ende Juni/Anfang Juli war es dann perfekt und ich habe einen Zweijahresvertrag unterschrieben", berichtet der 29-Jährige. Nach Chemnitz zu gehen, dessen Ruf nicht der allerbeste ist, sei für ihn kein Problem gewesen. "Was hier passiert ist, interessiert mich nicht. Ich fühle mich in der Stadt sehr wohl und kann mir gut vorstellen, länger zu bleiben", betont Oberlack und lässt eine kleine Episode folgen: "Ein Kumpel aus meiner Heimatregion war vor kurzem hier zu Besuch. Er reiste mit vielen Vorurteilen an. Vor seiner Rückfahrt meinte er, dass er die Stadt richtig cool findet und jetzt öfter nach Chemnitz kommen will." Auch die kurzen Wege findet der neue Niners-Trainer klasse. Er wohnt in der Innenstadt, bis zur Hartmannhalle als Trainingsstätte oder dem Schloßteich zum Entspannen ist es jeweils nur ein Katzensprung.

Dass aus Kevin Oberlack ein Basketball-Trainer werden würde, war zunächst überhaupt nicht abzusehen. "Mein Werdegang im Sport ist schon verrückt", sagt der junge Mann. Er hatte lange davon geträumt, Eishockeyprofi zu werden. "Schon mit vier Jahren habe ich bei den Kölner Junghaien angefangen", so Oberlack. Zehn Jahre jagte er dem Puck hinterher, als ihm der Leistungssport mit dem harten Training zu viel wurde. "Ein junger Kerl will auch mal Freizeit haben. Zudem hat mir ein Trainer den Spaß am Eishockeysport genommen", bemerkt Oberlack.

Als damals 14-Jähriger habe er sich kaum getraut, seinen Eltern zu erzählen, dass Schluss mit der Sportart ist. Zumal seine Mutter bei den Kölner Haien gearbeitet und der Vater sich stark für diesen Club engagiert habe. "Aber beide standen hinter mir", blickt der Neu-Chemnitzer dankbar zurück. Ein Jahr später sei er durch einen Freund zum Basketball gekommen. Er schloss sich dem Freizeitsportverein TS Frechen am Stadtrand von Köln an. Aus dem Hobbyspieler sollte bald ein Trainer werden. "Als 16-Jähriger habe ich die jüngsten Basketballer in dem Verein übernommen", berichtet Oberlack. Später war er Jugendcoach und trainierte auch die Frauen und Männer in Frechen. Und weil das noch nicht genug war, übernahm er auch die Geschäftsführung in der 1400 Mitglieder starken Gemeinschaft.

Eines Tages flatterte ein völlig überraschendes Angebot ins Haus: Es kam von Bayer Leverkusen. "Ein dortiger Trainerkollege hatte verfolgt, was ich in Frechen mache", erklärt Oberlack. Er wechselte zur namhaften Leverkusener Basketballabteilung, in der er sich 2017 zum Cheftrainer des U-16-Teams hochgearbeitet hatte. Spätestens in dieser Funktion lernte Oberlack auch, dass der Trainerberuf Enttäuschungen mit sich bringen kann. Zu Beginn dieses Jahres habe er es nicht mehr geschafft, "die Jungs für ein gemeinsames Ziel zu begeistern". Die Mannschaft sei ihm als Trainer nicht mehr gefolgt. So zog Oberlack die Reißleine.

Nach seinem Rücktritt sei unklar gewesen, wie es mit ihm in Leverkusen weitergeht. Da kam die Stellenausschreibung der Chemnitzer Niners wie gerufen. Oberlack trat hier die Nachfolge von Christian Meichsner an, der zum sächsischen Landestrainer aufgestiegen ist. Große Worte zu Zielen mit der U-16-Mannschaft verliert der Kölner nicht gern. "Klar wollen wir in die Playoffs. Uns fehlen aber zwei Spieler, die sich schwer verletzt haben", so Oberlack, der die Bedingungen in Chemnitz als deutlich besser als in Leverkusen bezeichnet. "Allein schon das Sportinternat ist spitze. So etwas gibt es in dieser Qualität im Westen nicht - oftmals handelt es sich dort zum Beispiel nur um Teilzeitinternate. Auch die personelle Struktur und die Hartmannhalle als Trainingsstätte sind viel besser als bei Bayer", unterstreicht der 29-Jährige.

Nach Aussage von Niners-Sportdirektor Lwowsky habe es ein halbes Dutzend ernst zu nehmender Bewerbungen um diese Stelle gegeben. "Dass wir uns für Kevin entschieden haben, lag an seinen Erfahrungen, die er in Leverkusen gesammelt hat", erklärte Lwowsky. Damit sei klar gewesen, "dass wir jemanden bekommen, der für einen Verein mitdenken kann, Fleiß und Einsatz zeigt und lernwillig ist".

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...