Was die Tribünensperre für CFC-Fans bedeutet

Chemnitzer FC muss im Heimspiel Südtribüne abriegeln - Verbote für Fahnen und Banner verhängt

Fußball-Regionalligist Chemnitzer FC kann im Heimspiel gegen Meuselwitz die Regionalligameisterschaft klar machen. In dieser Partie gelten nach einem Urteil des NOFV aber besondere Vorgaben. Benjamin Lummer erklärt, was der Verband verlangt und welche Auswirkungen das hat.

Was hat das Sportgericht des Nordostdeutschen Fußballverbands (NOFV) entschieden?

Das Gericht hat gegen den Chemnitzer FC eine Geldstrafe in Höhe von 12.000 Euro verhängt, wobei hiervon 5000 Euro für Maßnahmen gegen Rechtsextremismus und Rassismus verwendet werden dürfen. Außerdem hat das Gericht den Club mit einem Teilausschluss der Zuschauer für das Heimspiel gegen Meuselwitz am Samstag belegt. Der Teilausschluss für zwei weitere Meisterschaftsspiele wurde zur Bewährung ausgesetzt. Der CFC hat das Urteil akzeptiert.

Was ist der Hintergrund für das Urteil?

Das Sportgericht bestraft den Verein für die Vorkommnisse am 9. März. Damals war vor dem Heimspiel gegen Altglienicke im Stadion einem verstorbenen Neonazi gedacht worden. Das Foto des Verstorbenen erschien auf der Stadionleinwand, dazu erklang Musik, ein Stadionsprecher verlas Worte in Gedenken an den Mann, der als Begründer der Hoonara-Gruppierung ("Hooligans, Nazis Rassisten") gilt. Auf der Südtribüne wurde eine Trauerflagge hochgehalten und Anhänger zündeten Bengalos. Der NOFV verurteile "rassistische und rechtsextremistische Entgleisungen", erklärt der Vorsitzende des Sportgerichts Stephan Oberholz. Die Auflagen verfolgten das Ziel, beim CFC eine langfristige Strategie für eine präventiv und qualitativ hochwertige Fanarbeit zu etablieren.

Was sieht das Urteil konkret vor?

Der CFC muss den Vorgaben des NOFV zufolge die Südtribüne sperren. Rücknahme oder Umtausch der für die betroffenen Blöcke 6a, 6b und 6c erworbenen Tickets sei vom Verband verboten worden, erklärt der Verein. "Es gibt sehr konkrete Vorgaben, an die wir uns halten", erklärt CFC-Sprecher Steffen Wunderlich. Auch der Fanstand hinter der Südtribüne ist wegen der Sperrung des Zugangs zu den Blöcken nicht erreichbar. 

Werden die Fans, die sonst auf der Südtribüne stehen, dennoch ins Stadion gelassen?

Dass sie ins Stadion gehen, könne man nicht unterbinden, sagt Sprecher Wunderlich. So kann sich ein Anhänger einfach eine Karte für einen anderen Block kaufen. Da die Tickets nicht personalisiert sind, kann niemand nachvollziehen, wer die Sportstätte betritt.

Dürfen Fahnen gezeigt werden?

Auf der Südtribüne ist das wegen der Sperrung ohnehin nicht möglich. Der Verein untersagt zudem, auf der Gegengeraden Blockfahnen, Zaunfahnen, Banner und Plakate zu zeigen. Erlaubt sind demnach kleine Schwenkfahnen bis zu einer Stocklänge von maximal 1,5 Meter.

Was sagen die Anhänger dazu?

Im Fanforum werden das Urteil und seine Umsetzung sehr intensiv und kontrovers diskutiert. Einige Fans kritisieren, dass sie als Besitzer einer Dauerkarte bereits für die Partie bezahlt haben, nun aber ein Ticket für einen anderen Block kaufen müssten, um dabei zu sein. Ein Anhänger schreibt, der CFC gehe als Gewinner hervor, weil er so zusätzliche Einnahmen bekomme. In einem anderen Forumsbeitrag heißt es wiederum, das Urteil des NOFV sei mild und man solle darüber froh sein. Ein Nutzer ergänzt, an der Sperrung seien nicht die Verantwortlichen des CFC schuld, sondern die "Naziidioten", denen man die Strafe des NOFV zu verdanken habe.

Wie positioniert sich der CFC?

Er bittet seine Anhänger mit Nachdruck, sich an die Vorgaben zu halten. Man habe konkrete Hinweise erhalten, dass Personen trotz der Sperrung auf die Südtribüne gelangen wollen, sagt Wunderlich. Sollte das passieren, drohten weitere Strafen bis hin zum Abzug von Punkten, warnt er. Es werde deswegen ein höheres Polizeiaufkommen als ursprünglich vorgesehen geben, so der Sprecher. Auch Cheftrainer David Bergner warnt: "Wir stehen unter Beobachtung." Falls der CFC die Meisterschaft klar macht, sollten die Anhänger unbedingt auf einen Platzsturm verzichten, appelliert er. Eine Feier mit den Anhängern soll nach Saisonende stattfinden.


Meisterschaft möglich

Nur noch einen Punkt braucht der CFC, um die Meisterschaft in der Regionalliga und damit den sportlichen Aufstieg in die Dritte Liga perfekt zu machen. Gegen Meuselwitz kann Trainer David Bergner auf fast alle Spieler zurückgreifen. Ein Fragezeichen steht noch hinter dem Einsatz des zuletzt erkrankten Tobias Müller. Zudem ist Dejan Bozic nach seiner fünften Gelben Karte gesperrt. "Wir freuen uns, dass wir den Deckel draufmachen können", sagt Bergner. Anstoß ist 13.30 Uhr. (lumm)

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...