"Wir wollen den Hallenneubau selbst in Angriff nehmen"

Basketball: Niners-Sportdirektor Konstantin Lwowsky über die Nachwuchssaison und Platzprobleme

Konstantin Lwowsky ist einer der erfolgreichsten deutschen Jugendtrainer. Der Berliner, der zwölf Jahre lang beim Hauptstadtclub Alba gearbeitet hat, ist seit 2017 als Sportdirektor für die Niners Chemnitz tätig. Mario Schmidt sprach mit dem 45-Jährigen über die Situation im Nachwuchs- bereich des Zweitligisten (Niners Academy) und einen Neuzugang, dessen Verpflichtung nicht gerade einfach war.

Freie Presse: Die Profis der Niners empfangen am heutigen Freitagabend Tübingen zum Spitzenspiel. Inzwischen ist auch das Chemnitzer U-19-Team in die Bundesligasaison gestartet - mit welchem Ziel?

Konstantin Lwowsky: Die Nachwuchs-Bundesliga ist von 32 auf 40 Mannschaften aufgestockt worden. Dadurch wird die Vorrunde sportlich etwas leichter. Wir wollen in unserer Gruppe unter sieben Teams einen der ersten beiden Plätze erreichen, um uns im weiteren Saisonverlauf für die Playoffs qualifizieren zu können.

Wie sieht es mit Talenten aus, die den Sprung zu den Profis schaffen könnten?

Gut. Wir haben mit Arne Makowka, Yannick von Hain und dem erst 16-jährigen Eduard Roschnafski bereits drei Spieler der U 19 für den Kader des Männerteams gemeldet.

Sie erwähnen Eduard Roschnafski, der rumänischer Abstammung ist und zuletzt in Jena spielte. Seinetwegen soll es Streit zwischen dem Jenaer Club und den Niners gegeben haben.

Streit ist zu viel gesagt. Die Jenaer waren nicht begeistert, dass Eduard nach einem Jahr wieder wegwollte. Er hatte dort schulische Probleme. Seine Familie war der Meinung, dass Chemnitz hinsichtlich des Gesamtpakets von Schule und Sport besser aufgestellt ist. Eduard hatte in Jena aber einen längerfristigen Ausbildungsvertrag abgeschlossen.

Wie sah die Lösung aus?

Wir haben 3000 Euro nach Jena überwiesen. Das ist die Summe, welche die Thüringer 2018 entsprechend den Regeln des Weltverbandes Fiba zahlen mussten, weil der Spieler damals aus dem Ausland nach Deutschland wechselte. Eduard hatte bis dahin für einen rumänischen Verein gespielt. Letztendlich haben sich die Jenaer im Sinne des Jungen fair verhalten.

Auch die U-16-Vertretung der Niners tritt in der Bundesliga an. Mit welchen Aussichten?

Zunächst einmal hat diese Mannschaft einen neuen Trainer. Er heißt Kevin Oberlack und kommt aus Leverkusen. Der bisherige Coach Christian Meichsner arbeitet jetzt als sächsischer Landestrainer. Realistisches Ziel mit dem U-16-Team ist es, die Playoffs zu erreichen.

Wie verläuft die Nachwuchs- suche in Chemnitz, und sind Sie mit der Resonanz zufrieden?

Ich bin sehr zufrieden. Vor allem unser Schnuppertraining, das wir außerhalb der Ferien immer freitags ab 15.30 Uhr in der Hartmannhalle anbieten, kommt sehr gut an. Durch den starken Zulauf haben wir erstmals auch eine U-8-Mannschaft, sodass wir in dieser Saison in allen Altersklassen Teams ins Rennen schicken können. Zudem sind wir an 25 Schulen und sechs Kitas aktiv.

Gibt es denn dafür genügend Trainer?

Mit unserem jetzigen Personal können wir der Nachfrage nicht mehr gerecht werden. Drei bis vier zusätzliche halbe beziehungsweise volle Trainerstellen wären vonnöten.

Sie haben aufgrund von Platzproblemen schon mehrfach darauf hingewiesen, dass die Niners eine zusätzliche Trainingshalle benötigen. Hat sich diesbezüglich etwas getan?

Die Suche nach einem Hallenstandort erweist sich trotz eines engen Dialoges mit der Stadt als schwierig. Wir brauchen aber nach einem möglichen Aufstieg der Profis eine Halle, die uns sieben Tage pro Woche jeweils 24 Stunden lang zur Verfügung steht. So lauten die Bestimmungen der Basketball-Bundesliga. Diese Halle gibt es aber nicht, sodass wir bei der Ligaleitung Sondergenehmigungen beantragen müssen.

Worin bestehen die Schwierigkeiten?

Eine Basketball-Trainingshalle muss mindestens siebeneinhalb Meter hoch sein. Diese Anforderung erschwert die Nutzung vorhandener Gebäude, die meist niedriger sind. Deshalb ist ein Hallenneubau realistischer, und den wollen wir selbst in Angriff nehmen. In zwei bis drei Jahren soll das Projekt konkret werden.

Wo könnte die neue Halle entstehen?

Ein geeignetes Grundstück suchen wir noch.

Sie blicken in die Zukunft, doch Ihr Vertrag läuft 2020 aus. Würden Sie gern länger bleiben?

Ja, und es gibt Signale aus dem Verein, dass dieser Wunsch beidseitig besteht.


Konstantin Lwowsky

Der 45-jährige Berliner hat Deutsch und Sport auf Lehramt studiert. Bereits seit 1993 ist Konstantin Lwowsky als Basketballtrainer im hochklassigen Nachwuchsbereich unterwegs. Er holte mit mehreren Hauptstadt-Teams Deutsche Meistertitel und war Assistenztrainer bei den Erstligaprofis von Alba Berlin. Lwowsky verfügt über ein umfassendes Netzwerk.

Bei den Niners in Chemnitz ist der dreifache Vater als Sportdirektor beispielsweise für die leistungssportliche Betreuung und die Nachwuchsgewinnung verantwortlich. Zudem versteht sich Konstantin Lwowsky als Bindeglied zwischen Jugend- und Profibereich. 2017 hatte er in Chemnitz einen Dreijahresvertrag unterschrieben. (ms)

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