Der neue Newsroom der "Freien Presse"

Im neu eingerichteten Newsroom entstehen sowohl die digitale und als auch die gedruckte Zeitung. Hier werden Texte und Nachrichten bewertet, verarbeitet und aufbereitet. Rund 100 Online-Meldungen sowie 60 überregionale und lokale Zeitungsseiten werden hier täglich bearbeitet. Im Newsroom laufen die Fäden der "Freie Presse"-Redaktion zusammen. Beim Bau und Einrichten des Großraumbüros legten die Verantwortlichen Wert auf moderne Arbeitsbedingungen - von der Ausstattung des persönlichen Arbeitsplatzes über Rückzugsräume bis zu Klimatisierung und Lärmschutz.

Sachsens Staatsregierung kündigt für das Erzgebirge eine neue Impfstrategie an. Wie die aussieht - das wissen wir noch nicht. Den gesamten Tag über wird recherchiert, an mehreren Stellen "gebohrt". Doch konkrete Anhaltspunkte soll es an diesem Montag nicht mehr geben. Der Landrat mauert. Die Pressestelle des Ministeriums gibt nichts preis. Jeder verweist auf die Pressekonferenz am Dienstagnachmittag, wenn Ministerpräsident und Sozialministerin persönlich in Annaberg-Buchholz die Impfstrategie präsentieren wollen. Mit dem für Journalisten absolut unbefriedigenden Recherche-Ergebnis schließt sich die Reporterin aus dem Erzgebirge mit dem Newsdesk in Chemnitz kurz. Was machen wir mit der halben Nachricht? Hier im Newsroom, in der Nachrichtenzentrale des Medienhauses, laufen alle aktuelle Meldungen zusammen, werden Informationen bewertet, spricht sich das Themenmanagement mit den Kollegen vor Ort ab.


Allein die Tatsache, dass sich der Freistaat jetzt besonders um das Hochinzidenzgebiet Erzgebirge kümmern will, ist eine Nachricht wert - also raus damit! Das wird interessieren - den Nutzer des digitalen "Freie Presse"-Angebotes genauso wie den Leser der gedruckten Zeitung. Ganz egal, über welchen Kanal die Information den Kunden erreicht, auf den Inhalt, auf die Nachricht, auf die Geschichte kommt es an. Eine Trennung in online und print ist Geschichte. Der crossmediale Journalismus hat die Konzentration allein auf die gedruckte Zeitung längst abgelöst. Damit dieses Zusammenspiel aller Kanäle in der "Freie Presse"-Redaktion noch besser klappt, ging im März am Standort Chemnitz der neu geschaffene Newsroom in Betrieb, eine Art Maschinenraum der Redaktion. Hier sitzen alle Producer zusammen - der Online-Journalist neben dem Grafiker, neben dem Blattmacher, wie die Gestalter im Zeitungsdeutsch heißen, und in der Mitte des Raumes das Themenmanagement. Es spricht mit den Reportern in den Regionen Termine und Themen ab, worauf die Schwerpunkte gelegt und auf welchen Kanälen die Texte in welcher Größenordnung gespielt werden sollten.


Im Newsroom entstehen die überregionalen Seiten, von Politik und Hintergrund, über Zeitgeschehen bis zu Wirtschaft und Aus aller Welt, ebenso wie nahezu alle Lokalausgaben der "Freien Presse" - von Chemnitz über Mittelsachsen und Westsachsen bis zum Erzgebirge. Einzig die Vogtlandseiten werden weiterhin in Plauen produziert. Dort wurde ein eigener Regiodesk eingerichtet.


Während das Online-Team in Chemnitz täglich etwa 100 Meldungen und Beiträge bearbeitet, auf der Homepage platziert und in den Netzwerken verbreitet, werden für die gedruckte Zeitung im Newsdesk jeden Tag etwa 60 Seiten produziert. Das bedeutet, die Blattmacher bearbeiten täglich fast 400 Beiträge - von der kleinen Meldung aus Kuhschnappel bis zur langen Reportage aus New York.


Der gemeinsame Newsroom für Online- und Print-Ausgabe ist wie ein multimedialer Marktplatz organisiert. Die Redakteure arbeiten zunächst wie ein Schwamm - sie saugen alle Informationen und Nachrichten auf, um danach für jeden Text, für jedes Foto den richtigen Platz zu finden. Das sind zuerst die Texte der Reporter und Korrespondenten, die diese vor Ort recherchiert und geschrieben haben. Außerdem verarbeitet der Blattmacher die Nachrichten, die die Redaktion über Agenturen oder Pressestellen erreichen. Zugleich ist er für die Gestaltung der Seite verantwortlich - für das richtige Verhältnis von Bild und Text zum Beispiel, oder für Überschriften, die Lust aufs Lesen machen. "Hohe Inzidenzen - Erzgebirge impft jetzt bis Mitternacht" dürfte Neugier auf mehr Lesestoff geweckt haben. Es ist wie im guten Restaurant: Dort soll das Essen nicht nur schmecken, sondern der Teller auch hübsch angerichtet sein.


Wie so vieles kommt die Idee einer großen Nachrichtenzentrale aus den USA, der erste Newsroom wurde Mitte der 1990er-Jahre in Philadelphia eingerichtet. Kurz darauf entstanden die ersten Newsdesks in Europa, im deutschsprachigen Raum gehörten vor allem Schweizer Medienhäuser zu den Vorreitern. Im Newsroom der "Freien Presse" arbeiten bei Vollbesetzung bis zu 45 Redakteure. Als es daran ging, ein Großraumbüro ohne klassische Großraumbüro-Atmosphäre zu schaffen, haben Geschäftsführung und Chefredaktion besonderes Augenmerk auf moderne Arbeitsbedingungen gelegt - von der Ausstattung des persönlichen Arbeitsplatzes bis zu Klimatisierung und Lärmschutz. Modern und funktional ausgestattet, gehören auch kleinere Räume zum Newsroom. Dort treffen sich die Kollegen zur schnellen Absprache eines Themas, zur Videokonferenz oder gern auch zum Kaffee. Mitunter entstehen beim Schwatz nebenbei die kreativsten Ideen. Das Herz des neuen Newsrooms ist die 4,5 mal 1,5 große Mediawand. Hier werden tagsüber Nachrichten verfolgt, Videokonferenzen geschaltet und am Abend der letzte Blick auf die Zeitungsseiten für den nächsten Tag geworfen.


Dennoch kann der Newsroom bislang noch nicht mit Vollkraft laufen. Als die Bauplanung begann und das inhaltliche Konzept entstand, war Corona nur als Biermarke bekannt. Mitten in die Vorbereitungen platzte die Pandemie. Und blieb bis heute. Deshalb arbeiten zwei Drittel aller Newsroom-Kollegen seit vielen Monaten im Homeoffice. Natürlich klappt die Kommunikation trotzdem, per Telefonkonferenz, E-Mail, Chats. Möglichkeiten gibt es ausreichend. Das direkte Gespräch aber können sie nicht ersetzen. Deshalb setzt auch die "Freie Presse" auf schnelle Impftermine für alle Kollegen, sodass sie Schritt für Schritt persönlich an ihrem Computer im Newsroom Platz nehmen können. Wenn die Blattmacher, die die überregionalen Politik-, Sachsen- und Wirtschaftsseiten gestalten, direkt neben den Annabergern, Freibergern, Chemnitzern und Zwickauern sitzen, lässt sich einfach noch besser über Bande spielen. Denn so wie die Interessen der Leser und Nutzer nicht an der Kreisgrenze Halt machen, endet dort auch keinesfalls der Nachrichtenaustausch - digital ohnehin nicht, aber auch in der gedruckten Zeitung ist der Blick in die Nachbarregion unverzichtbar.


Die Pressekonferenz zur Impfstrategie fürs Erzgebirge lief übrigens noch, als der digitale Leser die Informationen über längere Öffnungszeiten des Impfzentrums und zusätzliches Personal auf Smartphone oder Tablet lesen konnte. Die Reporterin hatte ihre Nachricht direkt in den Newsroom ans Online-Team gesendet. Die Blattmacher haben derweil die Impfkampagne sowohl auf der überregionalen Titelseite als auch mit weiteren Details in den Lokalteilen des Erzgebirges platziert.


Von Wohlfühlfaktoren und guter Kommunikation 

Wo die Herausforderungen im Open-Office liegen 

Großraumbüro - das klingt nach lauten Telefonaten, Diskussionen um zu wenig Licht und Kollegen, die mittags Nudeln aufwärmen. Innenarchitekt Werner Christoffel vom Schweinfurter Planungsbüro "Christoffel&friends" erklärt, was einen zeitgemäßen Redaktions-Großraum ausmacht.

Freie Presse: Herr Christoffel, als Sie nach etwas mehr als einem Jahr Umbauzeit den neuen Newsdesk der "Freien Presse" betreten haben, was haben Sie da gedacht?

Werner Christoffel: Ich habe mich herzlich mit den Journalistinnen und Journalisten und allen anderen Mitarbeitenden des Medienhauses gefreut. Denn offensichtlich ist es uns gemeinsam gelungen, hier einen Ort zu schaffen, der ein gutes Raumklima mit optimalen Arbeitsbedingungen und erholsamen Rückzugsorten verbindet.

Open-Office, Newsdesk - das sind moderne Worte für den Begriff Großraumbüro. Welche Herausforderungen sehen Sie, um dem Team hier eine kreative Arbeitsatmosphäre zu schaffen?

Zunächst einmal erwartet uns bei dieser Aufgabe ja ein gewaltiger Spagat, denn die individuellen Wünsche der Mitarbeitenden widersprechen sich oft. Sie erhoffen sich einerseits eine gute Kommunikation untereinander, wollen aber andererseits intim arbeiten. Sie möchten sich mittels bester technischer Ausstattung schnell über aktuelle Seitenumbrüche informieren, müssen aber auch ohne Druck tief greifende Interviews führen können. Da helfen beispielsweise transparente Trennwände, die den direkten Geräuschdurchgang minimieren oder gemütliche Verweilecken, in denen konzentrierte Gespräche geführt und auch mal ein Café eingenommen werden kann. Letztendlich sind es immer sechs wichtige Säulen, die ineinander spielen müssen.

Erzählen Sie uns davon. Was muss ein Innenarchitekt beim Einrichten eines Newsdesks unbedingt beachten?

Im Mittelpunkt stehen immer der jeweilige Mitarbeiter, die Ergonomie der Büromöbel, die Gestaltung des Raumes, die klimatischen Bedingungen, die individuelle Lichtsituation und die feinsinnige Akustik. Auf den sensiblen Umgang mit Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter bin ich ja bereits eingegangen.

Zum Thema Lärm: Liegen dort die höchsten Herausforderungen, um konzentriertes und zielführendes Arbeiten zu ermöglichen?

Eine gute Akustik ist freilich einer der wichtigsten Punkte im Arbeitsalltag. Denn Sprachverständlichkeit hängt vom Nachhall ab. Lautstärke wiederum wird mit jeweiligem Schallpegel individuell wahrgenommen. Beim Nachhall gibt es Möglichkeiten mittels Teppichböden, Akustikdecken und Raumteilern, die speziell absorbierend sind, gegenzusteuern. Schallpegel und Lautstärke sind ein Thema, wo mehrere Mitarbeitende beieinander sitzen. Die Personen stören sich natürlich untereinander, wenn alle gleichzeitig sprechen und telefonieren. Zwischen den Arbeitsplätzen werden deshalb spezielle Glaswände, die vom Boden bis zur Decke reichen, platziert. Dadurch hört man schon gar nicht mehr genau, was der andere sagt. Die Abtrennung mindert die Geräusche merklich.

Der Newsdesk der "Freien Presse" ist von umlaufenden Fensterfronten gesäumt. Was bedeutet das für die wichtige Arbeit an den Bildschirmen und News-Screens?

Hier sind wir beim wichtigen Thema Licht, welches ebenfalls nicht zu unterschätzen ist. Im Sommer nimmt das gleißende Sonnenlicht Einfluss. Deshalb haben wir hier Blenden empfohlen. Im Gegensatz fehlt jedoch gerade im Winter das Tageslicht. In den Monaten liegt ein Teil der Arbeitszeit im Dunkeln. Dann braucht es eine kluge Lichtplanung. Wir haben im Chemnitzer Desk deshalb Stehleuchten, die mit LED-Leuchtelementen ausgestattet sind, verbaut. Dank Sensortechnik reagieren die Leuchten per Bewegungsmelder, schalten sich also automatisch zu und ab. Sie verfügen auch über eine Tageslichtsteuerung, sodass die Belichtung automatisch hochgefahren oder gedämmt werden kann. Die Lichtqualität bleibt ganztägig gleich. Die Strahlen leiten wir an die Decke, um eine indirekte Beleuchtung zu erreichen. Damit sind Blendungen bei der wichtigen Bildschirmarbeit ausgeschlossen.

Gab es den Moment, wo Sie im Zuge der Sanierung dachten: "Was haben wir denn hier für eine Überraschung?!"

Das passiert eigentlich bei jedem Auftrag. Planänderungen gehören zum Job. In meinem digitalen Ordner liegen etwa 30 Entwürfe und Skripte, die erarbeitet wurden, bevor das Baugeschehen in der Chemnitzer Redaktion überhaupt losgehen konnte. Die Böden hatten zunächst ein unterschiedliches Höhenniveau. Gerade solche Stellen könnten zu Stolperfallen werden und die Mitarbeitersicherheit gefährden. Die Bodenhöhen haben wir daher angeglichen, gleichzeitig aber auch bewusst gesetzte Podeste geschaffen. Auch hinter einigen Säulen, die bis dato zur Raumtrennung dienten, gab es die Überraschungen, nach denen sie fragten. Weil sie verkleidet waren, erkannten wir erst später ihren wahren Umfang im Inneren.

Jetzt, da Ihr Auftrag für die "Freie Presse" erfüllt ist: Wie bewerten Sie Ihre eigene Arbeit?

Das Wichtigste ist am Ende immer, dass Innenarchitekt und Kunde zu einem für beide Seiten erfüllenden Abschluss kommen. Das ist bei diesem Auftrag der Fall gewesen. Ich empfinde also Glück und Freude mit den Zeitungsmenschen. Gleichzeitig konzentriert sich unser Schweinfurter Team wieder auf neue Aufgaben. Wir sind zur Zeit wieder mit neuen Auftragsstellungen im Bankensektor und in Arztpraxen tätig, um gemeinsam mit unseren Kunden von der ersten Idee bis zur finalen Umsetzung neue Entwürfe zu verwirklichen.


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