"2019 wollen wir bis 24 Millionen wachsen"

Gett-Geschäftsführer Pierre Beer und Steve Möckel sprechen über die Unternehmensentwicklung, neue Ziele und Zwist im Welthandel

Über 200 Mitarbeiter, Niederlassungen in China, Hongkong und den USA: Was 1996 als klassisches Garagen-Start-Up begann, bewegt sich inzwischen erfolgreich auf internationalem Parkett. Seit 2013 konnte bei dem Tastaturhersteller der Umsatz um fünf Millionen Euro gesteigert werden, allein um rund zwei Drittel davon im jüngst abgeschlossenen Geschäftsjahr. Warum das so ist und weshalb man bei Gett gelassen auf die heraufziehenden Gewitter am Welthandelshimmel blickt - darüber hat Susanne Kiwitter mit zwei von drei Geschäftsführern gesprochen.

Freie Presse: Herr Beer, Herr Möckel - Sie vermelden im jüngsten Geschäftsjahr, das im Juni zu Ende ging, Umsatz und Auftragsvolumen auf Rekordniveau. Allerdings unterhalten Sie ausgerechnet in jenen Ländern Niederlassungen, deren Regierungschefs abwechselnd und immer aggressiver mit Einschränkungen des freien Handels drohen. Inwieweit betrifft Sie das?

Pierre Beer: Wir sind Zulieferer - wenn, dann trifft es zuerst unsere Kunden. Da wir jedoch ein großes Kundenportfolio haben und der einzelne Kunde wiederum eine große Produktpalette pflegt, sind die Risiken klein. Im Moment spüren wir nichts davon, sollte aber die deutsche Wirtschaft langfristig insgesamt Probleme bekommen, wird sich das auch auf uns auswirken. Steve Möckel: Lediglich der Verwaltungsaufwand beim Zoll hat etwas zugenommen, was mitunter einen Tag mehr Durchlaufzeit bedeutet. Man muss es beobachten, wir sehen es als mittelfristiges Risiko.

Grob sind Sie der Tastaturhersteller, 2017 machten Sie mit einer Hollywoodfilm-Requisite Schlagzeilen: Wie sieht Ihre Produktpalette konkret aus?

Beer: Vereinfacht gesagt, sind wir überall dort, wo es etwas zu bedienen gibt: an der Schnittstelle Mensch-Maschine. Das beginnt bei der einfachen Taste und endet bei komplexen Touchbediensystemen für Industrie oder Medizin. Möckel: Die saubere Arbeitsumgebung ist eine Story, die wir verfolgen. Dazu zwei typische Anwendungsbeispiele: In der Industrie gilt es, eine Tastatur frei von Öl und Schmutz zu halten; im Medizinsektor darf die Krankenschwester nicht zum Überträger von Keimen an Patienten werden, die sie sich an einer herkömmlichen Tastatur eingeholt hat. Dieses Thema gewinnt immer mehr an Bedeutung.

Abwaschbar oder staubfrei: Sie haben für alle Fälle die individuelle Lösung parat ...

Möckel: In diesem Prinzip liegt gewissermaßen der Ursprung unserer Geschichte. Gett wurde 1996 als klassisches Garagen-Start-Up gegründet. Die Idee: der Handel mit Industrie-Tastaturen. Aus der Nachfrage der Kunden nach modifizierten Lösungen entwickelte sich die Herstellung von individuellen Industrietastaturen.

Wie groß ist Ihre Produktpalette heute?

Beer: Wir unterscheiden zwischen über 1000 Katalogprodukten und ebenso vielen individuellen Bedienlösungen. Der zweite Bereich nimmt Dreiviertel unserer Geschäfte ein. Gett-Lösungen sind zunehmend auch von großen internationalen Unternehmen wie beispielsweise Siemens gefragt.

In einem Jahr um 3,5 auf 21 Millionen Euro gewachsen: In Ihrer Jahresumsatz-Mitteilung ist von den nächsten Kapiteln der Gett-Erfolgsgeschichte die Rede - was peilen Sie an?

Möckel: Wir wollen 2019 Richtung 24 Millionen wachsen.

Das funktioniert nicht ohne ausreichend zuverlässiges Personal. Wie steht es diesbezüglich bei Gett in Zeiten des Fachkräftemangels?

Möckel: Ein Großteil unserer Stellen sind Anlernstellen. Das bedeutet, dass wir Quereinsteigern attraktive Chancen bieten können. Beer: Andererseits ist es in arbeitnehmerfreundlichen Zeiten wie diesen eine große Herausforderung, mit einfachen Arbeiten am Standort wettbewerbsfähig zu bleiben.

Der Niedriglohnsektor ist das eine, für die Produkt-Entwicklung, das Projektmanagement oder den Vertrieb brauchen Sie aber qualifiziertes Personal - wie halten Sie die Leute?

Beer: Die Entlohnung ist das eine, die Gestaltung des Arbeitsklimas das andere. Bei uns gibt es familienfreundliche Schichten, erfolgsabhängige Anteile oder so simple Angebote wie kostenlosen Kaffee oder den für alle verfügbaren Obstkorb. Die Konsequenz: Unsere Mitarbeiter halten uns die Treue, von denen, die uns verlassen haben, kehren einige wieder zurück. Möckel: In den zurückliegenden anderthalb Jahren haben wir 25 Leute eingestellt, darunter Rückkehrer aus großen Ballungsgebieten.


Tastaturen und Bedienelemente aus Treuen - eine Erfolgstory

Neben Pierre Beer (36) und Steve Möckel (40) komplettiert Tino Pietsch (49) die Geschäftsführung von Gett. Das Trio übernahm vor fünf Jahren die Führung, bis dahin waren sie als Finanzdirektor, Einkaufsleiter und Prokurist dort tätig.

Möckel ist der Sohn der einstigen Firmenmitgründerin, die 1996 mit dem Handel von Industrietastaturen in Treuen startete. Das heutige Firmengebäude in Treuen wurde 1998 errichtet; 2000 begann Gett mit der Eigenanfertigung von Bedienlösungen.

Inzwischen zählt Gett etwa 210 Mitarbeiter, 190 davon am Standort in Treuen. Der Rest verteilt sich auf Niederlassungen in China, Hongkong und Houston (USA). Der Umsatz stieg im Geschäftsjahr 2017/18 um 3,5 auf 21 Millionen Euro. (suki)

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