A 72: Geparkte Lkw verschärfen Situation

300 Laster-Stellplätze gibt es an der Autobahn durch das Vogtland. Die reichen bei Weitem nicht aus. Zum Teil ragen Lastzüge bis in die Ausfahrten. Die Polizei steht vor einem Problem.

Reichenbach/Waldkirchen.

Mit dem zunehmenden Schwerverkehr auf der A 72 wächst auch die Parkplatznot für Berufskraftfahrer. Die Situation auf der Straße sei alarmierend, sagt CDU-Landtagsabgeordneter Stephan Hösl. Er spricht von lebensgefährlichen Szenen. "Zum Teil nutzen Lasterfahrer einfach den Standstreifen, wenn ihre Ruhezeit erreicht ist", berichtet der Reichenbacher.

Der Abgeordnete pendelt mehrmals pro Woche vom Vogtland nach Dresden. Von ihm aufgenommene Fotos dokumentieren Lastzüge, die aus Platzmangel im Bereich der Ausfahrt zum Rastplatz Waldkirchen abgestellt sind - und die fast bis auf die Autobahn ragen. Ein anderes Bild zeigt einen Laster, der quer über mehrere Parkflächen abgestellt ist, die für Autos reserviert sind. Nachdem die "Freie Presse" vergangene Woche berichtet hatte, dass der Lasterverkehr im Vogtland innerhalb von nur fünf Jahren um ein Viertel zugenommen hat, ging Hösl mit seinen Aufnahmen an die Öffentlichkeit. "Die Lage hat sich in den vergangenen zwei Jahren verschärft", sagt er. "Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht solche Situationen sehe."

Lothar Günnel, geschäftsführender Gesellschafter bei einem der größten Speditionsunternehmen der Region, Weck und Poller, bestätigt auf Nachfrage die Entwicklung. Auch er sieht regelmäßig abgestellte Laster, die mit dem Heck fast bis in die Fahrspur ragen. "So viele Plätze kann man gar nicht bauen, wie nötig wären", meint er. "Vielleicht wurde auch unterschätzt, wie schnell der Verkehr auf der A 72 zunimmt."

Die Firma hält 350 Fahrzeuge und neben dem Hauptsitz in Zwickau unter anderem auch Standorte in Ellefeld und Neuensalz. Günnel kennt die Not der Fahrer: "Wenn die Fahrtzeit abgelaufen ist und sie weiterfahren würden, weil sie keinen Parkplatz finden, gibt es bei der nächsten Kontrolle Probleme." Das Resultat: Aus Zeitdruck parken manche Brummis kurzerhand auf dem Standstreifen, statt früher mit der Parkplatzsuche zu beginnen. Auf der A 72 sind es überwiegend Laster aus dem Fernverkehr, die das Wochenende oder die Nacht auf einem Rastplatz im Vogtland verbringen müssen. "Wir versuchen, unsere Fahrer bis Samstagmittag alle wieder rein zu haben", sagt Günnel.

316 Lkw-Stellplätze gibt es momentan laut der zuständigen Verkehrsbehörde in Dresden an der Autobahn im Vogtland. Der Autohof ist da schon mitgezählt. 30 Stellplätze für Busse dürfen nachts teilweise auch von Brummifahrern angesteuert werden. Doch schon auf Basis der Zählungen von 2013 sei davon auszugehen, dass die Kapazitäten nicht ausreichen, heißt es auf Nachfrage aus der Behörde. "Bezüglich des Stellplatzbedarfes warten wir auf die Ergebnisse der Stellplatzprognose des Bundes für das Jahr 2030, die auf Basis der bundesweiten Zählungen vom Frühjahr 2018 erstellt wird", sagt Pressesprecherin Isabel Siebert. Sie verweist auf zusätzliche Stellplätze, die an den Rastanlagen in Neuensalz und Waldkirchen in den vergangenen Jahren entstanden sind. Auch auf der Tank-und-Rast-Anlage Vogtland wurde die Zahl der Plätze erhöht. Für Großzöbern gebe es die "Planungsabsicht" für zusätzliche Lkw-Stellplätze. Konkret seien diese Pläne aber noch nicht. Dafür müsse erst die Auswertung der Zählungen her.

Vorigen Monat besuchte der sächsische Innenminister Roland Wöller (CDU) das Autobahnpolizeirevier in Reichenbach. Stephan Hösl durfte mit. Es ging um das hohe Verkehrsaufkommen, die Parkplatznot der Brummi-Fahrer - und die Zwickmühle der Beamten. Denn würden die Polizisten einen Falschparker in seiner Ruhezeit weiterschicken, fordern sie ihn damit zu einer Ordnungswidrigkeit auf, erklärten sie dem Abgeordneten. Andererseits erhöhen falsch abgestellte Lastzüge die Unfallgefahr. "Dresden muss jetzt Druck in Berlin machen", schlussfolgert Hösl. "Es müssen dringend mehr Stellplätze her."


Kommentar: Jeder mussumdenken

Jeder bestellt im Internet, gern in verschiedenen Größen für die kostenlose Retour - und beschwert sich dann über Elefantenrennen auf der Autobahn und Laster mit ausländischem Kennzeichen. Auf die Schiene damit? Rufe nach Dresden, nach Berlin, nach Brüssel? Große Logistikzentren stehen längst auf der grünen Wiese, fernab jeder Schiene, und König Kunde hat sich daran gewöhnt, alles nach der Sofa-Bestellung vom Vorabend über Nacht just-in-time-geliefert zu bekommen - vom günstigsten Anbieter. Den einzelnen Sendungsverkehr auf die Schiene zu bekommen, das ist gar nicht mehr möglich. Der Zug ist abgefahren. Schon vor Jahrzehnten hätten die Weichen anders gestellt werden müssen. Aber jeder Einzelne kann bei sich anfangen und mal die Päckchen zählen, die er sich übers Jahr so liefern lässt.

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4Kommentare
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    1
    Zeitungss
    11.09.2018

    @Nixnuzz: Wie man sieht, ist es eigentlich überhaupt kein Problem, in den betroffenen Kreisen ist alles in bester Ordnung. Auch in Zukunft, der Brummi bringt das Frühstücksei und wenn möglich, jedes einzeln. Für diese Maßnahme wird es schon eher Zustimmung in der Bevölkerung geben. Hier sieht jeder nur noch seinen Vorgarten, vorausgesetzt er hat einen.

  • 1
    0
    Nixnuzz
    10.09.2018

    Hi Fans! Das ist kein regionales Problem! Jeder Kilometer BRD-Autobahn unterliegt dieser Parkplatz-Not . Ohne jetzt das Verkehrsministerium anzubohren hier nur das, was mir so auffällt: Vorhandene Alt-Parkplätze werden aufgebohrt und selbst Bergnasen abgesprengt, abgekoffert und zu Parkplätzen z.B. an der A45 Hessen + NRW aufgeblasen - groß wie Fussballplätze wo früher nix war.. A4 West und Ost-strecken, A5 - soweit es die Geologie hergibt. Schlimm bleibt es ab 16 - 17 Uhr - da kommste nich mal zum Klo durch....

  • 1
    0
    Zeitungss
    10.09.2018

    Kleiner Tipp zur Entspannung. Sechsspuriger Ausbau plus zwei Standspuren. Der Herr Dulig (SPD) und die Lobby denken sicherlich in die gleiche Richtung. Stillgelegte Bahnstrecken könnten ebenfalls zur Abstellung genutzt werden, bevor sie alle zu Radwegen werden. Die nicht mehr benötigten Fahrleitungsanlagen könnten die Brummifahrer als Wäscheleine für seine Dienstkleidung auf ihren Monatstrip benutzen.
    Herr Hösel, es müssen nicht mehr Stellplätze her, sondern der Verkehr muss dort stattfinden, wo er hingehört. Wo das sein könnte, darüber darf nachgedacht werden und ohne Beihilfe der Lobby.

  • 3
    0
    DerKuckuck
    10.09.2018

    Was die FP hier mal wieder von sich gibt. Wie bitte soll ein Fahrer früher mit der Parkplatzsuche beginnen?
    Die sehen alle so aus auf den Strecken. Zumal er ja festgeschriebene Lenk und Ruhezeiten hat. Sein Chef freut sich, wenn er ne Stunde eher Pause macht und damit eine Stunde Fahrzeit weglässt. Und mit Bestellungen im Internet hat das auch nicht alles zu tun. Das hat was mit Binnenmarlt zu tun. Das z.B. bayr. Schweine in Polen geschlachtet für den franz. Markt 3x quer durch die EU transportiert werden. Wo ist das Problem alle Rastplätze des Landes zu verdoppeln? Ich verstehs net, das ist nurn Parkplatz, da brauchste kein Hightech dafür.



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