Bei Workshop wird deutlich: Kino ist mehr als Filme zeigen

Eine Weiterbildung zum Thema "Filmvorführer werden" hat gezeigt: Die organisatorischen und rechtlichen Wissenslücken sind groß.

Rodewisch.

Sie haben nicht vornehmlich mit dem Genre Film zu tun. Menschen zum Kinopublikum zu machen, gehört aber mehr oder weniger doch in ihr Repertoire. 13 Kreative, Freiberufler und Kulturschaffende aus sächsischen Museen, Bibliotheken und Vereinen haben einen Workshop zum Thema "Filmvorführer werden" genutzt, um Wissenslücken zu schließen - oder überhaupt erst zu entdecken. Angeboten hat den Kurs im Rodewischer Ratskellersaal der ortsansässige freiberufliche Filmemacher Matthias Ditscherlein in Kooperation mit dem Kulturraum Vogtland-Zwickau und Filmverband Sachsen.

Wie wird eine öffentliche Kinoveranstaltung angemeldet, organisiert, finanziert und beworben? Welche gesetzlichen Rahmenbedingungen sind zu beachten? Die Informationsfülle ließ sich kaum in einem Nachmittag unterbringen. Auch nicht das Bedürfnis nach Austausch in seinem ganzen Umfang. Aber ein Anfang ist gemacht. "Das war sehr aufschlussreich", berichtete Sandy Nagy vom Naturalienkabinett Waldenburg. Die stellvertretende Museumsleiterin ist einen großen Schritt weitergekommen. "Ich denke, wir haben hier im Gespräch schon ein Format entwickelt, das für unser Kabinett gut funktionieren würden", sagte sie. Vom Workshop bekam Nagy, was sie erwartete: Hilfe in rechtlichen Dingen und Anregungen. Im Vordergrund habe aber erst mal "die ganz praktische Frage" gestanden, woher ein Filmvorführer eigentlich sein Material bezieht. Und wie sich das Vorhaben auf sichere Füße stellen lässt.

Die Rechte-Seite interessierte auch Katarzyna Zierold vornehmlich. Sie leitet die Galerie "art gluchowe" im Glauchauer Schloss. "Ich wollte außerdem bissel mehr Einblick in das Finanzielle bekommen, womit man rechnen kann und muss", erklärte sie. Bernd Müller vom Kultur- und Heimatverein Landwüst hatte in erster Linie auf den Austausch mit Gleichgesinnten, Film- und Verleihrechte abgesehen. "Vieles kenne ich schon", sagte er. Trotzdem stehe immer die Frage im Raum, wie Filmvorführungen finanziert werden könnten.

Auch privat ist Bernd Müller Lichtspiel-Enthusiast. "Ich bin schon als Kind gerne ins Kino gegangen und komme aus einem kleinen Nest in der Rhön. Da erschließt sich die Welt über den Film." Umso mehr bedauerte er, dass diese kulturelle Spielwiese aus den ländlichen Landschaften verschwindet. "Man muss die Kultur mehr pflegen", fand Vereinschef Müller. Auch einige Etagen weiter oben: "Deutsche Filmemacher haben es schwer. Nur ein ganz geringer Teil schafft es in unsere Kinos."

Für Workshop-Leiter Matthias Ditschlerein als Fachmann hat sich die Zusammenkunft genauso gelohnt. "Das Feld ist sehr weit", sagte er. "Bei solchen Gelegenheiten kriegt man auch immer eine Rückmeldung, wie es in der Realität läuft." Außerdem schätzt er solche Erfahrungen für sein Ehrenamt. Matthias Ditschlerein leitet das Rodewischer Insel-Kino. "Als wir unseren Verein gestartet haben, stellten wir fest, dass es viele offenen Fragen gibt, die einen vielleicht sogar davon abhalten, etwas umzusetzen", erklärte der Workshop-Leiter. "Man kann das nicht einfach in einem Kompendium nachlesen."

www.filmlandsachsen.de

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