Bienenzüchter bekommen wieder Aufwind

Angesichts steigender Mitgliederzahlen hat der 100-jährige Auerbacher Imkerverein gestern zur Jubiläumsfeier in Grünheide ein optimistisches Zukunftsbild gezeichnet.

Grünheide.

Vor knapp drei Jahrzehnten reichte bei Feierlichkeiten noch ein etwas größerer Tisch. Die Zeit scheint endgültig vorbei zu sein. 35 Frauen und Männer hoben gestern beim 100-jährigen Jubiläum des Imkervereins Auerbach und Umgebung im Waldpark Grünheide die Sektgläser. Zum Vergleich: Aus der politischen Wende gingen die organisierten Bienenzüchter mit zwölf Mitgliedern hervor.

Mit 37 Jahren gehört Vereinschef Danilo Möckel zu den Jüngsten. Die Ältesten sind weit über 80 Jahre. Zusammen besitzen sie 234 Völker. Ein weiteres gehört zwar nicht dem Verein an, hat aber den direkten "Draht" dazu. "Von unseren Leuten leitet einer in Rodewisch eine Schul-AG", erzählte Danilo Möckel. Dabei lernen die Mädchen und Jungen, was Bienen können und brauchen. Die Arbeit mit den Schülern hat schon Früchte getragen: Aus der Arbeitsgemeinschaft konnte ein neues Mitglied übernommen werden.


"Es ist erfreulich, dass sich wieder mehr Leute - auch junge Leute - für die Imkerei interessieren und wir nicht mehr die Riesensorgen wie damals haben", sagte Danilo Möckel. Aufwind beobachtet er seit 2008. Das könne mit der Aktion "Imker werden" seitens des Landesverbandes zusammenhängen, vermutet Möckel. Zudem hat er die häufige Präsenz in den Medien im Verdacht - wenn auch aus weniger positivem Anlass. Faulbrut und Befall durch Varroa-Milben sind Themen, die seit Jahrzehnten aufhorchen lassen. Zu mitunter enormen Bestandsverlusten führende Krankheiten stellen Bienenzüchter bis dato vor gewaltige Probleme. Wobei Möckel zufolge der Milbe besser beizukommen sei als der Faulbrut: Ameisensäure kann deren Ausbreitung eingrenzen. "Das schadet der Milbe, nicht der Biene. Man muss seinen Betriebsablauf darauf abstimmen."

Drei Honigbienenrassen gibt es hierzulande. Am häufigsten ist die Carnica anzutreffen. Ihren Erhalt in Reinzucht gehört auch zu den Aufgaben und Anliegen der Imker. Dazu betreibt der Verein auf Carlsfelder Flur seit 2011 eine Belegstelle. "Man kann sagen, das ist eine Zuchtstation", sagte Danilo Möckel. Imker bringen ihre jungen, noch unbegatteten Königinnen zur Verpaarung mit Carnica-Drohnenvölkern dorthin. Seit 2019 gibt es in Sachsen ein sogenanntes Belegstellen-Schutzgesetz. Die Zuchtstation bei Carlsfeld erhielt als sachsenweit erste Schutzstatus: In einem Radius von acht Kilometern, den eine Königin bewältigen kann, darf kein Imker Bienen einer anderen Rassen halten.


Aus der Geschichte

Drei Jahre nach Gründung 1919 fusionierten Auerbachs Bienenzüchter mit den gleichaltrigen in Rodewisch. Hatte man nach dem Ersten Weltkrieg mit ständig steigenden Zuckerpreisen und Beschaffungssorgen zu kämpfen, stabilisierte sich die Situation Mitte der 1920er Jahre. Der Zweite Weltkrieg lähmte die Vereinsarbeit. Danach kamen die Imker wieder auf die Beine und zählten 1953 über 100 Mitglieder. Etwa zu der Zeit traten erste größere Tierverluste durch Pflanzenschutzmittel auf. 1963 wurde die alleinige Zucht der Carnica-Bienenrasse als verbindlich erklärt. Dramatische Verluste sind durch die Verlagerung des Rapsanbaus in die DDR-Nordbezirke belegt. Durch eine Fluor-Vergiftung starben 1975 den 188 Imkern 426 Völker. Rekord-Erntejahr war 1983 mit gut 11,2 Tonnen Honig. (dien)

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